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Hamburg

10. Dezember 2016 | 06:09 Uhr

Millionär aus Hamburg : Zeugenkauf im Wiesn-Prozess: Ermittlungen gegen Anwälte eingestellt

vom

Eine Millionärsfreundin, eine blutige Messerstecherei, ein gekaufter Zeuge. Filmreif. Der Fall noch lange nicht abgeschlossen.

München/Hamburg | Die Ermittlungen gegen drei Staranwälte im Zusammenhang mit einer gekauften falschen Aussage für die Partnerin eines Hamburger Millionärs vor dem Münchner Landgericht sind vom Tisch. „Das Verfahren war einzustellen, da sich keine begründeten Verdachtsmomente gegen die beschuldigten Rechtsanwälte ergeben haben“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft München, Florian Weinzierl, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Steffen Ufer, Annette Voges und Gerhard Strate hatten die Partnerin eines Hamburger Multimillionärs verteidigt, die bei einem Oktoberfestbesuch 2015 nach rassistischen Beleidigungen gegen den früheren Fußball-Nationalspieler Patrick Owomoyela zum Messer gegriffen und einen Mann lebensgefährlich verletzt hatte.

Noch im Prozess kam heraus, dass ein Entlastungszeuge gekauft werden sollte. Deshalb wird weiter gegen den Multimillionär ermittelt. Neu sind Ermittlungen im Zusammenhang mit der Falschaussage gegen einen bereits früher verurteilten Millionenbetrüger. Maßgeblich für die Einstellung des Verfahrens gegen die Anwälte seien nun entlastende Angaben des Millionärs gewesen, sagte Weinzierl.

Anwalt Strate kommentierte: „Ich nehme die Einstellung mit Befriedigung zur Kenntnis. An dieser Verdächtigung durch den Vorsitzenden Richter war nie etwas dran. Das haben wir schon von Anfang an betont.“

Strate hatte auf seiner Homepage ein Protokoll der Urteilsverkündung mit den Richteraussagen veröffentlicht. Die Anwälte hätten ursprünglich zwar angeregt, den betreffenden Zeugen zu hören, aber schon drei Tage nach dessen Vernehmung gegenüber dem Gericht den Zeugen als nicht glaubwürdig bezeichnet, erläuterte er.

Der Mann hatte zugegeben, dass er entgegen seiner Aussage im Prozess gar nicht auf dem Oktoberfest gewesen war. Mittelsmänner seien mit dem Angebot an ihn herangetreten und hätten ihm gesagt, was er vor Gericht aussagen solle. Er habe 100.000 Euro für seine Aussage geboten bekommen, weitere 100 000 seien geboten worden, falls die Angeklagte vorzeitig aus der Haft entlassen werde.

Die Lebensgefährtin des Multimillionärs war im August zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Die Anwälte haben Revision eingelegt.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 18:54 Uhr

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