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Kieler Förde : Fischer fängt 101 Jahre alte Flaschenpost

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Minen, Bomben, ein Torpedo und eine Leiche hat der Fischer Konrad Fischer schon aus dem Wasser geholt. Jetzt ging dem 65-Jährigen in der Kieler Förde eine fast 101 Jahre alte Flaschenpost ins Netz: Absender ist ein Mann aus Berlin.

Kiel | „Jeden Schiet“ hat Konrad Fischer schon als Beifang in der Kieler Förde im Netz gehabt. Doch das, was der 65-Jährige nun aus dem Wasser holte, ließ auch den erfahrenen Ostseefischer staunen: eine Bierflasche mit einer dänischen Postkarte von 1913. Sie ist älter als die bisher im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnete älteste Flaschenpost von 1914. Absender ist ein Berliner.

„Es war am Dienstag so gegen 14 Uhr, als wir das Netz etwa zwei Seemeilen östlich des Kieler Leuchtturms aus dem Wasser holten, da war dann diese braune Bierflasche dabei“, berichtet der 65-Jährige aus Heikendorf am Ostufer bei Kiel am Donnerstag.

Eigentlich wollte Fischer die Flasche schon über Bord werfen, aber dann sah er, dass ein Schriftstück darin war. „Der Porzellanverschluss ist beim Öffnen sofort zerbröselt, mit einem Draht habe ich die aufgerollte Postkarte rausgeholt“, erzählt Fischer. Er ist wieder draußen auf See und nur schwer zu verstehen wegen des dröhnenden Motors seines Kutters.

Seine Frau Kerstin (55) erzählt zu Hause in Heikendorf, was inzwischen über die stark verblichene, in Sütterlin beschriebene dänische Postkarte herausgefunden wurde. Der Absender ist demnach Richard Platz aus Berlin-Baumschulenweg, der den Finder bittet, die Karte an seine Adresse zu schicken. Beigefügt sind zwei Briefmarken aus dem deutschen Kaiserreich - „vermutlich um keine Kosten zu verursachen“, sagt Kerstin Fischer. Bis auf das Datum und den Absender des verblassten Textes hat sie nichts entziffern können, „dabei kann ich noch ein bisschen Sütterlin lesen“.

Bei den „Kieler Nachrichten“ wurde das historische Dokument eingescannt, vergrößert und Kontrastverstärker eingesetzt - „um die Schrift sichtbarer zu machen, was auch gelang“, erläutert Rainer Pregla, Chef der „KN“-Dokumentation. Auch der Kieler Stadtarchivar habe sich die Karte schon angeschaut. Näheres ist noch nicht bekannt, dafür aber über die Flasche. Auf deren Bauch steht das Wort „Kiel“ und darüber ist eine Art Kreuz zu sehen samt Schriftzug „Höchste Auszeichnung“. In der Kaiserzeit gab es mehrere Brauereien in Kiel, doch warum ein Berliner seine Post aus Dänemark ausgerechnet in einer Kieler Flasche versenkt, bleibt schleierhaft.

Das Guinness-Buch der Rekorde nennt bisher als älteste Flaschenpost eine Mitteilung vom 10. Juni 1914, die ein britischer Fischer am 12. April 2012 in einer Flasche vor den Shetland-Inseln fand. Im September 2013 berichteten kanadische Medien über einen Kanadier, der eine Flaschenpost sogar aus dem Jahre 1906 an einem Strand von Vancouver Island entdeckt haben will.

Seit einem halben Jahrhundert arbeitet Konrad Fischer als Fischer. Seitdem hat er neben ungezählten Tonnen Fisch auch Minen, Bomben, einen Torpedo und eine Leiche aus dem Wasser geholt - und jetzt eben die 101 Jahre alte Flaschenpost. Entschieden, was er mit der Flasche samt Postkarte macht, hat er sich noch nicht: „Weiß nicht, vielleicht meistbietend versteigern.“

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erstellt am 06.Mär.2014 | 16:10 Uhr

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