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Kiel

04. Dezember 2016 | 03:02 Uhr

Warnung der Verbraucherzentrale : Abzocke in Schleswig-Holstein: Falscher Augenarzt betrügt im Altenheim

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Firma Optegomed ist bereits von der Verbraucherzentrale NRW verklagt worden. Jetzt wird auch in SH gewarnt.

Kiel | Die Firma selbst wirbt damit, Deutschlands führender mobiler Augenoptiker für Senioren zu sein. „Das innovative Dienstleistungsunternehmen hat sich auf die Bedürfnisse von Senioren spezialisiert, die nur noch eingeschränkt mobil sind“, heißt es in der Werbekampagne. Doch offenbar sind längst nicht alle Kunden so zufrieden, wie die Werbung von Optegomed vermuten lässt. So warnt die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein jetzt vor einem Mann, der sich selbst als Augenarzt B. vorstellt und kürzlich einem Altenheim in Brunsbüttel einen Besuch abstattete.

Seiner Aussage zufolge gehört er zur Firma Optegomed. Er habe den Bewohnern Vorsorgeuntersuchungen auf Glaukom und Makuladegeneration angeboten und für eine Augeninnendruckmessung 20 Euro pro Person in bar kassiert. Zudem bot er Brillen für 300 bis 400 Euro das Stück an, so die Mitteilung von Verbraucherschützerin Joanna Batista.

Die Juristin hat nachgeforscht. Einen Augenarzt mit dem erwähnten Namen B. gebe es in ganz Deutschland nicht. Das habe der Berufsverband der Augenärzte ihr schriftlich bestätigt. „Alle Ärzte, die in Schleswig-Holstein tätig sind, müssen in der Ärztekammer verzeichnet sein, und zwar auch dann, wenn sie nur auf Durchreise tätig sind“, so Batista. „Es scheint, dass nun vonseiten der Firma ein Versuch in Schleswig-Holstein unternommen wird, bei einer besonders schutzbedürftigen Gruppe von Senioren Geld zu machen“, fürchtet die Rechtsreferentin der Verbraucherzentrale. „Wir raten dringend dazu, die Zertifizierung von angeblichen Augenärzten zu überprüfen, bevor man sie Vorsorgeuntersuchungen durchführen lässt. Man sollte auch eine Adresse erfragen, um mögliche Rückgriffs-Ansprüche geltend machen zu können.“ Im Netz beklagen Angehörige und Betreuer von Senioren, dass sie ihr Rücktrittsrecht nicht wahrnehmen können.

Die Firma Optegomed ist bereits erfolgreich von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen verklagt worden. So hatte die Firma, die seit Januar offensichtlich auch als SAHE-Group UG (steht für haftungsbeschränkt) unter gleichem Sitz in Neuss firmiert, den Seniorenheimen Werbeplakate für die Augenprüfung zur Verfügung gestellt. Das Gericht hat deren Gestaltung als irreführend bewertet. So sei der Preis für die Augeninnendruckmessung nicht klar, da der Blick des Bewohners auf einen großen blauen Stern mit der Aufschrift „kostenlos“ gelenkt würde. Der Sternchenhinweis, wonach die Augeninnendruckmessung „einen krankhaften Befund nicht zuverlässig ausschließt und keine ärztliche Untersuchung ersetzt“, könne hingegen von den Bewohnern ganz überwiegend mangels voller Sehkraft nicht wahrgenommen werden.

Die Werbeaussage „Überprüfung der Makuladegeneration (70 Prozent der Betroffenen kann geholfen werden)“, täusche vor, dass Optegomed eine Makuladegeneration diagnostizieren und Abhilfe verschaffen könne, was nicht der Fall sei. Laut Gerichtsakte ist Herr B. auch nicht Augenarzt, sondern Optiker. (Landgericht Köln AZ 34 095/13).

Im Zweifel – so der Rat von Batista – sollen sich Betroffene, Angehörige oder Heimleitungen an die Ärztekammer in Bad Segeberg wenden.

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erstellt am 06.Jul.2016 | 17:10 Uhr

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