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Kiel

11. Dezember 2016 | 11:06 Uhr

Anscharpark : Arbeitslose retten Haus vor dem Verfall

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein spezielles Projekt des Jobcenters soll das historische Gebäude Nr. 3 im Anscharpark überhaupt wieder sanierungsfähig machen. Dabei können sich Langzeitarbeitslose beweisen. Der Backsteinbau soll zum Kompetenzzentrum werden.

Roter Backstein, schmuckvoller Giebel, hohe Fensterfluchten, die für viel Tageslicht sorgten: Das Haus Nummer 3 im Anscharpark in der Wik war einst ein beeindruckendes Gebäude. Es steht allerdings seit nahezu 20 Jahren leer. Niemand kümmerte sich um den langgestreckten, langsam verfallenden Bau. Vermutlich besteht jetzt die letzte Möglichkeit, das dem Untergang geweihte Denkmal doch noch zu retten. Das Jobcenter stellte gemeinsam mit der KJHV-Stiftung Anscharpark ein Projekt auf die Beine, das den Verfall stoppen soll. Langzeitarbeitslose sorgen gegenwärtig dafür, überhaupt erst wieder die Voraussetzungen für eine verlässliche Sanierung zu schaffen.

Wie Kai Wulf als Bauleiter erzählt, wurde das Haus 1904 in Betrieb genommen. Es gehörte zum Stützpunkt der Kaiserlichen Marine und war Teil des umfangreichen Marinelazaretts – weshalb später auch die Neurochirurgie des Universitätsklinikums und die Zahnchirurgie hier ihren Sitz fanden. Wulf hat herausgefunden, dass es erst 20, 30 Jahre nach Eröffnung elektrisches Licht gab. Vorher wurde mit Gaslaternen und mit Tageslicht behandelt und operiert – daher die hohen Fenster auf den Hauptetagen. Und von daher auch das schwer durchschaubare Geflecht an Leitungen und Kabeln – in Haus Nr. 3 wurde immer schon kräftig improvisiert.

Andreas Winter (59) gehört zu den 15 Teilnehmern des Projektes. Der gelernte Schuhmacher hatte vor sechs Jahren seine letzte feste Anstellung, als er beim Aufbau von Messeständen half. Seitdem lebt er von Arbeitslosengeld und Hartz IV. Winter ist froh, dass er im Anscharpark Hand anlegen kann: „Einmal am Tag schwitzen ist gut. Ich habe schon sechs oder sieben Kilo abgenommen.“ Außerdem hilft die Arbeit den Teilnehmern, aus der sozialen Vereinsamung herauszukommen.

„Wir sehen sie förmlich aufblühen“, bestätigt Co-Projektleiterin Luise Mirecki. „Zum ersten Mal seit Jahren erfahren sie Anerkennung und Wertschätzung.“ Mit leichtem Schmunzeln schränkt sie ein: „Na ja, die Jungs sind ziemlich abwaschfaul.“ Im Gemeinschaftsraum hat jeder Mitarbeiter deshalb seinen eigenen Kaffeebecher, Gäste sind nicht eingeplant. Die Projektmitarbeiter haben im Frühjahr nahezu zwei Tonnen Grünschnitt abtransportiert und den Bauzaun entfernt. Sie haben das Gebäude mittlerweile völlig entkernt: Türen und Zargen wurden ebenso entfernt wie Armaturen und Kabelkanäle. Auch der Putz wurde abgeklopft, feuchte und morsche Bauhölzer markiert. Der Keller – überraschend trocken – wurde inspiziert, der verbaute Haupteingang wieder geöffnet, sogar ein kleiner Hausgarten ist entstanden.

Wenn Luise Mirecki und Kai Wulf mit ihren Arbeitern in paar Monaten abziehen, beginnen die richtigen Sanierungsarbeiten. Im Haus Nr. 3 soll ein sogenanntes „Kompetenzzentrum“ entstehen, für junge kreative Unternehmer werden die frischen hellen Räume hergerichtet. Und für einzelne Projektmitarbeiter hat sich der Anscharpark bereits zum Sprungbrett entwickelt. Sie haben nach langer Arbeitslosigkeit wieder einen Job auf dem richtigen Arbeitsamrkt gefunden.  

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erstellt am 21.Aug.2016 | 14:07 Uhr

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