zur Navigation springen

Regionales

27. September 2016 | 05:34 Uhr

Essen weitergeben : Herbst-Chaos im Garten: Wohin mit all dem Obst und Gemüse?

vom
Aus der Onlineredaktion

Der goldene Herbst flutet die Gärten mit reichlich Essbarem. shz.de erzählt, wie Sie Andere mit dem Überangebot glücklich machen.

Äpfel, Birnen, Stauden, Zwetschgen, Mangold, Möhren, Topinambur: Die Gaben des frühen Herbstes können Gartenbetreibern mit ihrer Üppigkeit schnell zur Last werden. Rechtzeitige Ernte, Verzehr und Konservierung lassen sich bei allen Verpflichtungen und körperlichen Beschwerden der Menschen oft nur schwer bewerkstelligen. Plötzlich winken selbst die Freunde bei der Übergabe eines Kürbisses dankend ab – und kurz darauf ist es geschehen um die kostbaren Lebensmitteln. Welche Möglichkeiten gibt es, dass das Gediehene in dankbaren Händen landet und nicht auf dem Kompost oder unter dem Rasenmäher?

Auf zur Mosterei

Viele machen ihren Apfelsaft selber, doch irgendwann ist das Lager voll. Fast schon altbewährt ist dann der Transport der eingesammelten Äpfel zur Mosterei. Dort gibt es die Möglichkeit, die eigenen Früchte von einem Lohnunternehmen entsaften zu lassen, von denen es in Schleswig-Holstein eine ganze Reihe gibt. Die Süßmosterei Steinmeier in Kaltoft bei Süderbrarup betreibt diverse Annahmestellen im nördlichen Landesteil und honoriert das Bringen von 50 Kilogramm Streuobst mit Ermäßigungen auf die eigenen Erzeugnisse. Das Aufsammeln der Äpfel ist aber auch mit viel Arbeit verbunden, auch der Transport erfordert Gerät und erzeugt Kosten.

Die „Lebensmittelretter“ anrufen

Wer Obst und Gemüse jeder Art im Überfluss hat, kann sich auch die „Lebensmittelretter“ der Initiative Foodsharing (Link zum Kontakt) wenden und damit ein gutes Werk tun. Die Mitglieder fahren nicht nur zu Supermärkten und Betrieben, um überflüssig gewordenes Essen abzuholen und anschließend in „Fair-Teilern“ – öffentlich zugänglichen Kühlschränken oder Regalen – zur Verfügung zu stellen, sondern auch zu Gärten.

„Wir kommen gerne vorbei und sammeln mit“, sagt Stefanie Jette Uhde, Vorsitzende von Foodsharing Schleswig-Holstein e. V.. Der bundesweit aufgestellte Verein kämpft gegen Lebensmittelverschwendung und freut sich über jeden grünen Beitrag. „Neulich hatten wir die Zucchinischwemme, da haben uns viele angerufen. Oft sind es Schrebergärtner oder Menschen, die dem Garten aus Altersgründen nicht mehr Herr werden, und Besitzer von Streuobstwiesen“, erläutert Uhde den Einzugsbereich. Vom den Foodsharern anhaftenden Bettler-Verhalten an Supermarkt-Containern habe man sich in den letzten Jahren bewusst befreit, sagt Uhde.

Ein Foodsharing-Bewegter am „Fair-Teiler“.
Ein Foodsharing-Bewegter am „Fair-Teiler“. Foto: imago/epd

Uhde betont, dass der Foodsharing-Gedanke in Schleswig-Holstein inzwischen vor allem soziale Züge habe. Die Foodsaver selber behalten nur einen kleinen Anteil als Aufwandsentschädigung ein, der Rest wird unter sozialen Aspekten verteilt. Man gebe die Lebensmittel und Gartenschätze dort weiter, wo die Not am größten sei. Man arbeite mit sozialen Einrichtungen zusammen und verteile viel der geretteten Ware in benachteiligten Stadtvierteln, „wo die Menschen keinen Garten haben und die Kinderarmut groß ist“, sagt Uhde. Außerdem werden alleinstehende Senioren beliefert.

In Kiel, Lübeck, Neumünster und Flensburg hat der Foodsharing-Verein bereits seine Zelte aufgeschlagen. Uhde sieht noch Luft nach oben, was die Vernetzung mit Garteninhabern angeht. In Magdeburg gebe es bereits eine stadtinterne Apfelernte. Wer Lebensmittel ebenso ungern in den Müll wandern sieht, kann sich selbst als Food-sharer engagieren.


Mit Stauden und Samen zum Flohmarkt

Gartenflohmärkte wie am letzten Wochenende im Ossenmoorpark in Norderstedt oder im Juni in Neumünster sind eine Möglichkeit, um Knappheit und Überproduktion durch Handel auszugleichen. Dort geht es dann aber überwiegend noch um Stauden und Gerät, weniger um Verderbliches. Beim Pflanzenflohmarkt auf dem Kronshagener Marktplatz am kommenden Sonntag (25. September) können Privatpersonen anbieten, feilschen, verschenken, tauschen und natürlich auch Tipps austauschen. Ein Flohmarkt unter ähnlichem Motto findet am 3. Oktober auf der Schlosswiese in Ahrensburg statt.


Soziale Netzwerke und die Kartoffelkiste

Foto: Imago/nordpool/Taege

Die Obst- und Gemüse- und Marmeladenkiste an der Einfahrt gehört in Dänemark schon lange zum ländlichen Ortsbild. Hier vertreiben oder verschenken Hobbygärtner Teile ihrer Ernte oder die Erzeugnisse daraus. Die Münzen landen in einem Glas. Naturprodukte sind eben Vertrauenssache. Auch in den Städten Schleswig-Holsteins findet sich diese Art der Verteilung wieder erkennbar häufiger Anwendung. Manche wollen ihre Erzeugnisse loswerden, andere wollen sie haben. Um Nachfrage und Angebot näher zusammenzubringen, eignen sich soziale Netzwerke auch bei verderblichen Gütern hervorragend. Foodsharinggruppen und Stadtteilgruppen helfen, um dem Überfluss auf Beet und Obstwiese über dankbare Abnehmer zu regulieren, die in der Selbstbedienung ihre wahre Freude finden. Neudeutsch eine Win-Win-Situation.

zur Startseite

von
erstellt am 21.Sep.2016 | 21:23 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen