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Kiel

09. Dezember 2016 | 03:10 Uhr

Carlos startet : Der Leihwagen steht direkt vor der Tür

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Freie Parkplätze überall in der Stadt: Mit „Car.los!“ startet in Kiel ein landesweites Pilotprojekt für das bequeme Auto-Chartern. Das Besondere neben dem kostenlosen parken: Die Autos kann man nach der Nutzung im Prinzip überall in Kiel abstellen.

Eigentlich braucht man nur noch einen gültigen Führerschein und ein Smartphone. Das eine Utensil erlaubt dem Nutzer, sich ans Steuer zu setzen, das andere sagt ihm, wo das Auto überhaupt steht. „Car.los!“ heißt das landesweite Mietwagen-Pilotprojekt, das jetzt in Kiel an den Start gegangen ist. Nebst einigen Besonderheiten besitzt es den charmanten Vorteil, dass der Fahrer überall in der Stadt freies Parken genießt. Außerdem kann er nach dem Ende der Leihtour das Fahrzeug irgendwo am Straßenrand in Kiel abstellen.

Nun ja: Natürlich nicht überall, wie Hinrich Kählert vom Stattauto-Vorstand gestern einschränkend erklärte. In der Anfangsphase, in der „Car.los!“ zwölf kleine VW Ups auf die Piste schickt, ist der Abstell-Standort auf das Kieler Zentrum begrenzt. Wer einen Parkplatz in der Wik, in Mettenhof oder Suchsdorf wählt, muss 8 Euro Aufschlag zahlen – was dem nächsten Nutzer wegen des längeren Weges gutgeschrieben wird.

Aber das Prinzip ist ebenso klar wie einfach: Den Leihwagen muss man eben nicht an der Ausleihstation wieder abgeben. Ganz im Gegenteil: Man kann das Auto direkt vor der eigenen Tür parken. Dafür, dass der nächste Nutzer das rollende Gefährt findet, sorgt eine App, die alle angemeldeten Teilnehmer jederzeit über die Standorte der „Car.los!“-Flotte informiert. Und wer dann den Finger hebt, sprich: sich für die nächste Tour anmeldet, hat in den nächsten halben Stunde Vorrang vor anderen Bewerbern.

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ist seit 15 Jahren überzeugter Anhänger der „Carsharing“-Idee. Er besitzt auch gar kein eigenes Fahrzeug. Bislang allerdings musste er, wenn er für seine dreiköpfige Familie einen Ausflug plante, per Rad die festgelegten Standorte ansteuern. Mit dem neuen Projekt und den flexiblen Parkplätzen, zeigte er sich gestern überzeugt, gewinnt das Auto-Teilen an Anerkennung in einem Klientel, das die Unabhängigkeit schätzt.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer sprach davon, dass für das Pilotvorhaben rechtliche Fragen zu lösen waren. Insbesondere das freie Parken auch in Zonen, in denen Automaten dem „normalen“ Autofahrer einige Münzen abverlangen. Mit einer Sonderzahlung an die Stadtkasse wurde dieses Problem gelöst. Außerdem sind für die dreijährige Startphase nur insgesamt 24 Fahrzeuge zugelassen. „Car.los!“ stellt mit seiner Flotte die erste Hälfte, ein zweiter Bewerber für die Landeshauptstadt wird gegenwärtig noch gesucht.

Meyer erinnerte auch an die veränderten gesellschaftlichen Blickwinkel. Früher, sagte er, war nichts wichtiger, als mit 18 Jahren den Führerschein zu machen und alsbald ein Auto anzumelden. Das habe sich aber längst geändert, vor allem in den Großstädten mit ihrem relativ guten Bus- und Bahnnetz. Meyer stellte fest: „Das Auto ist heute kein Statussymbol mehr.“ Es gibt immer mehr Menschen ohne eigenes Fahrzeug – auf sie sind Angebote wie „Car.los!“ zurechtgeschnitten.  

Infos und Kosten:
> Genauere Informationen für das neue Mietwagen-Projekt gibt es im Internet (www.carlos-sh.de) oder unter Tel. 0431/ 98  64  60.

>  „Car.los!“ verlangt seinen Teilnehmern weder einen festen Monatsbeitrag noch eine Anmeldegebühr ab. Es muss allerdings eine Kaution in Höhe von 250 Euro hinterlegt werden.

> Die Kosten der Automiete belaufen sich auf einen Euro pro halbe Stunde (maximal 20 Euro für den Tag) sowie 22 Cent für jeden gefahrenen Kilometer. Darin sind aber auch schon Benzinkosten enthalten.
> Abgerechnet wird nicht nach jeder einzelnen Fahrt, sondern monatsweise.

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erstellt am 25.Nov.2016 | 17:51 Uhr

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