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Hamburg

10. Dezember 2016 | 21:32 Uhr

700 Jahre Kunstgeschichte : Wiedereröffnung der Hamburger Kunsthalle: Freier Eintritt im Mai

vom

Heller, freundlicher, übersichtlicher: Die Hamburger Kunsthalle öffnet nach einer Modernisierung an diesem Wochenende wieder ihre Türen für die Besucher.

Hamburg | Der „Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich (1774-1840) hat ein neues Zuhause: Erwartungsvoll blickt er neben anderen Meisterwerken des deutschen Romantikers wie „Das Eismeer“ und „Meeresufer im Mondschein“ in die Ferne. Wirkungsvoll in Szene gesetzt mit neuester LED-Technik, umgeben von grüngrauen Wänden und edlem gebeizten Eichenparkett.

Am Samstag wird die Hamburger Kunsthalle, eine der bedeutendsten Kunstsammlungen Deutschlands, nach einer umfangreichen Modernisierung am Wochenende wiedereröffnet - endlich können die Besucher lange vermisste Meisterwerke wiedersehen und neu entdecken. „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagte Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner am Donnerstag. „Es gibt keinen Raum vom tiefsten Kellergeschoss bis zum höchsten Dachstuhl, der nicht umgestaltet wurde.“ Auch Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zeigte sich beeindruckt: „Das ist wirklich eine gelungene Modernisierung eines Museums, das selber eine lange Geschichte hat.“

In den vergangenen 17 Monaten wurden der Gründungsbau von 1869 und der neoklassizistische Erweiterungsbau von 1919 dank einer Spende der Dorit und Alexander Otto Stiftung in Höhe von 15 Millionen Euro modernisiert. Die Vorbereitungen liefen in den letzten Tagen auf Hochtouren.

 

Im Erdgeschoss wurde die Galerie der Gegenwart von 1997 umgebaut. Die Stadt steuerte sieben Millionen Euro für die Sanierung des Depots und die Außenanlagen hinzu. „Ein fast 150 Jahres altes, denkmalgeschütztes Museum zu sanieren und zu modernisieren ist vergleichbar mit der behutsamen Restaurierung eines alten Kunstwerks“, sagte der Unternehmer und Stifter Alexander Otto, dessen Firma ECE die Projektsteuerung übernahm.

Zentrales Element der Modernisierung ist der wieder erschlossene historische Haupteingang am Gründungsbau mit Blick auf die Alster - früher lag der Haupteingang seitlich am Erweiterungsbau mit Blick auf den Hauptbahnhof. Ein großzügiges Foyer begrüßt nun die Besucher mit Ticketverkauf, Museumsshop, Museumscafé und Veranstaltungssaal. „Unser wichtigstes Ziel war es, das Museum für die Besucher überschaubar zu machen“, sagte Gaßner. Dafür wurde „zusammengelegt, was zusammengehört“: Erstmals bilden die drei Gebäude der Kunsthalle eine sinnvolle Einheit.

Der Eingang in die Hamburger Kunsthalle, die jetzt nach 17-monatiger Renovierungszeit wiedereröffnet wird.
Der Eingang in die Hamburger Kunsthalle, die jetzt nach 17-monatiger Renovierungszeit wiedereröffnet wird. Foto: Lukas Schulze
 

Erstmals ist nun auch ein Rundgang durch alle Epochen von den Alten Meistern bis zur Kunst der Gegenwart möglich. Über die große Eingangstreppe gelangt der Besucher zu den Alten Meistern mit Altären von Meister Bertram und Gemälden von Hans Holbein dem Älteren bis Lucas Cranach dem Älteren. Die Gemälde hängen in chronologischer Reihenfolge, aber Raum für Raum nach Themen geordnet wie „Poesie der Landschaft“, „Kunst und Konfession“ oder „Italienischer Barock“. Im Übergang zum 19. Jahrhundert nimmt die Romantik einen großen Raum ein, Philipp Otto Runge und Caspar David Friedrich sind eigene Räume gewidmet.

