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Kiel

23. Februar 2017 | 19:36 Uhr

Vision von der FH-Kiel : Gewagte Idee: Seilbahn über die Förde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Kieler FH-Professor prüft mit vier Studenten die Machbarkeit einer luftigen Verbindung von Ufer zu Ufer. Bis 1989 gab es in Kiel schon einmal eine Stadt-Seilbahn.

Kiel | Er gibt zu, auf den ersten Blick ist es eine „gewagte Idee“: Der Kieler Fachhochschul-Professor Dr. Peter Franke überprüft derzeit mit vier Studenten die Machbarkeit einer Seilbahn über die Kieler Förde. Die Vision, mit der er jetzt an die Öffentlichkeit gegangen ist, entspringt einem Master-Projekt im Fach Technische Betriebswirtschaft, das die Verkehrs-Anbindung an die FH insgesamt verbessern soll. Denn diese, sagt Franke, ist „derzeit schlecht“ – er spricht aus eigener Erfahrung. „Schon lange gibt es in Kiel die Sehnsucht nach einer festen Verbindung“, meint Franke. Darum schlagen die Studenten Alternativen wie die Seilbahn vor. Vielen Kielern und Kiel-Besuchern wird die Idee nicht ganz neu vorkommen: Zwischen 1974 und 1989 gab es schon mal eine der weltweit ersten innerstädtischen Seilbahnen an der Förde.

Die gelben Gondeln überquerten damals den Alten Bootshafen. Das ehemalige Kaufhaus Weipert bot so den Fahrgästen die Möglichkeit, in 70 Sekunden kostenfrei vom Kaufhaus zum gegenüberliegenden Parkhaus zu gelangen. Aus Kostengründen wurde die Seilbahn, deren Strecke knapp 145 Meter maß und in 18 Meter Höhe die Gebäude verband, jedoch damals abgeschafft.

Einmal über die Förde, vom West- zum Ostufer und zurück – das wäre eine andere Hausnummer. In technischer und finanzieller Hinsicht. Es gilt, je nach Streckenführung, etwa 1,8 Kilometer Innenförde zu überwinden. Hoch genug müssten die Seile ebenfalls hängen. Damit Passagierschiffe mit hohen Aufbauten sicher in den Hafen fahren können, sind 80 Meter im Gespräch. Zudem müsste die Seilbahn auch Stürmen standhalten können. Von einer Beförderungs-Kapazität von bis zu 5000 Fahrgästen die Stunde spricht der Professor. „Wäre doch ein Knaller zur Kieler Woche!“, schwärmt Franke.

Doch die offenkundig größte Herausforderung: Wer soll das alles bezahlen? Peter Franke hält sich in der Hinsicht bedeckt. „Kosten können meine Studenten nur grob schätzen. Sie werden nicht auf einen Betrag X kommen, der so realisiert werden kann.“ Er verweist aber auf ein ähnliches Projekt eines privaten Investors, das aktuell in Hamburg diskutiert wird: Eine Verbindung über die Elbe zu einem großen Musical-Haus wird auf 25 Millionen Euro geschätzt. Das Projekt gilt als durchaus umstritten. Franke meint: „Das Thema ist en vogue“.

Und wie ist die Resonanz in Kiel? Grundsätzlich positiv. So hätten Kieler Kommunalpolitiker den Vorstoß zwar mit Skepsis, aber auch „offen und sehr wohlwollend“ aufgenommen, berichtet Franke, der für seine Vision auch mit dem umweltfreundlichen Aspekt sowie dem touristischem Nutzen werben will, den er sich davon verspricht. Es habe bereits Gespräche mit der Kieler Stadtverwaltung, der Hafenwirtschaft sowie Fähr- und Busbetrieben gegeben. Dennoch bleibt die Frage der Finanzierbarkeit im Raum.

Der Bund der Steuerzahler in Schleswig-Holstein hat dazu eine klare Haltung: „Die Idee ist gut. Aber dafür dürfen keine öffentlichen Gelder verwendet werden. Denn es gibt keinen öffentlichen Bedarf an so einer Seilbahn“, sagte Geschäftsführer Rainer Kersten auf Anfrage. Sie lasse sich nur realisieren, wenn sie vollkommen privat finanziert werde. Kersten: „Die Stadt Kiel kann sich das vor dem Hintergrund eines riesigen Sanierungsstaus in der Infrastruktur, bei Schulen und Kitas einfach nicht leisten.“ Über Nutzungsgebühren, so Kersten, ließe sich so eine Investition langfristig für einen privaten Investor rechnen. Zehn Euro pro Ticket hält er für realistisch. Auch Sponsoring wäre ein Weg, schlägt der Steuerzahlerbund-Geschäftsführer vor: „So eine Seilbahn ist ja ein Werbeträger.“

Was ist also machbar, was wirtschaftlich sinnvoll? Das loten die Master-Studenten jetzt aus. Erste Ergebnisse will Peter Franke mit seinen vier Studenten, noch vor Weihnachten präsentieren.

 

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erstellt am 11.Nov.2013 | 12:11 Uhr

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