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Kiel

06. Dezember 2016 | 11:15 Uhr

Chatshopper aus Kiel : Im Facebook Messenger: Chatbot „Emma“ hilft beim Shoppen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Netz gibt es viel Kleiderauswahl, das ist nichts für Shopping-Muffel. Chatbot „Emma“ aus Kiel soll beim Suchen helfen.

Shoppen kann anstrengend sein – besonders dann, wenn man nicht für sich selbst sucht, sondern der besten Freundin beratend zur Seite steht. Davon kann auch „Emma“ ein Lied singen, mit den Augen rollt sie aber nie, egal, wie oft die Bluse nicht gefällt. Auch schnippisch wird sie nicht. Geduld gehört bei ihr zum Job. „Emma“ ist Shopping-Beraterin und Freundin in einem. So sehen zumindest ihre Erfinder Antonia Ermacora (31) und Matthias Nannt (27) das technische Helferlein. „Emma“ ist kein Mensch, sie ist ein Computerprogramm, ein sogenannter Chatbot.

Im Jahr 2015 gründeten Ermacora und Nannt das Start-up „Chatshopper“ in Kiel. Jetzt steht der Umzug nach Berlin an – hier sitzen die Partner und die Entwickler. Zunächst suchten menschliche Shopping-Assistenten Produkt für die Nutzer heraus. Doch irgendwann kamen so viele Anfragen, dass die menschlichen Berater nicht hinterherkamen. Eine effiziente Lösung musste her. Seit April dieses Jahres beantwortet ausschließlich „Emma“ die Suchanfragen. Und wie sie das tut, entscheidet sie in aller Regel selbst. Nur wenn sie mit einer Anfrage gar nichts anfangen kann oder sich unsicher ist, leitet „Emma“ sie an ein Postfach weiter. Einer der vier Menschen im „Chatshopper“-Team prüft dann manuell, was gemeint sein könnte – und füttert „Emma“ mit den nötigen Informationen, damit sie für die Zukunft gewappnet ist, erklärt Mitgründerin Ermacora. Und der Lernprozess ist noch lange nicht vorbei: Aktuell könne „Emma“ noch keine Informationen aus Bildern verarbeiten und optisch ähnliche Produkte vorschlagen. Auch das direkte Bezahlen sei bislang nur über den Händler möglich, das solle sich aber noch in diesem Jahr ändern. Außerdem arbeite man an einer englischsprachigen Version. Auch auf eine Öffnung des Kurznachrichtendienstes Whatsapp für gewerbliche Anbieter hoffen Ermacora und Nannt. Bis dahin chattet „Emma“ mit Nutzern des Facebook Messengers.

Die Entwicklung von „Emma“ benötige Zeit. Deswegen habe man auch zurückgeschraubt und setze aktuell als Suchgrundlage für „Emma“ auf den Onlinehändler Zalando, außerdem statt wie anfangs auch auf Elektronikartikel ausschließlich auf Kleidung. „Man muss sehr behutsam sein“, erklärt Ermacora. „Wir hatten auch mal einen Bot, der Witze erzählen konnte“, erinnert sie sich. Doch je mehr ein solches Programm könne und je mehr Möglichkeiten zur Antwort es kenne, desto fehleranfälliger sei es. Der Witze-Bot beispielsweise schickte plötzlich ungefragt an alle seine Kontakte die Pointe eines Witzes. Nicht Sinn der Sache.

Dabei böten die autonomen Programme viele Vorteile: Sie seien rund um die Uhr verfügbar, erledigten Routineaufgaben schnell und professionell, skallierten besser und seien günstiger, zählt die Gründerin auf. „Sie sollten den Nutzer entlasten.“

„Emma“ sei „aktuell noch ein bisschen doof“, räumt Ermacora ein. Aufgrund von Erfahrungswerten und dem, was Nutzer liken, kaufen oder retournieren, oder von Informationen aus dem Facebook-Profil – Name, Geschlecht, Sprache – verbessere sie ihre Trefferquote aber stetig. Nutzer erhalten fünf Produktvorschläge auf einmal – die müssen passen, denn mehr als zwei bis drei Mal fordere man neue nicht an. Meist seien die Nutzer nachsichtig und antworteten im Chat sogar mit aufmunternden Worten, sollte bei der Suche doch einmal etwas nicht klappen oder länger dauern.

Ein wenig vermenschlichen auch die Erfinder ihre „Emma“: „Wenn Matthias mir erzählt, was ,Emma’ wieder Neues gelernt hat, klingt er wie ein stolzer Papa“, erzählt Ermacora. Und ein Gesicht hat sie für die „Chatshopper“-Gründer auch. Kein Wunder, erklärt Ermacora. Man verbringe schließlich viel Zeit mit ihr.

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erstellt am 07.Okt.2016 | 18:55 Uhr

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