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Kiel

23. März 2017 | 11:32 Uhr

Ich wähl’ mir die Welt : Aufgeklärt in die nächsten Wahlen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

7000 Neuwähler allein im Kieler Raum: Der Junge Rat der Stadt lädt den Nachwuchs ein zum „Markt der politischen Möglichkeiten“. Am 20. März erhalten die Parteien die Möglichkeit, sich vorzustellen. Doch an jedem Stand steht ein kritischer Begleiter.

Die Boxen sind gepackt und verschnürt, sie gehen in diesen Tagen auf die Reise. Alle weiterführenden Schulen in der Kieler Region erhalten ein dickes Themen-Paket, mit dem sich der Nachwuchs auf die Landtagswahl (im Mai) und die Bundestagswahl (im September) vorbereiten kann. Initiator der Kampagne ist der Junge Rat, quasi das Nachwuchsparlament der Landeshauptstadt Kiel. Er hat mit der Heinrich-Böll-Stiftung einen Partner für diese nicht alltägliche Form der Bildungsarbeit gefunden. Das Motto des Projektes ist einer berühmten Zeile der Kinderbuch-Heldin Pippi Langstrumpf nachempfunden: „Ich wähl’ mir die Welt.“

Bei der Kampagne geht es auch, aber eben nicht ausschließlich, um die Frage „Wo setze ich mein Kreuzchen?“. Immerhin gibt es allein in der Stadt schätzungsweise 7000 Erstwähler – und an der Landtagswahl können sich ja auch schon 16-Jährige beteiligen. „Wir wollen aktiv werben für die Wahl“, sagt Niklas Becker vom Jungen Rat, der mit seinen 16 Lenzen genau dieser Altersgruppe entstammt.

Erste Veranstaltung ist der „Markt der politischen Möglichkeiten“ am Montag, 20. März, im Kieler Rathaus. Sämtliche Schüler (und natürlich auch Azubis) sind zwischen 10 und 16 Uhr zur Diskussionsrunde eingeladen (Lehrer, die mit ihrer gesamten Klasse vorbeischauen, werden um vorherige Anmeldung unter Tel. 0431/ 90  66  -  130 gebeten).

Neben Organisationen aus der „Zivilgesellschaft“ (etwa die Sportjugend, der Verein Kiel hilft Flüchtlingen oder Amnesty International) werden auch insgesamt acht Stände für die Parteienlandschaft aufgebaut. Die Organisatoren haben sich ein spezielles Verfahren ausgedacht. Jeweils ein Moderator und eine sogenannte „kritische Begleiterstimme“ werden ein ehrliches Gespräch der Jugendlichen „auf Augenhöhe“ mit den Politikern sicherstellen, so die Hoffnung der Veranstalter.

„Die Jugendlichen sollen sich ihrer politischen Stimme bewusst werden“, betont Helen Ruck von der Heinrich-Böll-Stiftung. Der Nachwuchs könne sich mit dem wachsenden Rechtspopulismus auseinandersetzen, mit Vokabeln wie „Lügenpresse“ und „postfaktisches Zeitalter“. Kritisches Lesen und Hinterfragen sei gefragt. Genau das ist das zentrale Anliegen der Projektmanager: nicht nur die Überschriften von Twitter-Meldungen wahrnehmen, sondern eben auch hinter die Kulissen schauen, die Inhalte wahrnehmen.

Der Junge Rat betritt mit diesem ungewöhnlichen Schulprojekt Neuland. 50 Boxen wurden im ersten Durchgang hergestellt. Aber das muss nicht das Ende der Fahnenstange sein. Sollte sich die Veranstaltung als erfolgreich erweisen, denken die Organisatoren bereits über eine zweite Auflage nach – dann vielleicht sogar auf Landesebene.
 

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erstellt am 03.Mär.2017 | 17:58 Uhr

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