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Kiel

27. Februar 2017 | 14:45 Uhr

Inklusion im Job : Der fast normale Arbeitsalltag

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Kollege unter Kollegen sein: Beim Fachtag „Geht doch.“ in der Kieler Halle 400 berichteten Menschen mit Behinderung aus ihrem Berufsleben.

Geht nicht gibt’s nicht! Ganz im Gegenteil. „Geht doch.“ Unter diesem Titel berichteten gestern in der Halle 400 in Kiel Menschen mit und ohne Behinderung von ihrem Arbeitsalltag. Dorthin hatte die Lebenshilfe Schleswig-Holstein in Kooperation mit dem Inklusionsbüro Schleswig-Holstein und der Fachhochschule (FH) Kiel eingeladen. Es wurden Wege aufgezeigt, wie Menschen mit Handicap „ganz normal“ am Arbeitsleben teilhaben können. In einem der Grußworte erklärte Waldemar Kunkat aus dem Sozialministerium: „Die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die in einem offenen, integrativen und für Menschen mit Behinderung zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld frei gewählt oder angenommen wird – das klingt für manchen wie eine Utopie. Tatsächlich ist es das aber nicht.“

Klaus-Dieter Rediske aus Eckernförde geht mit gutem Beispiel voran. Der 50-Jährige leidet an einer Netzhaut-Degeneration, der so genannten Retinitis pigmentosa. Sein Grad der Behinderung (GdB) beträgt 100. Das aber hindert ihn nicht daran, bei der Förde Sparkasse Kredite zu bearbeiten. Seit 33 Jahren ist Rediske bei der Sparkasse. Und Behinderung hin oder her: Sein Fachwissen wissen die Kollegen zu schätzen. „Auf seine Erfahrung und seine Kompetenz wollen wir nicht verzichten“, betont Caje Petersen, stellvertretendes Vorstandsmitglied. Er selbst kennt Rediske noch ganz anders: „Vor 30 Jahren war ich bei ihm in der Ausbildung, da ist er unter anderem Motorrad gefahren.“ Zehn Jahre später erfuhr Rediske von dem Gen-Defekt, vor 15 Jahren gab er seinen Führerschein ab, seitdem wird sein Sehvermögen sukzessive schlechter. Im Job halfen ihm zunächst verschiedene Lesehilfen, mittlerweile unterstützt ihn auch eine Sprachausgabe.

Beide, Rediske und Petersen, gehen im Gespräch ganz ungezwungen mit Rediskes Handicap um, der 50-Jährige flachst mit Moderator Carsten Kock bei der Podiumsdiskussion darüber, dass sein Sohn von der Sprachausgabe am Computer manchmal genervt sei. Und genau das ist es, was dieser Fachtag unter anderem vermitteln möchte: Normalität. Selbstverständlichkeit. Alltag. Daraus resultierte ein weiterer wichtiger Aspekt in der Diskussionsrunde. Zwar gebe es keine Verpflichtung für den Arbeitnehmer, den Chef über eine Behinderung zu informieren, sagte Rediske: „Aber dadurch können Missverständnisse vermieden werden, nur so kann der Arbeitgeber auf die Bedürfnisse des Arbeitnehmers eingehen.“

Ingo Scheuse, Hauptgeschäftsführer vom Unternehmensverband Kiel, betonte: „Menschen mit Behinderung, die in einem Betrieb an der richtigen Stelle eingesetzt sind, können sehr leistungsstark sein.“ Davon berichtete Alexander Seidlich, Marketing-Leiter bei Ikea in Kiel. Ein Mitarbeiter in der Personalplanung, der am Asperger-Syndrom leidet – einem Autismus, der auch durch Schwächen in den Bereichen der sozialen Interaktion und Kommunikation gekennzeichnet ist – habe seinen Platz seit rund sechs Monaten in einem Großraumbüro. „Sein Selbstvertrauen hat sich sehr positiv entwickelt“, so Seidlich, der zugleich mit Vorurteilen gegenüber Arbeitnehmern mit Behinderung aufräumte: „Es ist keineswegs so, dass in diese, wie viele meinen, nur investiert werden muss. Viele Betriebe könnten Menschen mit Behinderung als Fachkräfte rekrutieren. Das Fachwissen ist da.“ Der autistische Kollege sei gerade durch seinen Autismus ein wahrer Excel-Experte, habe eine hohe Affinität zu Zahlen und sei daher perfekt für den Job.

www.alle-inklusive.de, www.lebenshilfe-sh.de

 

 

 

 

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erstellt am 30.Okt.2013 | 09:00 Uhr

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