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Kiel

08. Dezember 2016 | 10:57 Uhr

Brandstifter-Prozess : Hat die Polizei Zeugen unter Druck gesetzt?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Aus der Zeugenbefragung ergeben sich neue Ungereimtheiten im Altenholzer Brandstifter-Prozess. Vor dem Kieler Amtsgericht erklärten zwei Kumpel des Angeklagten, dass sie zu ihren belastenden Aussagen genötigt worden seien.

Die Anklage gegen den mutmaßlichen Brandstifter von Altenholz verliert immer stärker an Gewicht. Gab es schon am ersten Prozesstag erhebliche Einwände gegen das Vorgehen und die Beweislage der Ermittler (wir berichteten), so rückten gestern erneut zwei wichtige Belastungszeugen von ihren Aussagen ab. Sie fühlten sich massiv von der Polizei unter Druck gesetzt und entschuldigten sich sogar bei ihrem früheren Kumpel K., der zehn Wochen in U-Haft verbringen musste. Zweifel wurden gestern auch laut an der bisherigen Version der Tat, wonach ein angezündeter Müllcontainer im November 2014 die gesamte Ladenzeile in Flammen aufgehen ließ. Der Gesamtschaden liegt bei 6,5 Millionen Euro.

Der 22-jährige Zeuge D. kündigte ausdrücklich an, „hier die Wahrheit“ zu sagen. Das habe er auch mit seiner Mutter besprochen. D. hatte bei der Vernehmung auf der Wache eingeräumt, selbst schon mal einen Container angesteckt zu haben. „Die Ermittler wurden lauter“, schilderte der arbeitslose Computer-Freak den Umgang. Er sei von den Beamten durcheinandergebracht worden. Wörtlich sagte er: „Ich habe es mit der Angst bekommen. Ich habe keinen anderen Ausweg gesehen, als K. zu belasten.“

D. gab deshalb an, dass er K. frühmorgens am Tatort gesehen hätte. Sofort seien die Ermittler wieder freundlicher geworden, „und es lag sogar eine Packung Schokolade auf dem Tisch. Kurz danach durfte ich gehen.“ Doch diese eindeutige Aussage widerrief der Zeuge gestern in stockendem Ton: „Ich war nie am Brandort.“ Er sei bis in den frühen Morgen zu Hause mit Computerspielen beschäftigt gewesen. Das könne seine Mutter bestätigen, die sich mehrfach wegen der Lautstärke beschwert habe.

Ähnlich erging es offenbar J. (26). Auch der kräftig gebaute Schweißer konnte dem Druck nicht standhalten und ließ sich nach mehrstündiger Vernehmung („Sie haben pausenlos auf mich eingeredet“) zu dem Satz hinreißen: „Na ja, eigentlich kann es nur K. gewesen sein.“ Vor Gericht war er sich sicher: „Die Ermittler haben sich ganz schnell jemanden gesucht, den sie fertigmachen können.“ Dass K. aus Liebeskummer gezündelt hat – wie die Staatsanwaltschaft behauptet –, wies J. ebenfalls zurück: Am Brandtag waren K. und seine junge Freundin noch ein Paar.

Ganz andere Zweifel säte gestern eine Caféhaus-Betreiberin, die zu den Geschädigten jener Brandnacht gehört. Nach ihren Worten standen alle vier Müllcontainer unbeschädigt auf ihren Plätzen, dabei soll einer der Brandherd gewesen sein. Zu guter Letzt gab der Brandsachverständige zu Protokoll, dass man in der Ruine Spuren von Brandbeschleunigern (Petroleum oder Grillanzünder) nachgewiesen habe – auf der Kleidung von K. hingegen fand man derlei Spuren nicht.  

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erstellt am 24.Aug.2016 | 18:17 Uhr

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