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Kiel

05. Dezember 2016 | 19:39 Uhr

Alte Bahnstrecke : Hein Schönberg rollt bald wieder

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vier Jahrzehnte lang war sie stillgelegt, doch jetzt wird die alte Bahnstrecke zwischen Kiel-Hauptbahnhof und der Probstei reaktiviert. Bis Oppendoprf sollen die erste Züge aus Kiel bereits im Dezember rollen, spätestens 2020 wird auch Schönberger Strand in den Fahrplan aufgenommen.

Ehrgeizige Pläne auf dem Kieler Ostufer: Noch in diesem Jahr sollen auf der stillgelegten Bahntrasse von „Hein Schönberg“ wieder regelmäßig die Züge rollen – wenn auch vorerst nur im Abschnitt zwischen dem Kieler Hauptbahnhof und der Haltestelle in Oppendorf knapp nördlich der Schwentine. In ein paar Jahren aber soll die gesamte alte Strecke nach Schönberger Strand angebunden werden. Das jedenfalls ist die Absicht, die gestern beim ersten Spatenstich für den neuen Bahnhof in Kieler-Ellerbek von allen Beteiligten bekundet wurde.

Nicht nur Verkehrsminister Reinhard Meyer, auch Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und die Plöner Landrätin Stephanie Ladwig stehen hinter diesem Konzept. „Hein Schönberg ist ein wichtiges Infrastruktur-Projekt für die gesamte Region“, erklärte die Landrätin, die künftig mehr Fahrgäste aus der Probstei zum Umsteigen vom Auto in die Bahn bewegen möchte.

Ähnliche Ziele verfolgt auch Kämpfer, der von einer „kleinen Kieler Stadtbahn“ sprach. Die neue alte Bahntrasse mit ihrem Anschluss an den Ostuferhafen sei touristisch wichtig und könne – weil der Großraum Kiel wohl kräftig wachsen dürfte – den heute schon stark befahrenen Ostring entlasten.

Allerdings: Die Aufwendungen für die Modernisierung der seit Jahrzehnten stillgelegten Strecke (siehe Info-Kasten) sind riesig. Laut Meyer kostet der Ausbau rund 30 Millionen Euro, die jährlichen Betriebskosten kalkuliert sein Ministerium auf 1,7 Millionen Euro. Allein der Bau des neuen Bahnhofs in Ellerbek (der alte befindet sich längst in Privatbesitz) schlägt mit 300  000 Euro zu Buche, für Oppendorf sind es 320  000 Euro.

Läuft alles nach Plan, wird der südliche Abschnitt von Hein Schönberg bereits beim Fahrplanwechsel im Dezember in den Bahnverkehr aufgenommen. Die Züge sollen im Stundentakt rollen, die Planer rechnen mit 2200 Fahrgästen täglich. Der Kreis Plön braucht für die nördliche Anschlussstrecke etwas mehr Zeit. Doch spätestens in vier Jahren soll dann auf der gesamten Trasse zwischen Kiel und Schönberger Strand wieder ein ebenso verlässlicher wie attraktiver Zug-Pendeldienst existieren. „In 30 Minuten geht’s dann vom Hauptbahnhof an den Strand“, verspricht Minister Meyer.  

Info-Kasten:

Die Kiel-Schönberger Eisenbahn ist eine typische Kleinbahn. Die 24 Kilometer lange Strecke verbindet Kiel mit dem Ostseebad Schönberger Strand mit einem Dutzend Haltestellen etwa in Gaarden-Süd, Ellerbek, Oppendorf, Schönkirchen, Trensahl, Probsteierhagen und Schönberg. Die im Volksmund nur „Hein Schönberg“ genannte Bahnstrecke ging 1897 in Betrieb. In den ersten Betriebsjahren endete die Bahn in Schönberg, die Verlängerung der Strecke um vier Kilometer zum Schönberger Strand wurde am 18. Juni 1914 eingeweiht. 1910 wurde auch eine Abzweigung zum Ostuferhafen an der Kieler Förde in Betrieb genommen. Sie versorgt bis heute das Kohlekraftwerk und den Containerhafen. Eine zweite Anschlussbahn verläuft vom Haltepunkt Trensahl bis zum Marineartilleriearsenal Laboe. Auf der idyllischen Strecke in die Probstei kreuzt Hein Schönberg auf einer zwölf Meter hohen und 75 Meter langen Brücke die Schwentine. Die Route war vor allem in den 50er- und 60er-Jahren eine äußerst beliebte Verbindung der Kieler zum Ostseestrand. Mit der wachsenden Motorisierung verlor Hein Schönberg dann an Bedeutung. Der reguläre Personenverkehr mit den MaK-Triebwagen endete am 31. Mai 1975. Seitdem ließ nur noch der Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn (VVM) seine Museumsbahnen auf der historischen Strecke rollen.

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erstellt am 30.Aug.2016 | 22:02 Uhr

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