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Kiel

23. Februar 2017 | 19:40 Uhr

Hand gegen Koje: Erste Studenten dabei

vom

Studentenwerk zog positive Zwischenbilanz des Projekts Wohnpartnerschaft

Kiel | Günstiger Wohnraum ist immer noch Mangelware in Kiel. Besonders die aktuell gut 30 000 Studenten in der Landeshauptstadt bekommen das zu spüren. Wohnheimplätze seien seit dem letzten Wintersemester dreifach überzeichnet. "Einige konnten deshalb ihr Studium nicht fristgerecht aufnehmen", sagte gestern Benjamin Raschke, studentisches Mitglied im Vorstand des Studentenwerks Schleswig-Holstein, in Kiel. Im vergangenen Sommer startete die Organisation deshalb ein im Norden einzigartiges neues Projekt - "Hand gegen Koje an Land" -, das Studierenden Zimmer bei Privatpersonen vermittelt.

Der Clou: Es sind so genannte Wohnpartnerschaften. Familien, ältere Menschen oder auch soziale Einrichtungen bieten eine Unterkunft. Im Gegenzug erhalten sie vom Untermieter Unterstützung, beispielsweise beim Einkauf, im Garten, beim Kochen oder bei der Kinderbetreuung.

14 Kojen seien bereits vermittelt, sagte Raschke, 14 weitere derzeit in Vorbereitung. "Die Nachfrage ist aber deutlich höher", so Raschke. Das sei ein "ganz ordentliches Ergebnis als Zwischenbilanz. Und auch die Wohnpartnerschaften könne man durchweg als Erfolge bezeichnen.

Yvonne Haase (35) ist eine von denen, die privat untergekommen sind. Die gebürtige Westfälin wohnt jetzt bei einem 81-Jährigen im Stadtteil Hasseldieksdamm, studiert seit kurzem Soziale Arbeit an der Fachhochschule. Sie sagt: "WGs und Wohnheime kommen für mich nicht in Frage, aus dem Alter bin ich herausgewachsen. Ich habe speziell danach gesucht, und dieser Platz passt für mich gut." Als Gegenleistung für das Zimmer leistet sie dem alleinstehenden Herrn Gesellschaft, geht mit ihm einkaufen.

Der neue Mieter soll aber nicht als billige Putzkraft verstanden werden - darauf weist Astrid Dürkoop vom Studentenwerk ausdrücklich hin: "Es gilt die Faustregel: Eine Stunde Arbeit im Monat für einen Quadratmeter Wohnraum." Zudem gibt es Verträge zwischen den Wohnpartnern, die mit einer Kündigungsfrist von 14 Tagen versehen sind - für den Fall, dass es gar nicht funktioniert. Bundesweit beteiligen sich bereits 14 Städte an dem Projekt, auch in Flensburg wird es gerade aufgebaut. Lübeck peilt das Studentenwerk an, wenn es sich in Kiel etabliert hat.

Der hochschulpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat, nahm das positive Signal gestern erfreut auf: "Wir begrüßen es sehr, dass das Modell ,Wohnen für Hilfe erfolgreich angelaufen ist. Wir wollen und wir brauchen mehr Studierende, und deswegen müssen wir nicht nur unsere Hochschulen aufbauen, sondern auch die dafür nötige Infrastruktur für die allgemeinen Lebensbereiche schaffen." Trotz aller Anstrengungen, neuen studentischen Wohnraum in öffentlicher Trägerschaft zu schaffen, müsse die Hauptverantwortung bei privaten Anbietern liegen.

Interessierte können sich an das Studentenwerk Schleswig-Holstein wenden, die Ansprechpartnerin Alexandra Dreibach ist unter Telefon 0431/8816314 oder per E-Mail unter wohnenfuerhilfe@studentenwerk-s-h.de zu erreichen.

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erstellt am 15.Mär.2013 | 03:59 Uhr

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