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Kiel

09. Dezember 2016 | 16:39 Uhr

Grüne folgen ihrer „Finanz-Kapitänin“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie gehört zum politischen Urgestein der Grünen in Schleswig-Holstein, ging einst auf die Straße gegen Atomkraft, hat als Abgeordnete im Kreistag und im Landtag gearbeitet. Seit vier Jahren führt Monika Heinold das Finanzressort im Kabinett von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD). Jetzt soll die 47-Jährige die Nord-Grünen in die Landtagswahl am 7. Mai führen.

97,3 Prozent der Delegierten eines Landesparteitages in Neumünster wollten das gestern so. Nur vier von 112 Delegierten enthielten. Neinstimmen: Null. So viel Geschlossenheit war selten in der Öko-Partei.

„Grandios“ sei das Ergebnis, verbreitete Parteichefin Ruth Kastner nach der Wahl via Twitter. Und auch Torsten Albig, der am Vortag als Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl nominiert worden war, gratulierte artig. „Privat und spontan“ war er mit seiner Lebensgefährtin Bärbel Boy zum Grünen-Landesparteitag gekommen und dankte Heinold für die erfolgreiche Arbeit als „Finanz-Kapitänin des Landes“.

Heinolds selbstbewusste Bewerbungsrede hatte zuvor nicht viel Neues gebracht. Man sei besser als die anderen, bläute die Kandidatin dem Parteitag ein. Nicht nur in Öko-Fragen, sondern eigentlich auf allen Feldern der Landespolitik. Parteitagsrhetorik eben. Die Delegierten, die nach fast zweitägigen Beratungen zuvor einstimmig das Wahlprogramm verabschiedet hatten, hörten Heinold politischen Parforce-Ritt zwischen frühkindlicher Bildung und HSH Nordbank mit Freude.

Und dann die Koalitionsfrage: Man habe prima regiert an der Seite von SPD und SSW, habe viel erreicht und wolle das Bündnis nach der Mai-Wahl gern fortsetzen. Ein „Erfolgsmodell“ sei die Küstenkoalition, urteilte Heinold. Der Beifall im Saal an dieser Stelle: Weitaus größer als an dem Punkt, an dem sich Heinold auch offen für andere Bündnisse zeigte: Die Grünen schlügen keine Türen zu – auch deshalb nicht, weil nach den jüngsten Erfolgen der AfD „alle demokratischen Parteien bereit sein müssen, zusammenzuarbeiten“. Das war es dann aber auch mit Heinolds Antwort auf die Avancen, die CDU und FDP den Grünen seit längerem schon machen.

Ein „gutes zweistelliges Ergebnis“ will Heinold mit ihrer Partei erreichen, die sie auch als „Gegenpol zur AfD“ sieht. Vor vier Jahren waren die Grünen mit 13,2 Prozent drittstärkste Kraft im Landtag geworden.

Zuvor hatten die Delegierten das Wahlprogramm abgearbeitet. Konfliktfelder im Verkehrsbereich, die es auch in der Koalition immer mal wieder gegeben hatte, entschärften die Delegierten weiter. Die Entscheidung über den Weiterbau der Autobahn A  20 falle eh in Berlin, heißt es. Die feste Fehmarnbeltquerung sehe man zwar weiter kritisch. „Wir wissen jedoch, dass politisch die Entscheidungen in Berlin und Kopenhagen getroffen werden.“

Als Vision wird ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr genannt. Außerdem wollen die Grünen sich für die Erprobung und den Einsatz von Elektrobussen einsetzen. Das Land soll dazu die Anschaffung von jährlich zwei Dutzend solcher Busse fördern – langfristig, wie es in dem Beschluss heißt.

Ende Januar parteitagen die Grünen erneut: Dann wird die Landesliste aufgestellt.


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erstellt am 27.Nov.2016 | 12:54 Uhr

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