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Kiel

23. März 2017 | 15:30 Uhr

Kiel : Dreifache Mutter vor Kindergarten erstochen: Täter in U-Haft

vom

Das Opfer verblutete auf offener Straße. In der Nähe des Tatorts wurde ihr 40-jähriger Ehemann festgenommen.

Wieder hat ein Mann seine Ehefrau auf offener Straße getötet. Es ist eine Bluttat, die erschüttert und tieftraurig macht: Der fünf Jahre alte Sohn musste offenbar mit ansehen, wie seiner Mutter die Kehle durchgeschnitten wurde.

Der Tatort im Kieler Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf ist mit Flatterband abgesperrt, Ermittler in weißen Schutzanzügen sichern Spuren. Dann wird die Leiche in die Gerichtsmedizin gefahren. Dilek V. (34), Mutter von drei Kindern, ist auf dem Bürgersteig verblutet. Sie war bereits tot, als Polizei und Rettungskräfte eintrafen, alarmiert von einer Augenzeugin.

Am Donnerstag haben Rechtsmediziner mit der Obduktion der Leiche begonnen. Die Frau sei mit einem Küchenmesser getötet worden, sagte Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Dies habe die vorläufige Obduktion ergeben. Mit einem endgültigen Ergebnis werde erst in den kommenden Tagen gerechnet, sagte Bieler. Der 40 Jahre alte Verdächtige wurde am Donnerstagnachmittag einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Der Haftrichter erließ am Donnerstagnachmittag nach einem Antrag der Kieler Staatsanwaltschaft einen Untersuchungshaftbefehl wegen Totschlags. „Im Moment laufen noch Ermittlungen“, erklärte Bieler. Der Mann äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen.

<p>Am Tatort versammeln sich in einer Gruppe mögliche Angehörige des Opfers, sie werden von der Polizei betreut.</p>

Am Tatort versammeln sich in einer Gruppe mögliche Angehörige des Opfers, sie werden von der Polizei betreut.

Foto: rtn

Dilek V. hatte ihren jüngsten Sohn wie immer gegen 9 Uhr zu Fuß in die Kindertagesstätte „Am Wasserturm“ bringen wollen, sie wohnt nur fünf Minuten entfernt. Dabei fing Ehemann Aytekin A. (40) sie ab. „Die Ermittler der Kieler Mordkommission gehen von einem Beziehungsstreit zwischen den getrennt lebenden Eheleuten aus“, sagte Polizeisprecher Finn-Ole Henning. Nach Informationen von shz.de ging es dabei um das Sorgerecht.

Aytekin A. wurde an einem Supermarkt unweit des Tatorts festgenommen. Die Getötete hatte ihren Ehemann geheiratet, als sie 17 Jahre alt war, bekam mit ihm drei Kinder, zwei Söhne (5 und 15) und eine Tochter (10).

<p>Feuerwehrleute reinigen im Kieler Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf nach der Messerattacke den Tatort.</p>

Feuerwehrleute reinigen im Kieler Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf nach der Messerattacke den Tatort.

Foto: dpa

Vergangenen Sommer trennte sich Dilek V. dann. Eine Freundin (42) erzählt: „Sie hat das nach einem Türkeiurlaub entschieden, bei dem er sie brutal zusammengeschlagen hat, ihr und den Kindern die Pässe wegnahm und dann einfach allein nach Deutschland zurückflog.“ Die Mutter zog mit ihren Kindern aus, vor ein paar Tagen sprach ihr ein Gericht das alleinige Sorgerecht zu. „Das hat Aytekin nicht verkraftet“, glaubt die Freundin. „Er erzählte überall, er dürfe die Kinder nicht mehr sehen. Doch das stimmte nicht, es gab eine Besuchsregelung, und Dilek hat den Kindern immer gesagt: ,Er bleibt euer Papa‘. Sie war eine so herzensgute Frau, ein Engel.“

Augenzeugen berichten von fürchterlichen Schreien des Opfers, dem mit einem Messer die Kehle durchtrennt worden sein soll. Die Ermittler schweigen zu den Verletzungen der Getöteten.

<p>Die Spurensicherung am Tatort: Die Bluttat ereignete sich in der Nähe der städtischen Kindertagesstätte am Wasserturm.</p>

Die Spurensicherung am Tatort: Die Bluttat ereignete sich in der Nähe der städtischen Kindertagesstätte am Wasserturm.

Foto: rtn

Am Tatort versammelten sich am Mittwoch zahlreiche Freunde. Viele der Frauen weinten, einer der Männer sagte zu einem Polizisten: „Wir haben doch gesagt, dass so etwas passieren wird, warum habt ihr sie nicht beschützt?“ Aytekin A. soll auch nach der Trennung mehrfach gewalttätig geworden sein. Die Staatsanwaltschaft konnte entsprechende Vorfälle nicht bestätigen, auch von einer psychischen Erkrankung, von der Personen sprechen, die den Verdächtigen kennen, ist den Ermittlern nichts bekannt.

Die drei Kinder sind nun in Obhut des Kieler Jugendamtes. Leiterin Marion Muerköster: „Sie werden psychologisch betreut und sind gemeinsam in einer Pflegefamilie untergebracht.“ Der Fall weckt traurige Erinnerungen an den Tod von Delali A. (38). Die Frau war am 7. Dezember in der Kieler Nachbargemeinde Kronshagen von ihrem Ehemann auf dem Gehweg angezündet worden, nachdem beide ihre Kinder, zwei Jungen, in Schule und Kita gebracht hatten. Sie starb.

Tragisch: Der fünfjährige Sohn von Dilek V. ist wohl Zeuge der Tat geworden, soll danach verzweifelt in seine Kita gelaufen sein. Die Mutter eines Kindergartenkindes (44) erzählt: „Er stand weinend im Flur und sagte: ,Papa hat Mama geschlagen‘. Ich habe ihn umarmt, getröstet und versprochen: ,Keine Angst, ich bringe deine Mama her‘. Ich wusste ja nicht, dass sie tot ist. Ich konnte mein Versprechen nicht halten.“

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erstellt am 15.Mär.2017 | 19:41 Uhr

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