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Kiel

05. Dezember 2016 | 09:34 Uhr

Betrug vor Gericht : 88 000 Euro mit gefälschten Belegen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vor dem Kieler Amtsgericht läuft ein Verfahren gegen einen ehemaligen Azubi der Förde-Sparkasse. Er soll Überweisungen manipuliert und mit Hilfe einer Clique in wenigen Monaten 88 000 Euro erbeutet haben. Die Ermittlungen gestaltete sich offenbar als sehr schwierig.

Die Anklage lautet auf Betrug: Vor dem Kieler Amtsgericht muss sich seit gestern ein ehemaliger Azubi der Förde Sparkasse verantworten. Er soll vor fünf Jahren in den Filialen in Gettorf und Eckernförde monatelang Überweisungsformulare gutbetuchter Sparkassen-Kunden gefälscht und die Beträge auf unverdächtige Konten überwiesen haben. Die Anklage geht von Dutzenden von Einzelfällen aus, der aktenkundige Schaden wird auf 88  000 Euro geschätzt. Zu den geschädigten Kunden gehören auch angesehene, langjährige Geschäftskunden der Sparkasse.

Der Angeklagte A. – davon geht die Staatsanwaltschaft aus – muss Komplizen gehabt haben, sie sind aber bis heute unbekannt. Habhaft werden konnten die Ermittler aber jener Personen, auf deren Konten das umgeleitete Geld landete. Meist waren es junge Menschen wie der angeklagte 28-Jährige, die offenbar von der betrügerischen Clique gezielt angesprochen worden waren. In Begleitung ihrer strengen Aufpasser hoben dann die Strohmänner das Bargeld ab, ihnen verblieb eine „Provision“ von 400 oder 500 Euro. Allerdings: Aus ihren Geständnissen konnten die Ermittler ziemlich genau die Masche rekonstruieren, mit der das Netz der Betrüger gestrickt war.

A. hatte im Jahre 2009 eine Ausbildung zum Bankkaufmann begonnen. Er wurde wegen einer „Schieflage“ schnell unternehmensintern auffällig. Denn seine hohen Ausgaben – von jährlich 10  000 Euro für Urlaub, Kleidung, Handys und Taxis war die Rede – passten so gar nicht zu seinem Netto-Gehalt von 570 Euro monatlich und führten zur ständigen Überziehung des eigenen Kontos. Das erklärte jedenfalls ein mittlerweile im Ruhestand befindlicher Ex-Mitarbeiter der Sparkasse als Zeuge vor dem Amtsgericht. Der 66-Jährige gehörte der Abteilung für Betrug und Schadensfälle an. Nach seinen Worten gab es zunächst ein internes Ermahnungsgespräch und später eine offizielle Abmahnung. A. wurde zudem von der Geschäftsstelle Gettorf nach Eckernförde versetzt. Später wurde der Ausbildungsvertrag zwischen Sparkasse und A. aufgelöst. Einzelheiten waren gestern nicht zu erfahren.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft jedenfalls hat A. gezielt Konten ausspioniert und sich die Namenszüge so gut eingeprägt, dass er sie nachschreiben konnte. Diese Tatsache führte die internen Ermittler zu der Vermutung, dass wohl jemand aus dem eigenen Hause an den Betrügereien beteiligt sein müsste. Die Anklage listete insgesamt sieben Komplexe auf, wobei die einzelnen Kunden insgesamt jeweils um vier- oder fünfstellige Euro-Beträge geprellt wurden. Die gängige Praxis, Überweisungen über 1000 Euro stets individuell zu prüfen, soll der Angeklagte ausgehebelt haben, indem er einfach den sogenannten „Dispo-Stempel“ von Kollegen auf das Papier drückte.

„Es war eine akribische Kleinarbeit“, erklärte der Zeuge. „Auch wegen des Datenschutzes war die Ermittlung schwierig.“ Doch nach und nach sei man dem schwarzen Schaf in den eigenen Reihen auf die Schliche gekommen. Mal war der „Dispo-Stempel“ an die verkehrte Stelle gesetzt, mal fehlte neben der Unterschrift der Prokuristin eines Kieler Handelshauses der zweite Namenszug. Wie der ehemalige Kontrolleur der Sparkasse sagte, habe man quasi in letzter Minute weitere 70  000 Euro mit gefälschten Überweisungen verhindern können. Das hat dann offenbar auch den Vorstand der Sparkasse bewogen, den dubiosen Fall – den man zunächst intern bereinigen wollte – an die Kripo zu übergeben. „Die Sache nahm Fahrt auf“, erklärte der Zeuge vor dem Amtsgericht.

Der Angeklagte selbst schwieg gestern zu den Anschuldigungen. Das Verfahren wird fortgesetzt. Ein Urteil wird für Ende Dezember erwartet.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 18:29 Uhr

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