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Kiel

10. Dezember 2016 | 13:46 Uhr

Ausflug mit Tiefgang und Tunnelblick

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadtwerke Kiel nehmen Interessierte jetzt mit an Orte, die man sonst nicht betreten kann: In den Fernwärme-Tunnel unter der Schwentine etwa

Das Rauschen im Tunnel kommt nicht etwa von der Schwentine, die über der fast 500 Meter langen Stahlbeton-Röhre fließt. Es ist die Lüftung, die die Sauerstoffzufuhr regelt. Die ist auch notwendig bei diesem besonderen Ausflug bis in 21 Meter Tiefe unter dem Schwentinespiegel. Eine Führung, die nicht nur für die Gäste eine Premiere ist, sondern auch für den Gastgeber: Erstmals bieten die Stadtwerke Kiel kostenfrei Einblicke in Orte an, die man sonst nicht betreten kann: Das Heizkraftwerk Humboldtstraße, das Wasserkraftwerk II (am Rosensee in Raisdorf), die Biogasanlage Futterkamp und der Versorgungstunnel unter der Schwentine, Ende der 1980er Jahre gebaut.

Die Nachfrage sei groß gewesen, heißt es. Stadtwerke-Vorstandsmitglied Jörg Teupen erklärt: „Hier ist viel interessante Technik verbaut. Die möchten wir gern zeigen.“ Nun übernehmen ehemalige Mitarbeiter wie Hans Werner Hamm diese „Führungs-Aufgabe“. Obwohl er schon zehn Jahre im Ruhestand ist – Hamm fühlt sich dem früheren Arbeitgeber noch verbunden. Mit den Führungen auf 400-Euro-Basis bessert er seine Rente auf und bringt den Teilnehmern der Tunnel-Wanderung technische Aspekte der Fernwärme-Versorgung im langsamen Laufschritt bei.

Denn schnell geht es auf dem schmalen, für Inspektionen angelegten Gittergang in der grauen Röhre mit drei Metern Durchmesser nicht voran. Nach dem Einstieg in die Unterwelt nahe der Fachhochschule in Dietrichsdorf passieren die Teilnehmer mehrere schwarze, unmodern wirkende Notruftelefone mit Wählscheibe – sie funktionieren auch bei Stromausfall. Links und rechts des Gangs führen silberne, gut isolierte und baumstammdicke Rohre entlang. Sie transportieren das für die Fernwärme wichtige Heizwasser. Bis zu 2500 Kubikmeter Wasser – etwa 17  000 gefüllte Badewannen – können in der Stunde hindurchfließen, damit die Kieler es bei frostigem Wetter trotzdem schön warm haben.

Frieren müssen auch die Tunnel-Besucher nicht. Ein Temperaturanzeiger gibt 26,7 Grad Celsius an. Hat man die Gittertreppen am Ausgang erklommen, wird man hinter der Tür nicht nur mit Tageslicht belohnt, sondern auch mit der Ankunft am Seefischmarkt.


>  Touren von Juli bis Oktober – Anmeldung unter www.stadtwerke-kiel.de. Pro Woche sind zwei einstündige Termine je Anlage vorgesehen. Teilnehmer sollten körperlich belastbar sein, festes Schuhwerk tragen. Für Träger von Herzschrittmachern sind die Motoren-Anlagen nicht geeignet. 2017 soll die Trinkwasserversorgung im Fokus der Touren stehen.

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erstellt am 16.Jul.2016 | 06:08 Uhr

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