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Kiel

04. Dezember 2016 | 11:16 Uhr

Kielhilft Flüchtlingen : Die akute Nothilfe ist Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Initiative Kiel hilft Flüchtlingen hat sich vor genau einem Jahr gegründet und maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Fremden an der Förde aufgenommen fühlten. Heute geht es um die Aufgabe der Integration – dafür sucht die Organisation neue Räume.

Kleiner Rückblick: Als vor einem Jahr Tausende von Flüchtlingen nach Deutschland strömten und auf dem Nordmarksportfeld eine Erstaufnahme für Hunderte von Asylbewerbern eingerichtet wurde, gründete sich auch die Initiative „Kiel hilft Flüchtlingen“. Niemand konnte damals ahnen, dass daraus eine riesige Unterstützungskampagne erwachsen sollte. Doch die Aufgaben haben sich geändert: Nicht mehr die Notfall-Versorgung steht im Vordergrund, wie Vorstandsmitglied Fabian Dehncke (Foto) erklärt, sondern die gelebte Integration mit Sprachkursen und praktischer Lebenshilfe.

Armini Wais ist ein gutes Beispiel. Der Afghane hat in seiner Heimat als Brautmodenschneider gearbeitet. „Er kann nähen wie ein junger Gott“, lobt Barbara Richter aus der Nähstube der Organisation. Mittlerweile spricht Wais auch leidlich gutes Deutsch, doch er findet sich in der fremden Sprache schriftlich noch nicht zurecht – was allerdings Voraussetzung wäre für einen Job in Deutschland. Auch die Nähwerkstatt im Spendenlager an der Preetzer Straße 5 hat sich gewandelt: Dienstags zwischen 11 und 16 Uhr steht sie jedermann offen, nicht allein den Flüchtlingen.

Aus der Initiative, die sich am 23. August 2015 gründete und am 2. September mit einem bunten „Willkommen“ die Flüchtlinge auf dem Norder begrüßte, ist ein gemeinnütziger Verein geworden. Längst hat „Kiel hilft Flüchtlingen“ Kontakte weit über die Landeshauptstadt hinaus aufgebaut. Und da die Flüchtlingszahlen hierzulande rapide zurückgegangen sind, die Spenden aber weiterhin fließen, werden mittlerweile in Kooperation mit dem UNHCR, dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen, Hilfstransporte etwa in die überfüllten griechischen Lager organisiert.

Die Organisation muss das Lager an der Preetzer Straße bis zum Jahresende räumen und sucht deshalb ein neues Quartier (wer helfen kann, möge sich unter der E-Mail-Adresse vorstand@ kiel-hilft-fluechtlingen melden). Am liebsten mit zwei großen Räumen, in denen genug Platz ist etwa für Näh-, Sprach-, Koch- und Musikkurse, ebenso für ein Internet-Café. Die tägliche Begegnung von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen ist wichtig. „Integration funktioniert nur     außerhalb der eigenen vier Wände. Nur so bauen wir Ängste ab“, betont Dehncke und lobt die ungebrochene Hilfsbereitschaft: „Auf die Kieler können wir uns jederzeit verlassen.“  

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erstellt am 23.Aug.2016 | 19:30 Uhr

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