zur Navigation springen

Kiel

03. Dezember 2016 | 12:40 Uhr

Wasserturm in Kiel : Im Herzen des neuen Wohnturms

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die ersten Bewohner sind eingezogen: Aus dem Wasserturm ist ein luxuriöses, ausgefallenes Domizil unter Denkmalschutz geworden.

Lärm und Dreck von der Baustelle im Stadtteil Ravensberg sind bald Vergangenheit – nach zwei Jahren intensiver Arbeiten. Der Innenausbau des alten wilhelminischen Wasserturms läuft zum Teil noch, die unteren der 34 Wohnungen sind schon fertig. Zwei Bewohner sind bereits eingezogen, die anderen folgen. Die übrigen Apartments sollen im Frühjahr fertig sein. Laut Bauleiter Michael Kelm (kl. Foto), der bis zu 50 Kräfte beaufsichtigt, hat die Treppe hat zuletzt einen Anstrich bekommen, auch Estrich wurde gerade fertiggestellt. Die Fenster der Turmspitze sind nach und nach eingebaut worden. Feinschliff auch für die Tiefgarage und die Dachabdichtung.

Peter Plambeck von der Immobiliengesellschaft GVI, welche die Wohnungen vermarktet, wirkt beim Rundgang durch das neue Hochhaus, als solches gilt der Wasserturm mit der markanten roten Ziegelfassade nun, zufrieden. Nach einigen Verzögerungen im Zeitplan – Fundamente mussten etwa verstärkt und der Eisenring rund um das Gebäude erneuert werden – geht das millionenschwere Projekt der BPB (Bauträger-, Projektentwicklungs- und Bauerschließungsgesellschaft) jetzt in großen Schritten auf die Fertigstellung zu. „Neu und Alt zu kombinieren, erfordert manchmal mehr Aufwand“, erläutert Plambeck.

Es war ein Bauprojekt unter besonderen Bedingungen. Denn der Wasserturm ist ein Denkmal. Nicht alle Pläne konnten deshalb wegen Einwänden der Denkmalschutzbehörde verwirklicht werden. So darf es keine Kaminöfen geben. Weil der Wasserturm mit seiner Spitze als höchster Punkt Kiels gelte, sollten über dem Dach keine Schornsteine aufragen. „Man wollte nicht, dass Rauch aufsteigt“, so Plambeck. Velux-Fenster waren oben ebenfalls tabu. Auch die angedachte schwarze Schiefer-Kuppel – abgelehnt. Sie würde reflektieren. Nun ist sie kupfern. Eine Herausforderung sei auch die Notwendigkeit des Einbaus einer Überdruckanlage gewesen, damit das Treppenhaus im Fall eines Brandes rauchfrei bleibt. Diese sorgt dafür, dass in einer verqualmten Wohnung bei geöffneter Tür Rauch durch ein automatisch geöffnetes Fenster abziehen kann.

So etwas macht sich finanziell bemerkbar. Die Kosten lagen bei rund 15,5 Millionen Euro. Ob etwas für die Investoren übrig bleibt? „Abgerechnet wird am Schluss“, sagt Plambeck. In jedem Fall sei das Projekt ein Gewinn – „auch für die Stadt und deren Bewohner“, findet er. Schließlich werde auf diese Weise ein Kieler Wahrzeichen erhalten, an dem der Zahn der Zeit genagt hatte. Der Wasserturm aus dem Jahr 1886 wurde bis 1990 genutzt. Später gab ein kleines Theater dort Vorstellungen.

Das ist lange vorbei. Die neuen Wohnungen sind tortenschnittartig angelegt, manche über zwei Ebenen. Die Kaufpreise reichen bis zu 800  000 Euro. Bis auf ein Penthouse sind laut Plambeck alle veräußert. Details wie diese lassen aufmerken: Raumhöhen von bis zu sechs Meter, Dachterrasse mit Ausblick über die Kieler Außenförde, ein Vollbad mit Blick auf die dicke frühere Außenmauer, gläserner runder Aufzug – wer kauft solch exklusive Wohnungen? Nach Angaben von GVI sind das Kieler und Käufer aus dem Umland, Alter 40 Jahre und aufwärts, aber auch Interessenten aus Süddeutschland, so Plambeck. „Das sind Freigeister, die sich den Traum erfüllen wollen, in einem Denkmal zu leben.“ Die meisten wollten selbst einziehen. Einige jedoch sehen den Erwerb auch als Geld-Anlage. Das bedeutet: Zehn Wohnungen werden zu mieten sein. Kostenpunkt: 10 bis 12,50 Euro pro Quadratmeter.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 07.Jan.2016 | 19:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen