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Kiel

09. Dezember 2016 | 16:40 Uhr

Prozess in Kiel : Großbrand in Altenholz - Zweifel an Schuld des Angeklagten

vom

Der Angeklagte soll 2014 einen Müllcontainer angezündet haben. Das Feuer zerstörte ein Einkaufszentrum in Altenholz.

Kiel | Im Prozess um einen Großbrand in Altenholz (Kreis Rendsburg-Eckernförde) mit Millionenschaden gibt es Zweifel an der Schuld des 23-jährigen Angeklagten. Sein Verteidiger sagte zum Prozessstart in einer kurzen Erklärung: „Mein Mandant ist unschuldig.“ Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten ergaben sich aus den Antworten einer ehemaligen Freundin und eines Polizeibeamten auf die kritischen Fragen der Vorsitzende des Schöffengerichtes. Der 23-Jährige selbst schwieg am Montag vor dem Kieler Amtsgericht. Ihm drohen bei einer Verurteilung wegen schwerer Brandstiftung zwischen einem und 15 Jahren Haft.

Wie sich aus den Befragungen der Vorsitzenden ergab, legte sich die Polizei zu früh und möglicherweise zu einseitig auf den Angeklagten fest. Demnach log zudem eine damals 14-jährige ehemalige Freundin des Angeklagten in ihrer ersten Vernehmung vor der Polizei. Auch weil sie ihn belastete, kam er vorübergehend in Untersuchungshaft. Vor Gericht gestand sie ihre Lüge ein.  

Die Beamten hätten sich auf belastende Aussagen eines Kumpels gestützt, obwohl dessen Alibi nachweislich falsch war und er sich offenbar selbst aus der Schusslinie bringen wollte. Die Richterin arbeitete Widersprüche akribisch heraus, zitierte immer wieder aus den Ermittlungsakten. Auf ihre Frage, ob der ermittelnde Beamte der Kieler Kriminalpolizei nicht deswegen „aus heutiger Sicht von tendenziösen Ermittlungen sprechen“ müsste, räumte der Zeuge schließlich ein: „Klar, man hätte den einen oder anderen noch vernehmen müssen.“

Der Angeklagte, der damals arbeitslos war, soll am frühen Morgen des 26. November 2014 in Altenholz (Kreis Rendsburg-Eckernförde) einen Müllcontainer an die Rückwand eines Einkaufszentrums geschoben und angezündet haben.

Dadurch brannte in den frühen Morgenstunden ein Nahversorgungszentrum vollständig nieder. In der Ladenzeile waren unter anderem Supermarkt, Restaurant, Bäckerei, Café und weitere Geschäfte untergebracht. Die Anklage beziffert den Schaden auf mehrere Millionen Euro. Menschen wurden nicht verletzt. Nach Polizeiangaben waren rund 100 Einsatzkräfte vor Ort, auch vom Marinestützpunkt Kiel. Die Löscharbeiten dauerten bis in den Nachmittag. Wegen des Einsatzes gab es Straßensperrungen und Verkehrsbehinderungen.

Der mutmaßliche Täter wurde erst über drei Wochen später nach intensiven Ermittlungen der Kieler Kriminalpolizei festgenommen. Er stammt aus Altenholz. Die Anklage vor dem Schöffengericht lautet auf schwere Brandstiftung. Es wurden vier Verhandlungstage angesetzt.

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erstellt am 22.Aug.2016 | 13:11 Uhr

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