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Kiel

08. Dezember 2016 | 11:03 Uhr

Nach Silvesternacht und Sophienhof : „Antanz“-Masche: Kiel ist nicht Köln

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verwaltung, Polizei und Frauennotruf sehen sich zu einem Bericht über die öffentliche Sicherheit bei Großveranstaltungen „außer Stande“. Das Jahr 2015 verlief „unauffällig“.

Der Fall Sophienhof ist zwar nur wenige Wochen alt, doch die Aufregung hat sich nach und nach gelegt. Ein Großteil der bekannten Vorwürfe wie „Massenverfolgung“ gegen eine Gruppe junger Männer mit afghanischen Wurzeln wurde ja von der Staatsanwaltschaft in Kiel selbst wieder entkräftet. Die Vorfälle der Hamburger und Kölner Silvesternacht liegen noch weiter zurück. Folgen hatten sie jedoch auch in Kiel. Der Innen- und Umweltausschuss hatte im Februar einstimmig einen Bericht zur Lage der öffentlichen Sicherheit zu besonderen Anlässen gefordert.

In vielen deutschen Städten kam es in der Silvesternacht zu sexuellen Übergriffen und Diebstählen - unter anderem in Köln und Hamburg. Danach begann eine Debatte über eine Verschärfung des Sexualstrafrechts und die öffentliche Sicherheit. 

Verwaltung, Polizei und Frauenberatungsstellen sollten gemeinsam etwaige Vorfälle sexueller Nötigung sowie des Diebstahls im öffentlichen Raum („Antanzen“) der Silvesternacht 2015/2016 in Kiel, der vergangenen Kieler Woche sowie des Weihnachtsmarkts, des „Umschlags“ und bei verschiedenen Sport- und Konzertevents analysieren. Auf dieser Grundlage sollten sie mögliche Bedrohungslagen auch für kommende Großveranstaltungen ableiten. Jetzt liegt die Antwort der Verwaltung vor.

Fazit: Keine Auffälligkeiten bisher. Kiel ist nicht Köln, so die Botschaft. Aber einen Bericht soll es in der gewünschten Form nicht geben.

In der vom zuständigen Stadtrat Wolfgang Röttgers unterschriebenen Geschäftlichen Mitteilung, Anfang Juni Thema im Innenausschuss, heißt es, eine perspektivische Einschätzung der Lage sei nicht möglich. Zudem sei keine Häufung oder Intensivierung Köln-ähnlicher Straftaten zu verzeichnen, „die begründeten Anlass zu Warnungen geben könnten“.

Der Leiter des Ordnungsamtes hatte sich im Februar mit Vertretern der Kieler Polizei und des Frauennotruf-Kiel ausgetauscht. „Übereinstimmend“ sahen sich die Gesprächsteilnehmer „außer Stande, einen Bericht in der erbetenen Form zu geben und warnen auch vor den an einen solchen theoretischen Bericht geknüpften Erwartungen“, teilt Röttgers mit. Man wolle den Kielern weder eine „Scheinsicherheit“ vermitteln noch „unnötig Befürchungen schüren“.

Gleichwohl machen Polizei und Frauennotruf die Erkenntnisse transparent. Demnach wenden sich laut Frauennotruf in jedem Jahr „2 bis 5 Frauen an uns, die im Zusammenhang mit der Kieler Woche vergewaltigt bzw. genötigt worden sind.“ Auch bei anderen größeren Veranstaltungen würden Frauen „ab und zu“ von sexuellen Übergriffen berichten. Der Frauennotruf verzeichnet „bisher keine erhöhte Zahl an Frauen, die angeben, von geflüchteten Männern genötigt oder vergewaltigt worden zu sein“. Belästigungen durch Menschen mit nicht-deutschem Hintergrund würden von Klientinnen geschildert, allerdings nicht häufiger als Übergriffe durch deutsche Männer.

Auch die Polizei gab eine Stellungnahme ab. Demnach sind im Verlauf des Jahres 2015 die größeren Events „völlig unauffällig verlaufen“. In der Silvesternacht 2015/2016 seien „keine deliktsrelevanten Vorfälle analog Köln oder Hamburg zu verzeichnen gewesen“, so Peter Kurth von der Polizeidirektion Kiel. Bei der Kieler Woche 2015 seien im Bereich des Bayernzeltes sowie in der Bergstraße insgesamt zwei Vorfälle sexueller Belästigungen bekannt geworden. Bei den Vorbereitungen auch auf die diesjährige Kieler Woche will die Polizei besonders das neue Phänomen des „Antanzens in Verbindung mit sexuellen Belästigungen und/oder Diebstahls-/Raubdelikten“ berücksichtigen.

Reaktionen aus dem Rathaus: Für die innenpolitischen Sprecher Falk Stadelmann (SPD-Ratsfraktion), Dagmar Hirdes (Grünen) und Marcel Schmidt (SSW) lautete eine wichtige Schlussfolgerung: „Im öffentlichen Raum in Kiel braucht man keine Angst zu haben.“ Die FDP hofft, dass die Erkenntnisse Hetzern gegen Zuwanderer den Wind aus den Segeln nehmen. Die CDU äußerte sich indes erstaunt über die Aussage, ein Bericht zur Einschätzung der Lage der öffentlichen Sicherheit sei unmöglich. „Im Interesse der Kieler hofft die CDU-Ratsfraktion, dass die Polizeidirektion des Landes Schleswig-Holstein (...) doch in der Lage ist, im Voraus eventuelle Gefahren einer Großveranstaltung einzuschätzen, damit im Nachhinein weniger Bedarf an Ermittlungstätigkeiten entsteht.“











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erstellt am 28.Mai.2016 | 06:55 Uhr

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