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Hamburg

04. Dezember 2016 | 00:58 Uhr

Vögel am Flughafen : Wie Bussard Sally für Sicherheit am Hamburger Airport sorgt

vom
Aus der Onlineredaktion

Wenn Vögel mit Flugzeugen kollidieren, wird es gefährlich. Wüstenbussard Sally passt auf, dass nichts passiert.

Hamburg | Sally dreht ihre Runden über dem Hamburger Flughafen. Bodennah, nur hundert Meter über dem Boden. Eine Krähe krächzt. Es ist Sallys Machtspiel, seht her, hier bin ich, ich kann jederzeit zuschlagen. Das kommt selten vor, doch hinterlässt Eindruck bei den 20 verschiedenen Vogelarten, die sich mal mehr, mal weniger auf dem 470 Hektar großen Gelände aufhalten.

Falkner Herbert Bogner ist der einzige Airport-Falkner in Norddeutschland.
Falkner Herbert Bogner ist der einzige Airport-Falkner in Norddeutschland. Foto: dpa

Rund 15 bis 20 Tiere liefert Sally dem Falkner Herbert Boger dann doch jährlich aus. Ihrem Jagdkumpanen. Dann gibt es im Tausch ein Stück Frischfleisch, Taube zum Beispiel, ein Festtagsbraten. „Die Tiere bauen ihre Bindung über das Futter auf“, erklärt Herbert Boger. Er ist der einzige Airport-Falkner im norddeutschen Raum. Mit seinen sieben Greifvögeln vertreibt er ganze Vogelschwärme. 2013 lebten am Hamburger Flughafen mehr als 1000 Rabenkrähen. Heute sind es selten mehr als 100.

Wenn ein Vogel mit einem Flugzeug kollidiert, endet es für das Tier meist mit dem Tod. Doch auch für den Menschen kann es ungut ausgehen. Je nach Flugphase und beteiligter Vogelart können die Vögel zum Teil erhebliche Schäden an den Flugzeugen anrichten. Die Schäden reichen von Verschmutzungen oder kleinen Beulen an Tragflächen, Stabilisatoren, Leitwerk und der Außenhaut bis hin zur Zerstörung von Cockpitscheiben oder ganzen Triebwerken. Laut dem Deutschen Ausschuss zur Verhütung von Vogelschlägen im Luftverkehr (DAVVL) haben schon mehrere Hundert Menschen bei Flugunfällen, die auf Vogelschlag zurückgeführt werden können, ihr Leben verloren. Knapp 100 Luftfahrzeuge der Zivilluftfahrt erlitten bislang Totalschäden, im militärischen Flugbetrieb sind es deutlich mehr.

Boger und Bussard Sally haben eine Bindung zueinander. Dafür braucht es viel Training.
Boger und Bussard Sally haben eine Bindung zueinander. Dafür braucht es viel Training. Foto: dpa
 

Gefährdet sind dabei alle Flugzeugtypen. 2009 kollidierte ein A320 kurz nach dem Start über New York mit einem Schwarm von Gänsen. Beide Triebwerke fielen aus, eine Notlandung auf dem Hudson River rettete allen 154 Passagieren und Crew-Mitgliedern an Bord das Leben. Im April 2010 traf ein Schwarm Blässgänse während des Anfluges auf den Hamburger Flughafen eine Boeing 737-700. Mehrere Teile des Flugzeuges wurden dabei getroffen, unter anderem die Cockpitscheibe, die im linken Bereich zersplitterte. Der Copilot konnte die Maschine sicher landen. Die Vögel hatten eine Größe von ca. 65 – 86 cm. Seit 40 Jahren wächst ihr Bestand.

Rund 20 Vogelarten leben auf dem Hamburger Flughafen, Schwalben, Tauben, Raben, Enten und Möwen sind gerade im Schwarm eine große Gefahr für den Flugverkehr. Am häufigsten trifft es die Möwe. Schon seit Jahren geht der Hamburg Airport gegen die Vogelschwärme vor. „Wir versuchen das Biotop auf dem Gelände so unattraktiv wie möglich zu gestalten“, erklärt Markus Musser vom Hamburg Airport. Doch es brachte nie den durchschlagenden Erfolg. Mit Pyrotechnik können Vögel nur kurzfristig verscheucht werden. Vor vier Jahren kam der gelernte Förster auf die Idee einen Airport-Falkner einzusetzen. Den zu finden, war gar nicht so einfach. „Es gibt keine Handvoll, die dafür infrage kommt.“

Seit drei Jahren kommen Herbert Boger und seine Tier-Crew regelmäßig auf den Flughafen. Regelmäßig ist aber nicht regelmäßig. „Wir müssen die Tiere austricksen“, so Musser. Die Vogelvertreibung läuft nach keinem klaren Schema, sondern überraschend, und nach Bedarf. Sally ist 20 Jahre alt und ein „alter Hase“, sie steht auf Krähen. Unterstützt werden Sally und ihre Freunde von zwei Fuchsfamilien, die den Mäusebestand und damit die Nahrung der Vögel gering halten.

Heute kommen am Hamburger Flughafen noch rund 30 bis 40 Vogelschläge vor. Und das bei 150.000 Flugbewegungen im Jahr. „Ein bis zwei Mal im Jahr gibt es einen Startabbruch oder eine Sicherheitslandung aufgrund eines schweren Vogelschlags“, so Markus Musser. Der Biotopmanager ist sehr zufrieden mit seinem Airport-Falkner. Viele andere Flughäfen interessieren sich für ihre erfolgreiche, natürliche Vogelbekämpfung. Nur Düsseldorf und Stuttgart folgten den Hamburgern mit ihrem Konzept. „Es fehlt das fachliche Personal“, so Musser. Die Tiere müssen gut trainiert sein, und im ständigen Dialog mit ihrem Falkner bleiben. Sieben Tiere setzt Herbert Boger abwechselnd ein. Seine Arbeit unterliegt dem Tierschutz und damit gesetzten Arbeitszeiten. „Ich darf sie nicht überfordern.“ Der Fluglärm dagegen macht ihnen nichts aus.

Vor zwölf Jahren hat Markus Musser vom Hamburg Airport im Kampf gegen Vogelschlag noch selber zur Waffe gegriffen, und mit seinem Kleinkaliber auf die Vögel geschossen. Heute ist die Waffe nur die letzte Methode in der Kette. Dann, wenn schnell reagiert werden muss, um den Flugverkehr aufrecht zu erhalten. Dank der Falken und Bussards von Herbert Boger kommt das nur noch zwei bis drei Mal im Jahr vor.

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erstellt am 20.Jul.2016 | 18:14 Uhr

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