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Kiel

26. März 2017 | 05:41 Uhr

Kieler Umschlag : Dem Fischerdorf fehlen die Fischer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mehr Historie, weniger Jahrmarkt: Das neue Konzept von Kiel-Marketing für den Kieler Umschlag findet Zuspruch, ist aber ausbaufähig.

Umschlag im Regen hatten wir oft genug, sogar leichtes Schneetreiben begleitete so manchen Kieler Umschlag der vergangenen Jahre. An diesem Jahr war es, zumindest bis zum Sonnabend, trocken. Zeitweise zeigte sich sogar die Sonne. Petrus scheint das neue Konzept des Kieler Umschlags zu gefallen. Die Veranstalter allerdings müssen noch ein wenig nachjustieren, wie sich beim aktuellen „Fischerdorf“ auf dem Asmus-Bremer-Platz in der Innenstadt zeigte.

Kiel-Marketing übernahm erstmals die Organisation des Kieler Winterfestes. Man will weg vom Kommerz auf Jahrmarktniveau und wieder hin zur Rückbesinnung auf den historischen Kern des Festes. Dass es dabei Anfangsschwierigkeiten geben kann, liegt in der Natur der Sache. Im historischen Fischerdorf gab es zwar Kölner Piraten, Zuckerwaren, Pilze und schwedischen Kanonen-Punsch – Fische und Fischer suchte man allerdings vergeblich.

Johannes Faget von den „Fogelvreien“, der für den mittelalterlichen Alten Markt zuständig ist, meinte dazu: „Der Umschlag wurde in den letzten Jahren runtergewirtschaftet. Das neue Konzept, das Erinnern an die Historie, das alles muss jetzt langsam wachsen.“ Diesem Optimismus schließt sich der „Obstler“ Markus Seitz an. Er bietet seit 15 Jahren Beerenweine und -liköre feil.

Auch die Handwerker, deren Zelt mit dem Laboer Zelt auf dem Holstenplatz zusammengelegt wurde, sind noch skeptisch. „Ich finde es schade, dass wir nun weniger Platz haben und nur noch wir Zimmerleute als einzige Zunft vertreten sind. Aber man muss abwarten“, sagte Zimmermeister Harald Rathje aus Flintbek. Hannes (4) aus Gettorf störte das alles nicht. Er übte sich zusammen mit Harald Rathje im Sägen, während Schwester Stine und Mutter Nadine Manzelmann zuschauten.

Aber natürlich gab es auch Altbewährtes. Das eigens fürs Fest gebraute Umschlagsbier der Kieler Brauerei, das in diesem Jahr laut Zimmermann Harald Rathje sen. aus Preetz wieder „wunderbar schmeckt“, gehört genauso dazu wie die norwegische Juristenkapelle „Corpsus Juris“, die stets für gute Stimmung sorgt.  Oder die Kölner Piraten, die sich hier fast schon traditionell vom rheinischen Karneval erholen.

Und natürlich Asmus Bremer mit Gattin Katharina samt Gefolge, die am Sonnabend den Handwerker-Umzug durch die Stadt anführten. Wem nach einer deftigen Mahlzeit war, der kam bei „Schweinebein“ mit Schmorkohl, Hirsebrei und Waffel beim Verein „Erlebtes Mittelalter Kiel“ auf seine Kosten. „Ein originales mittelalterliches Rezept“, wie Arne Paysen versicherte.

Resümee: Auch wenn das neue Konzept noch wachsen muss, ließ es sich am Wochenende ohne moderne Jahrmarkts-Fahrgeschäfte und Automaten wesentlich entspannter über den Umschlag bummeln. Dem Ursprung des Festes fühlte man sich unweigerlich näher als in den Vorjahren.

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erstellt am 06.Mär.2017 | 08:19 Uhr

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