zur Navigation springen

Kiel

09. Dezember 2016 | 16:39 Uhr

Einschulungsuntersuchungen in SH : Gewicht, Motorik, Verhalten: Jedes vierte Kind ist im Vorschulalter auffällig

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Schwächen bei Motorik und Sprache nehmen zu. Und: Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind groß.

In Schleswig-Holstein zeigt jedes vierte Vorschulkind bereits in den ersten sechs Lebensjahren Auffälligkeiten bei Körpergewicht, Motorik, Sprache oder Verhalten. Nur 87 Prozent der Mädchen und 79 Prozent der Jungen werden die Schule nach Einschätzung der Schulärzte ohne zusätzliche Unterstützung durch Logopäden, Physio- oder Ergotherapeuten besuchen können oder benötigen keine Förderung im Bereich der Heilpädagogik.

Der Bericht zeigt, dass vor allem Kinder aus Migrationsfamilien und solche aus Elternhäusern mit niedrigem Bildungsabschluss Unterstützung brauchen. Wichtig ist, dass das erkannt wird - und so die späteren Chancen der Kinder erhöht werden.

Nach einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht über die Ergebnisse der Einschulungsuntersuchungen 2015, der dem sh:z vorliegt, stellten die Ärzte bei 22,6 Prozent aller ABC-Schützen Verhaltensauffälligkeiten fest. 34 Prozent hatten Sprachauffälligkeiten, 19 Prozent motorische Probleme – deutlich mehr als 2013. Und jedes zehnte Kind war zu dick. „Es gibt ganz offensichtlich einen Trend, dass die Fähigkeit der Kinder, sieben Sekunden lang auf einem Bein zu stehen oder schnell über ein Seil zu hüpfen, deutlich abnimmt“, sagt die Lübecker Uni-Professorin für Kinder- und Jugendmedizin, Ute Thyen, die seit Jahren die Statistik bei den Schuleingangstests im Norden analysiert.

Ursache für Defizite in Sprache, Motorik und Verhalten seien geänderte Lebenswelten, in denen Kinder heute groß werden. Statt teurer Therapien könnten jedoch auch in etlichen Fällen der Sportverein helfen, gemeinsames Singen oder Erzählen.

Auffällig bei den Schuluntersuchungen ist der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen. Beim Hüpfen und bei Balanciertests fielen 25 Prozent der Jungen (2013: 20 Prozent), aber nur 13 Prozent (8) der Mädchen durch. Bei jedem dritten Jungen waren die motorischen Probleme so gravierend, dass niedergelassene Kinderärzte eine Therapie beim Ergo- oder Physiotherapeuten verschreiben mussten. Bei den Mädchen betraf dies nur jedes fünfte. Ähnlich gravierend ist die Diskrepanz bei der Sprache: Logopädischen Unterricht vor der Schule bekamen 29 Prozent der Jungen, aber nur 20 Prozent der Mädchen.

Zudem gibt es auch starke regionale Unterschiede. Der Anteil der Jungen, die mit Förderbedarf eingeschult werden, liegt in Kiel und in Flensburg mit 35,8 Prozent am höchsten, in Dithmarschen mit 9,3 am niedrigsten. Die entsprechenden Raten betragen bei den Mädchen 31 Prozent in Kiel und 4,1 in Steinburg. Laut Thyen werden die Eingangstests unterschiedlich durchgeführt. Offenbar gehen einige Kreise davon aus, dass die Schule so gut ausgestattet ist, dass auffälligen Kindern mit Bordmitteln geholfen werden kann, in anderen wird auf externe Unterstützung gebaut. Wichtig ist laut Thyen, durch „noch präziseres Hinsehen“ dafür zu sorgen, dass Präventionsmaßnahmen gezielt den Kindern zugute kommen, die es nötig haben. Und das sind vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien und solchen mit Migrationshintergrund. „Hier müssen wir für mehr Chancengerechtigkeit sorgen“, so die Professorin .

Die erfreuliche Meldung zum Schluss: Sechs von zehn ABC-Schützen haben ein kariesfreies Gebiss – im bundesweiten Vergleich eine Spitzenposition.

zur Startseite

von
erstellt am 28.Jul.2016 | 20:27 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen