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Kiel

09. Dezember 2016 | 14:41 Uhr

Ehemalige Besatzungsmacht : „British Kiel Yacht Club“: Briten verlassen Kiel nach 71 Jahren

vom
Aus der Onlineredaktion

Zehntausende Soldaten lernten in dem Club Segeln und Tauchen. Jetzt geht eine Ära zu Ende.

Kiel | Es geht nach ihrer Ankunft nach Kriegsende 1945 alles ganz schnell. Bereits im August starten die Briten als Besatzungsmacht die erste Kieler Woche nach dem Zweiten Weltkrieg. „Es hat nicht lange gedauert, um zu sagen: Lasst uns wieder segeln gehen“, sagt Major Adrian Pery. Er ist seit zwei Jahren Kommandant des „Kiel Training Center“ im „British Kiel Yacht Club“ (BKYC) an der Förde. Dessen Crew aus 30 Männern und Frauen rüstet derzeit für den Abschied. Am 26. August wollen sich die Briten mit einem militärischen Zeremoniell aus dem Norden verabschieden - nach 71 Jahren.

Major Adrian Pery, Kommandant des „Kiel Training Center“.
Major Adrian Pery, Kommandant des „Kiel Training Center“. Foto: Carsten Rehder/dpa
 

„Mit dem Abzug der Briten in Schleswig-Holstein endet eine Ära in unserem Land“, sagt Ministerpräsident Torsten Albig (SPD). „Sie begann 1945 in Deutschland mit der Aufteilung in die Besatzungszonen und endet jetzt als enge Partnerschaft und Freundschaft zwischen den britischen Streitkräften und dem Land Schleswig-Holstein.“

Bereits kurz nach dem Krieg ist der Club in Kiel gegründet worden, zunächst unter dem Dach des „Kieler Yacht-Club“, 1951 ging es dann in den Stadtteil Friedrichsort nördlich des Nord-Ostsee-Kanals. Seitdem bilden die Briten dort Jahr für Jahr 1000 bis 1500 Soldaten aus. „Es können insgesamt leicht 100.000 gewesen sein“, schätzt Pery. So genau weiß er das allerdings nicht.

Ein Boot der britischen Streitkräfte.
Ein Boot der britischen Streitkräfte. Foto: Carsten Rehder/dpa
 

Nur fünf bis sieben Tage dauern die Kurse. Neben ihrer militärischen Ausbildung erhalten die Soldaten der Streitkräfte in Kiel ein „adventurous training“, wie die Briten die erlebnisorientierte Form ihrer Ausbildung nennen. „Wir glauben daran, dass man die Motivation der Soldaten in einer Berufsarmee hoch halten muss. Du musst ihnen etwas geben, was sie auch machen wollen“, sagt Pery. An der Ostsee sind das Tauchen und Segeln.

Die Soldaten lernten, mit ihren Ängsten umzugehen, Risiken zu minimieren und Führungsqualitäten zu entwickeln, sagt Pery. Ziel sei es bewusst, junge Soldaten mit echten Ängsten zu konfrontieren. Das könne militärisches Training sonst nicht. „Denn wir feuern schließlich keine Kugeln auf Soldaten im Training.“ Die Erfahrungen in Kiel und anderen Einrichtungen sollen die Teamfähigkeit stärken und die Soldaten auf den späteren Einsatz in den Krisengebieten der Welt vorbereiten.

Rund ein Dutzend Segelboote hat der BKYC noch zur Verfügung. Die sogenannten Windfall-Jachten, wie die Briten kurz nach dem Krieg in der Förde von ihnen beschlagnahmte Boote nannten, sind bereits alle weg. Sie wurden nach und nach durch moderne Jachten ersetzt.

Auch die „Flamingo“ wurde bereits verkauft an eine deutsche Familie. Sie sei 1935 für die Olympischen Spiele gebaut worden, sagt Pery. In der Vergangenheit machte das 17 Meter lange Boot auch als Jacht von Reichsmarschall Hermann Göring Schlagzeilen. „Ich glaube aber nicht, dass er jemals auf ihr gesegelt ist“, sagt Pery.

Am Steg des BKYC liegen mittlerweile Folkeboote und 342er Jachten - noch bis zum 22. September. Dann setzen Pery und seine Kollegen die Segel in Richtung England. „Wir gehen mit dem Gefühl immenser Freundschaft, aber auch mit großer Traurigkeit“, sagt Pery.

Bis Ende des Jahres wollen die Briten das 1,5 Hektar große Areal direkt an der Förde an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übergeben. Mit der Stadt Kiel gibt es bereits einen bekannten Interessenten für das Gelände. Bereits im Dezember vergangenen Jahres fasste die Ratsversammlungen einen Beschluss für einen späteren Kauf.

Die Stadt will bei einem Zuschlag das Gelände der Öffentlichkeit zugänglich machen und hat bereits ein neues Segelquartier angedacht - samt musealem Standort zum Thema Segeln und Schiffbau.

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erstellt am 11.Aug.2016 | 10:17 Uhr

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