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Kiel

07. Dezember 2016 | 23:19 Uhr

Schlaganfall : Im Ernstfall sofort in die Neuro

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zum Wohle des Patienten: Uni-Klinikum, Städtisches Krankenhaus und Rettungsdienst vereinbaren einheitliche Versorgungskette für den Ernstfall. Ab sofort geht es auf schnellstem Weg in die Neurologie – und in der dortigen Notaufnahme beginnt umgehend die Behandlung.

Der Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr, das Städtische Krankenhaus und das Uni-Klinikum Schleswig-Holstein (UKSH) haben eine Vereinbarung getroffen, die Schule machen könnte. Ab sofort werden sämtliche Patienten aus dem Großraum Kiel, bei denen der akute Verdacht auf Schlaganfall besteht, in der Neurologischen Klinik untersucht und zügig behandelt. Und zwar rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. Klares Ziel der Mediziner: Bereits eine Stunde nach Einlieferung des Patienten soll nicht nur eine genaue Diagnose vorliegen, sondern der Gefäßverschluss – der den Schlaganfall verursacht – nach Möglichkeit beseitigt sein.

Die Verantwortlichen stellten zusammen mit Staatssekretärin Annette Langner vom Gesundheitsministerium in der Notaufnahme der UKSH-Neurologie diese „standardisierte Versorgungskette“ vor. Dass gerade bei Schlaganfall-Patienten Eile geboten ist, gehört zum medizinischen Allgemeinwissen. Bei verzögerter Behandlung und unzureichender Durchblutung des Gehirns drohen schwere körperliche und geistige Schäden. Der Verdacht auf „TIA“, die „Transitorische Ischämische Attacke“, lässt bereits bei den Rettungssanitätern die Alarmglocken schneller schlagen.

Anzeichen für eine TIA und den gefährlichen Schlaganfall sind nach den Worten von Prof. Daniela Berg, der Klinikdirektorin der Neurologie, akute Sprachausfälle oder Lähmungserscheinungen. Angehörigen empfiehlt sie in diesem Fall den Notruf 112. Die Klinik-Chefin, erst im Frühjahr aus Tübingen an die Förde gewechselt, zeigte sich „zutiefst beeindruckt“ von der Kooperation, die auf Forschungen im UKSH fußt. Denn zur „Thrombolyse“, der medikamentösen Auflösung des Gerinnsels, kommt als neue Therapie-Möglichkeit die „Thrombektomie“ hinzu. Dabei schiebt der Arzt einen feinen Katheter von der Leiste bis ins Gehirn und zieht das Gerinnsel mit einer Art „Fangschirm“ heraus. Maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung hat Prof. Olav Jansen, Direktor der Radiologischen Klinik.

Nach der Untersuchung und der Erstbehandlung in der Neurologie – das stellten alle Beteiligten klar – ist durchaus eine Verlegung der Patienten möglich. Die Neurologie verfügt zwar über 15 eigene „Stroke-Unit“-Betten, die pro Jahr insgesamt 1500 Patienten aufnehmen können. Doch auch das Städtische Krankenhaus besitzt mit der Geriatrie und den internistischen Stationen sehr gute Therapiemöglichkeiten. Das ist nach der akuten Erstbehandlung von entscheidender Bedeutung: Gezielte Rehabilitation etwa mit Massage oder Logopädie entscheidet maßgeblich über die spätere Lebensqualität der Patienten.

Dabei können sich die jetzigen Erfolge sehen lassen. Wie es gestern hieß, können 95 Prozent aller Gefäßverschlüsse beseitigt werden, und 70 Prozent der Patienten können bereits nach drei Monaten wieder ein normales Leben führen. Weil auch die Bevölkerung altert, steigen auch die Schlaganfall-Zahlen. Im Jahre 2011 gab es laut UKSH-Direktor Jens Scholz 802 Patienten, fünf Jahre später sind es Mitte Oktober bereits 1004. Und bis zum Jahresende werden wohl 1200 Frauen und Männer behandelt.  

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erstellt am 17.Okt.2016 | 18:48 Uhr

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