Im leuchtenden gelben Kuppelsaal stehen neben Gemälden wie Johann Heinrich Füsslis „Erschaffung der Eva“ (1791) Büsten von Immanuel Kant und Johann Wolfgang von Goethe. Unter dem Titel „Mythos Italien“ sind unter anderem Gemälde von Anselm Feuerbach wie „Bianca Cappello“ (1864) zu sehen. Es folgen Meisterwerke des französischen Impressionismus von Gustave Courbet, Edgar Degas und Edouard Manet - wie seine berühmte „Nana“ (1877). Den beiden Lieblingskünstlern von Gründungsdirektor Alfred Lichtwark (1852-1914), Max Liebermann und Lovis Corinth, sind zwei neue Ausstellungsräume gewidmet.

„Die Netzflickerinnen“ (r) von Max Liebermann in der Kunsthalle.
„Die Netzflickerinnen“ (r) von Max Liebermann in der Kunsthalle. Foto: Lukas Schulze
 

Die Räume der Klassischen Moderne, die bereits 2006 umfassend renoviert wurden, erstrahlen in hellem Wandanstrich über hellem Parkettboden. Hier begrüßen Meisterwerke wie Edvard Munchs „Madonna“ (1893), Ernst Ludwig Kirchners „Maler und Modell“ (1910) oder Emil Noldes „Triptychon“ die Besucher. Über den neuen Verbindungsgang mit der Leuchtschriftinstallation „Ceiling Snake“ der Künstlerin Jenny Holzer erreichen die Besucher die Galerie der Gegenwart mit Kunst von der Pop-Art bis heute. Das ehemalige Foyer wurde zugunsten eines Raumes für zeitgenössische Kunst mit dem Titel „Neuland“ umgestaltet - erstmalig bespielt von der südkoreanischen Künstlerin Haegue Yang.

Blick nach oben: das Glasdach der Abteilung „Kunst der Gegenwart“.
Blick nach oben: das Glasdach der Abteilung „Kunst der Gegenwart“. Foto: Lukas Schulze
 

Fünf neue Ausstellungen warten auf die Besucher: Eine große Retrospektive zu Geta Brătescu sowie die Sammlungspräsentationen „Magie der Dinge. Von der Tücke des Objekts“, „Zeichnungsräume“ und „Piranesi. Carceri“. Premiere feiern auch „Neuland“, der Projektraum für zeitgenössische Kunst im ehemaligen Foyer der Galerie der Gegenwart, und das „Transparente Museum“.

Am Eröffnungswochenende und im Monat Mai ist der Eintritt für alle Besucher kostenlos. Bei Führungen können sich Interessierte die Höhepunkte der Sammlung erklären lassen. Konzerte, Performances und Filme runden das Programm ab. Beteiligt sind unter anderem das Bundesjugendballett, das Schauspielhaus, die Hochschule für Musik und Theater, das Thalia Theater und Musiker wie Charlie Cunningham, Arianna Savall und Ulita Knaus.

Zur Vorstellung der neuen Sammlungsräume finden im Anschluss an das Eröffnungswochenende im Mai vier besondere Programmwochen statt. In jeder Woche steht ein anderer Bereich im Fokus, der von einem Programm mit Veranstaltungen begleitet wird:

Festliche Programmwoche im Mai  
Woche zur Kunst der Gegenwart 3. bis 8. Mai 2016
Woche zur Kunst der Klassischen Moderne 10. bis 15. Mai 2016
Woche zur Kunst der Alten Meister 17. bis 22. Mai 2016
Woche zur Kunst des 19. Jahrhunderts 24. bis 29. Mai 2016

 

Öffnungszeiten Programmwochen: Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 22 Uhr

 

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erstellt am 28.Apr.2016 | 16:49 Uhr

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