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Kiel

03. Dezember 2016 | 20:40 Uhr

Küstenkraftwerk K.I.E.L. : Die modernste Anlage Europas

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Abkehr von der Steinkohle: Der Aufsichtsrat der Stadtwerke gibt grünes Licht für das neue Küstenkraftwerk. Das umweltfreundliche 290-Millionen-Euro-Projekt basiert auf Gasmotoren-Technik. Es soll bereits in zwei Jahren das alte Kraftwerk auf dem Ostufer ersetzen.

Am Ende waren alle Beteiligten erleichtert. Nach jahrelangen heftigen Turbulenzen um den Neubau des Kraftwerkes auf dem Kieler Ostufer hat der Aufsichtsrat der Stadtwerke gestern das Mammutprojekt offiziell angeschoben und damit gleichzeitig die Abkehr von der Steinkohle eingeläutet. Das hochmoderne Gasmotoren-Heizkraftwerk (GHKW) soll 70 Prozent der bisherigen CO2-Abgase einsparen. Dafür kostet die Anlage auch stolze 290 Millionen Euro.

Das wichtige Ja fiel quasi auf den letzten Metern. Denn die vorsorglich unterschriebenen Bauverträge mit den Generalunternehmern besaßen nur noch Gültigkeit bis November. Wäre die Frist verstrichen, hätte eine neue Ausschreibung erfolgen müssen. Seit gestern aber steht fest: In Kiel entsteht das modernste Kraftwerk Europas. Es soll bereits in zwei Jahren die Bevölkerung mit Strom und Fernwärme versorgen.

Die Zeit drängt. Denn die Betriebserlaubnis für das bestehende alte Steinkohle-Kraftwerk auf dem Areal nördlich des Ostuferhafens läuft bereits im Frühjahr 2018 aus. Schon vor Jahren begannen deshalb die Planungen für einen Neubau, der – so der erste Entwurf – ebenfalls Kohle verfeuern sollte. Diese Uralt-Technik rief in Zeiten des Klimawandels politischen Widerstand hervor. „Zum Glück“, wie Stadtwerke-Vorstandschef Frank Meier gestern einräumte. Favorisiert wurde seit 2013 deshalb die Gasmotoren-Lösung.

Diese moderne Technik besitzt mit über 90 Prozent einen sehr hohen Wirkungsgrad. Jeweils gut 190 Megawatt elektrischer und thermischer Energie werden künftig auf dem Ostufer produziert. Zwei Neben-Bauwerke erfüllen wichtige Aufgaben. Der Elektrodenkessel kann – etwa bei einem Überangebot an Strom aus Windenergie – die elektrische Energie in Fernwärme umwandeln. Und der 60 Meter Wärmespeicher kann wie eine riesige Thermoskanne 30  000 Kubikmeter erhitztes Wasser horten. Das reicht nach Berechnung der Stadtwerke für die Versorgung der 70  000 Fernwärme-Kunden über Stunden hinweg.

Das Besondere am GHKW besteht schließlich auch darin, dass die 20 gewaltigen, in vier Blöcken aufgestellten Gasmotoren höchst flexibel auf den Energiemarkt reagieren könen. Die Techniker können die Anlage binnen fünf Minuten auf Volllast hochfahren, wie Jörg Teupen erklärt, der Technik-Chef der Stadtwerke. Zum Vergleich: Das alte Kraftwerk braucht dafür mindestens vier Stunden.

Kein Wunder, dass die verantwortlichen Männer angesichts der vielen Vorzüge des neuen Kraftwerks voll des Lobes waren. Meier sprach von einer „historischen Entscheidung“. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ist stolz auf dieses „Zukunftsprojekt“. Für Georg Müller, Vertreter des Mehrheitsgesellschafters MVV und Chef des Aufsichtsrates, ist das Ja zum Bau „die wichtigste Entscheidung der letzten Jahrzehnte und wohl auch für die nächsten Jahrzehnte“. Die Macher haben sogar einen neuen Namen gefunden: „Küstenkraftwerk K.I.E.L.“ heißt die neue Anlage – und die Abkürzung steht für „Kiels intelligenteste Energie-Lösung“.

Gleichwohl: 290 Millionen Euro galt es zu stemmen. Den Löwenanteil von 105 Millionen Euro steuert die Europäische Investitionsbank bei, die Investitionsbank SH beteiligt sich mit 30 Millionen Euro, den Rest teilt sich ein Bankenkonsortium. Wichtigster Baustein ist allerdings die Förderung aus dem neuen Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz. Sie steigt von 2,1 auf 3,1 Cent pro Kilowattstunde und macht in der Summe für die ersten Betriebsjahre 120 Millionen Euro aus.

Für das Vorzeigeprojekt Küstenkraftwerk haben die Stadtwerke sogar eine neue Broschüre aufgelegt. Die Auflage liegt bei 154  000 Stück, jeder Haushalt bekommt ein Exemplar zugeschickt. Richtungsweisend lautet die Überschrift zum Haupt-Artikel der Broschüre: „Unser Beitrag zur Energiewende.“

 

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erstellt am 11.Nov.2016 | 18:42 Uhr

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