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Kiel

01. Juli 2016 | 01:11 Uhr

Holstein Kiel : Diskriminierung? Geburtsort entscheidet über Stadion-Platz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es klingt absurd: Bist du im Osten geboren, kommst du hier nicht rein. So vereinfacht könnte man das Kriterium von Holstein Kiel für den Kartenverkauf für das Spiel gegen Rostock bezeichnen.

Kiel | Es klingt wie in einem schlechten Film kurz nach der Wende: Die Kartenverkäufe für das Spiel Holstein Kiel gegen Hansa Rostock wird nach dem Geburtsort des Fans entschieden.

Der Diplom-Meteorologe Sebastian Wache (29) berichtet: „Ich bin seit Jahren regelmäßiger Stadiongänger bei Holstein Kiel und habe sämtliche Erfolge in meiner Zeit in Kiel mitbegleitet und mitgefeiert. Wie auch im letzten Jahr wollte ich Karten für das Spiel gegen Rostock kaufen. Letztes Jahr noch kein Problem. Dieses Jahr schon, denn mir wurden die Karten zunächst verweigert.“ Der Grund: Sein Geburtsort liegt in Sachsen. Seit 1990 lebt Wache in Schleswig-Holstein, seit 2005 wohnt er sogar in Kiel – die Adresse steht auch im Ausweis, dennoch weigerte sich die Verkäuferin, ihm Karten zu verkaufen. Wache: „Eine schlüssige Begründung wurde mir nicht genannt. Erst als ich noch weitere Karten für die nächsten Spiele haben wollte, wurden mir nur sehr widerwillig Karten verkauft, da anscheinend erkannt wurde, dass ich nicht nur für das Rostockspiel Karten haben wollte.“

Direkt hinter ihm steht eine Fußballfreundin – ihr Problem: Sie ist in Thüringen geboren. Dass sie seit zehn Jahren in Kiel wohnt und die Karten für sich, ihren Mann und den Sohn – allesamt eingefleischte Holstein-Fans – kaufen wollte, zählte nicht. So erging es auch einem Mann, der ebenfalls seit Jahren in Kiel lebt, aber in Haale an der Saale geboren wurde. „Wenn Sie im Westen geboren wären, hätte ich Ihnen Karten verkauft“, sagte ihm die Dame im Fanshop. Er war fassungslos.

Doch nicht nur Holstein-Fans aus den neuen Bundesländern scheinen Probleme beim Kartenvorverkauf für das Rostock-Spiel zu haben. Ein 29-jähriger Kieler, nur geboren in Lübeck, musste ebenfalls lange für seine Karte diskutieren, „weil Lübeck angeblich näher an Rostock als an Kiel liegt und Lübecker sich auch nicht mit Kielern verstehen“, sagte man ihm. Schließlich bekam er die Karte, den Kopf schüttelt er trotzdem über die „Vorab-Selektierung“.

Was ist da los bei Holstein Kiel? Auf der Homepage des Vereins heißt es: „Da das Spiel gegen den FC Hansa Rostock von den Sicherheitsbehörden als Spiel mit erhöhtem Risiko eingestuft wurde, gilt hier eine gesonderte Regelung für den Kartenverkauf. Die Karten werden ausschließlich über unser Ticketcenter am Holstein-Stadion an Fans von Holstein Kiel nach Vorlage eines Ausweispapieres ausgegeben.“ Dass der Geburtsort darüber entscheidet, ob man als Fan anerkannt wird, ist nicht erwähnt. Geschäftsführer Wolfgang Schwenke: „Mein Ziel ist es, für eine sichere Veranstaltung zu sorgen.“ Im letzten Jahr haben sich Rostocker in den Kieler Block eingekauft, die Imbissbude verwüstet, auf 15 000 Euro Schaden sitze man heute noch. Es habe „absolut nichts mit Diskriminierung zu tun, und es tut mir leid, wenn Fans keine Karten bekommen“. Aber irgendwo müsse man anfangen, und Ostdeutsche seien generell gewaltbereiter. Deshalb werde diese Art der Einlass-Selektion auch beim Spiel gegen Dresden nicht geändert.

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erstellt am 26.Jul.2014 | 04:51 Uhr

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