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Ein Denkmal für 32 starke Frauen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Pünktlich zum Internationalen Frauentag stellte Ingrid Lietzow das Kunstwerk von Tina Schwichtenberg „Mein roter Frauensalon“ im Kieler Gewerkschaftshaus vor. Der Wandteppich hat in der Legienstraße nun einen dauerhaften Platz gefunden.

„Wenn es schon kein anderer macht, möchte wenigstens ich den Frauen den roten Teppich ausrollen“, betonte die Künstlerin Tina Schwichtenberg bei der gestrigen Vernissage im Kieler Gewerkschaftshaus. Denn ihr Kunstwerk „Mein roter Frauensalon“, für das sich die Besucher auf wenigen Quadratmetern im Treppenhaus zusammenfanden, ist ein fünf Meter langer, zwei Meter breiter Wandteppich mit 32 Namen politisch bedeutsamer Frauen der letzten 150 Jahre deutscher Geschichte. „Es sind Frauen, die sehr willens– und durchsetzungsstark waren und sind“, befand DGB-Kern-Geschäftsführer Frank Hornschu.

Die Gleichberechtigung der Frau sei ein langer schwerer Kampf, erklärte Ministerpräsident Torsten Albig in seiner Ansprache, und dieser sei noch nicht beendet: „Noch heute werden Frauen um ein Viertel schlechter als Männer entlohnt – für die gleiche Arbeit“, so Albig. Als „kraftvolle Erklärung an unsere Geschichte“ habe der Teppich im Gewerkschaftshaus einen geeigneten und nun auch dauerhaften Platz gefunden.

Zu den Frauen, die Tina Schwichtenberg auf dem gewebten Teppich verewigt hat, gehören neben Rosa Luxemburg und Clara Zetkin als Vertreterinnen der Arbeiterbewegung am Anfang des 20. Jahrhunderts auch Pauline Staegemann, die    1873 den Berliner Verein für    Arbeiterfrauen gegründet hatte, und Katharina Focke – die als zweite SPD-Bundesministerin (1972 bis 1976) eine Kampagne für die Gleichberechtigung von Frauen ins Leben gerufen hatte. Mit Gertrude Guillaume-Schack bedachte Tina Schwichtenberg auch die Gründerin der ersten deutschen Frauengewerkschaft. „Mir waren die Frauen wichtig, die die ersten Schritte gemacht haben. Denn gerade die brauchen Mut“, betonte die Künstlerin. „Was diese Frauen geleistet haben, ist Wahnsinn.“

Aber auch Vertreterinnen unserer Zeit, wie Hannelore Kraft, Brigitte Zypries oder Heide Simonis, hat Tina Schwichtenberg ein Denkmal gesetzt. „Mit Heide bin ich politisch groß geworden.“ Ein einzelner Männername findet sich neben den 32 Frauen: August Bebel. Der Gründer der SPD forderte in seiner Schrift „Die Frau und der Sozialismus“ 1879 die Gleichberechtigung der Frau. „Das ist schon ein Hammer gewesen“, sagte Tina Schwichtenberg, „was er damals in der Theorie gesagt hat, leben wir heute in der Praxis. Hoffentlich.“

Tina Schwichtenbergs Hommage an starke Frauen und „einen emanzipierten Mann“ – wie die Künstlerin betonte – ist der zweite Entwurf eines Teppichs, der in der Berliner Friedrich-Ebert-Stiftung aushängt. Ingrid Lietzow von der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) sagte: „Als ich hörte, dass es einen zweiten gibt, dachte ich, der gehört ins Gewerkschaftshaus nach Kiel.“ Mit 750 bisher von der ASF gezahlten Euro ist das Kunstwerk noch nicht abgegolten, 2500 Euro muss Ingrid Lietzow noch über Spenden akquirieren. „Wir sind sehr froh, dass Tina Schwichtenberg uns das Kunstwerk trotzdem überlassen hat.“

Weil übrigens alle Frauennamen – mit August Bebel gewissermaßen als Spiegelmarke – doppelt vorkommen, verläuft der Teppich „Mein roter Frauensalon“ über die dritte und vierte Etage des Gewerkschaftshauses. „Das ist auch die einzige Stelle, wo man einen fünf Meter langen Teppich hätte hinhängen können“, stellte Frank Hornschu lachend fest.

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erstellt am 08.Mär.2017 | 18:13 Uhr

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