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Kiel

08. Dezember 2016 | 15:30 Uhr

Prozess in Kiel : Großbrand in Altenholz: Anklage bröckelt weiter

vom

Bei einem Großfeuer in Altenholz im November 2014 entstand ein Schaden von 6,5 Millionen Euro. Am zweiten Prozesstag entschuldigen sich Belastungszeugen beim Angeklagten.

Kiel | Im Prozess um einen Großbrand mit Millionenschaden verliert die Anklage gegen den mutmaßlichen Brandstifter von Altenholz immer stärker an Gewicht. Gab es schon am ersten Prozesstag  erhebliche Einwände gegen  das Vorgehen der Ermittler, so rückten am Mittwoch erneut zwei wichtige Belastungszeugen von ihren Aussagen ab. Sie fühlten sich massiv von der Polizei unter Druck gesetzt  und entschuldigten sich sogar bei ihrem früheren Kumpel K., der zehn Wochen in U-Haft verbringen musste.

Bei dem Großfeuer in Altenholz im November 2014 entstand ein Schaden von 6,5 Millionen Euro. Am ersten Prozesstag waren massive Zweifel an der Schuld des Angeklagten laut geworden. Die Richterin rügte die unvollständigen Ermittlungen der Polizei.

Zweifel wurden auch laut an der bisherigen Version der Tat, wonach ein angezündeter Müllcontainer im November 2014 die gesamte Ladenzeile in Flammen aufgehen ließ, wobei Supermarkt, Restaurant und etliche Geschäfte vollständig niederbrannten.

 

Der 22-jährige Zeuge D. kündigte ausdrücklich an, „hier die Wahrheit“ zu sagen. Das habe er auch zuvor mit seiner Mutter besprochen. D. hatte bei der Vernehmung auf der Wache eingeräumt, selbst schon mal einen Container in Brand gesteckt zu haben. „Die Ermittler wurden lauter“, schilderte der arbeitslose Computer-Freak den rauen Umgang. Er sei von den Beamten förmlich durcheinandergebracht worden. Wörtlich sagte er: „Ich habe es mit der Angst bekommen. Ich habe keinen anderen Ausweg gesehen, als K. zu belasten.“ 

D. gab deshalb an, dass er K. frühmorgens am Tatort gesehen hätte. Sofort seien die Ermittler wieder freundlicher geworden, „und es lag sogar eine Packung Schokolade auf dem Tisch. Kurz danach durfte ich gehen.“ Doch diese eindeutige Aussage widerrief der Zeuge in stockendem Ton: „Ich war nie am Brandort.“ Er sei bis in den frühen Morgen zu Hause mit Computerspielen beschäftigt gewesen. Das könne seine Mutter bestätigen, die sich mehrfach wegen der Lautstärke beschwert habe.

Ähnlich erging es offenbar  J. (26). Auch der kräftig gebaute Schweißer konnte dem Druck nicht standhalten und ließ sich nach mehrstündiger Vernehmung („Sie haben pausenlos auf mich eingeredet“) zu dem Satz hinreißen: „Na ja, eigentlich kann es nur K. gewesen sein.“ Vor Gericht war er sich sicher: „Die Ermittler haben sich ganz schnell jemanden  gesucht, den sie fertigmachen können.“ Dass K. aus Liebeskummer gezündelt hat – wie die Staatsanwaltschaft behauptet –, wies  J. ebenfalls zurück: Am Brandtag waren K. und seine junge Freundin  noch ein Paar.

Ganz andere Zweifel säte eine Caféhaus-Betreiberin, die selbst zu den Geschädigten jener Brandnacht gehört. Nach ihren Worten standen alle vier  Müllcontainer unbeschädigt auf ihren Plätzen, dabei soll einer bekanntlich der Brandherd gewesen sein. Zu guter Letzt gab der Brandsachverständige zu Protokoll, dass man in der Ruine  Spuren von Brandbeschleunigern (wie Petroleum oder Grillanzünder) nachgewiesen  habe –  die Kleidung von K. hingegen wies derlei Spuren nicht auf.

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erstellt am 24.Aug.2016 | 16:09 Uhr

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