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Dachdecker : Der Niedrigpreis war nur der Köder

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vor dem Kieler Amtsgericht ist ein Betrugsverfahren angelaufen. Drei Handwerker sollen Kunden mit extrem niedrigen Preisen gelockt haben. Sobald das Dach dann abgedeckt war, haben sie Zuschläge verlangt. Teilweise das Doppelte der ursprünglichen Summe.

Sie sollen mit extrem preiswerten Kostenvoranschlägen Kunden angelockt haben, von ihnen aber später teilweise horrende Aufschläge verlangt und kassiert haben. Wegen gemeinschaftlichen mehrfachen Betrugs sitzen drei Handwerker zurzeit auf der Anklagebank des Kieler Amtsgerichtes.

Die Masche war, der Anklageschrift des Staatsanwaltes zufolge, im Kern immer die gleiche. Mit Inseraten in kostenlosen Anzeigenblättern warb das Trio über Jahre hinweg für seinen Dach- und Fassadenservice. Sie stellten eine preiswerte Dachsanierung, gekoppelt meist mit einer Fassadenisolierung, in Aussicht und setzten mit ihren Kunden auch gleich einen Vertrag auf. Angeblich über einen Endpreis, sämtliche anfallenden Arbeiten sollten inklusive sein.

Doch sobald das Gerüst aufgestellt und das Dach abgedeckt war, klopfte ein Kompagnon an die Tür. Mal hieß es, man habe sich verrechnet. Oder es sei der Materialpreis erheblich angestiegen. Oder es sei der Kollege, der den Erstvertrag aufgenommen habe, nicht mehr im Betrieb tätig und die Abmachung ungültig.

Es lief jedenfalls immer auf das Gleiche hinaus: Die anfänglich so niedrigen Kosten müssten heraufgesetzt werden. Da stieg dann der Preis von ursprünglich 33  000 auf gut 54  000 Euro, verdoppelte sich nahezu von 20 000 auf 36  000 Euro oder wuchs von 13  500 auf 20  000 Euro. Acht Fälle listete die Anklage auf, sie ereigneten sich in Kiel, in Schwentinental, Rendsburg, aber auch in Henstedt-Ulzburg oder Mölln. Offenbar lag die Zahl der Anzeigen deutlich höher – ermittelt wurde zunächst in mehreren Dutzend Fällen.

Den Protest der Kunden gegen das Aufgeld konterten die Handwerker mit dem schlichten Hinweis, man würde andernfalls die Baustelle räumen – angesichts eines offenen Dachs keine hoffnungsvolle Perspektive für die Betroffenen. Zähneknirschend akzeptierten viele die neue Forderung. Einige konnten mit der Drohung, einen Anwalt einzuschalten, immerhin noch einen Rabatt auf die erhöhte Forderung aushandeln.

So schilderte es auch der erste Zeuge, ein 45-Jähriger aus Rendsburg. Das erste Angebot belief sich noch auf 16  000 Euro. „Gute Sache. Machen wir“, schilderte er seine Eindrücke vor dem Amtsgericht. Dann aber kletterte der Preis auf 32  000 Euro, erst nach massiven Protesten wurde er wieder auf 23  800 Euro gesenkt – immer noch fast 8000 Euro mehr als zunächst vereinbart.

Mit der Qualität der Arbeiten war der Kunde zufrieden. Doch das galt nicht für alle Fälle. Wiederholt hieß es in der Anklage, die Ausführung wäre „mangelhaft“ erfolgt. Da sei dann der Schornstein nicht fachgerecht eingefasst. Oder es seien die Arbeiten schlichtweg nie richtig beendet worden.

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erstellt am 09.Mär.2017 | 18:51 Uhr

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