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Kiel

07. Dezember 2016 | 09:41 Uhr

Streit um Flughafen : IHK will am Flugplatz Kiel-Holtenau festhalten

vom
Aus der Onlineredaktion

Gutachter wollen ihm eine Gnadenfrist gewähren. Die Grünen streben ein baldiges Aus an. Die Wirtschaft fordert den Erhalt des Flugplatzes.

Kiel | In die Diskussion um die umstrittene Zukunft des Flugplatzes Kiel-Holtenau kommt neue Fahrt. Nach Prüfung der beiden Varianten Fortführung des Flugbetriebs mit Ansiedlung von Gewerbebetrieben und Bau eines Stadtteils mit Wohnen und Gewerbe nach einer Schließung des Flugplatzes regt ein Gutachten einen Kompromiss an. Demnach könnte der Flugplatz noch einige Jahre betrieben werden, während sich kurzfristig Gewerbe ansiedelt und zugleich die Planungen für ein Mischgebiet Wohnen/Gewerbe vorangetrieben werden.

Das von der Stadt beauftragte Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos sieht keines der zwei Alternativkonzepte klar im Vorteil. „Mit Blick auf alle Daten und Ergebnisse drängt sich keine der beiden Nutzungsvarianten gegenüber der anderen auf“, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten fast 150-seitigen Gutachten. „Es kann kein K.O.-Kriterium festgestellt werden, das komplett gegen die Umsetzung einer der beiden Varianten spricht.“

Die Kieler Industrie- und Handelskammer (IHK) setzte sich weiter vehement für den Flugplatz ein. Landeshauptstadt und Region bräuchten ihn, sagte Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann. „Dies ist ein unverzichtbarer Standortvorteil, der nicht leichtfertig aufgegeben werden darf.“ Die Zukunft des Flugplatzes, der seit vielen Jahren keinen Linienverkehr mehr hat, und die Nutzung des angrenzenden Geländes sind seit langem umstritten.

Die IHK verfolgt das Konzept einer „Landebahn mit Gewerbegebiet“. Der Flughafen sei Teil der Wirtschaftsinfrastruktur und benötige jetzt eine zehn- bis fünfzehnjährige Planungssicherheit, sagte Orlemann.

Die Kosten für den Unterhalt des Verkehrslandeplatzes seien in den letzten Jahren gedrückt worden. Das Gelände rund um die Landebahn sollte gewerblich genutzt werden: „Von uns aus kann sofort grünes Licht für das Projekt Airpark gegeben werden“. Die IHK stehe auch zum Konzept der wachsenden Stadt und gehe davon aus, dass erforderlicher Wohnraum auch abseits des Flughafengeländes entstehen kann.

Die Kieler Grünen, schon immer Gegner des Flugplatzes, sehen das ganz anders. „Es kann nur eine Schlussfolgerung aus dem Gutachten geben: Schließung des Verkehrslandesplatzes und sofortiger Planungsstart für Wohnen und Gewerbe“, sagte die Kreisvorsitzende Angelika Oschmann.

Die Rathauskooperation von SPD, Grünen und SSW habe vereinbart, noch in diesem Jahr über die Zukunft des Flugplatzgeländes zu entscheiden. Aus Sicht der Grünen zeigt das Gutachten klar, dass die Variante mit Wohnungen und Gewerbe deutlich mehr Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Einkommen bringt als ein Weiterbetrieb des Verkehrslandeplatzes.

Als wachsende Stadt brauche Kiel bis 2030 rund 21.000 neue Wohnungen. „Das Projekt Airpark ist faktisch tot.“ Seit mehr als 14 Jahren habe sich kein „flughafenaffines“ Gewerbe angesiedelt. Kiel habe seit 2006, dem letzen Jahr mit Regionalflugverkehr, rund sechs Millionen Euro in den Defizitausgleich für die unproduktive Nutzung eines Sahnegrundstücks gesteckt. „Diese Verschwendung kann endlich gestoppt werden.“

Am Flugplatz arbeiten laut IHK 73 Mitarbeiter. Bei Planungssicherheit und mit kreativem Marketing könnte die Zahl der Unternehmen und Mitarbeiter kräftig steigen, sagte Hauptgeschäftsführer Orlemann.

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erstellt am 25.Okt.2016 | 12:31 Uhr

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