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Hamburg

30. September 2016 | 00:05 Uhr

Umschlagszahlen : Weniger Container - Hafen Hamburg fällt auf Platz drei in Europa

vom

Hamburgs Hafen steht jetzt nur noch auf Platz drei in Europa - denn es wurden weit weniger Container umgeschlagen.

Hamburg | Dass die Umschlagzahlen im Hamburger Hafen im vergangenen Jahr nicht besonders positiv waren, ist schon länger klar. Er hat im vergangenen Jahr deutlich weniger Container umgeschlagen als 2014. Nun wurden konkrete Zahlen präsentiert und Gründe genannt, warum der Hafen in Europa auf Platz drei zurückfiel.

Der Hamburger Hafen ist auch für Schleswig-Holstein ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Es hängen zahlreiche Arbeitsplätze direkt und indirekt davon ab.

 Die Zahlen

Container stehen in Hamburg am Terminal im Hafen. /Archiv
Container stehen in Hamburg am Terminal im Hafen. /Archiv Foto: Daniel Bockwoldt

Insgesamt sei ein Rückgang von 9,7 Millionen auf 8,82 Millionen Standardcontainer (TEU) verzeichnet worden, sagte der Marketing-Chef von Hafen Hamburg, Axel Mattern, am Mittwoch. Durch das Minus von 9,3 Prozent fiel Hamburg im Ranking unter Europas größten Häfen hinter Rotterdam und Antwerpen auf Platz drei zurück. Ein leichtes Plus von 5,8 Prozent verzeichnete der Hafen zwar beim Massengutumschlag. Dieser reichte jedoch nicht aus, um die Gesamtbilanz des Hafens auszugleichen. Insgesamt sank der Seegüterumschlag um 5,4 Prozent auf 137,8 Millionen Tonnen. Senator Frank Horch hebt die Bedeutung des Hamburger Hafens für den Standort hervor, warnt aber davor, sich selbst klein zu machen: „Wer das Hafengeschäft kennt, der weiß, dass sich der Erfolg des Hamburger Hafens nicht ausschließlich in TEU bemisst.“

Die Ursachen

In Folge des Ukraine-Konflikts sind die Exporte nach Russland eingebrochen.
In Folge des Ukraine-Konflikts sind die Exporte nach Russland eingebrochen. Foto: Tim Brakemeier
 

Hauptgrund für den Rückgang waren den Angaben zufolge vor allem Chinas schwächelnder Außenhandel und Russlands Wirtschaftsprobleme.  „Der Hamburger Hafen nimmt im Containerverkehr mit der Ostseeregion unter den nordeuropäischen Häfen unverändert eine starke Position ein. Im Vergleich mit Häfen wie Antwerpen und Rotterdam weist Hamburg einen um rund sieben Prozentpunkte höheren Anteil an Transhipmentladung auf“, erläutert Axel Mattern, Vorstand Hafen Hamburg Marketing. „Das ist auch ein Grund dafür, dass Hamburg stärker vom schwächelnden Außenhandel Chinas und den wirtschaftlichen Problemen Russlands betroffen ist als zum Beispiel Antwerpen oder Rotterdam.“

Der Rückgang im Containerverkehr mit China von 14,4 Prozent und mit Russland von 34,4 Prozent konnte nicht durch Wachstum im Containerverkehr mit anderen Ländern, wie zum Beispiel Malaysia, Indien, Vereinigte Arabische Emirate oder Mexico ausgeglichen werden.

Schuss vor den Bug - ein Kommentar von Markus Lorenz

Hafenträume haben spätestens seit jetzt Grundberührung. Es ist noch nicht lange her, da sannen die Strategen an der Elbe darauf, die Infrastruktur für einen Umschlag von 25 Millionen Containern im Jahr 2025 aufzurüsten. Tatsächlich fiel die Menge im vorigen Jahr auf ernüchternde 8,8 Millionen, ein Minus um fast zehn Prozent. Und ein krachender Schuss vor den Bug der Hanseaten. Die Botschaft: Die Hafenpolitik muss flexibler werden, will Hamburg seinen wirtschaftlichen Motor am Laufen halten.

Gewiss, die Delle anno 2016 hat viel mit weltwirtschaftlichen Unbilden zu tun: China, Russland, Kriege und eine insgesamt tief verunsicherte globale Ökonomie. Aber eben nicht nur. Gerade im Wellental der Konjunktur wird deutlich, dass Deutschlands wichtigster Hafen an allerlei Grenzen stößt. Vor allem die Lage tief im Binnenland erweist sich zusehends als schwer überwindbare Wachstumsbremse. Wie anders wäre es zu erklären, dass Konkurrenten mit Nordseelage die Krise besser abfedern?

Die Kais der Hansestadt liegen eine sehr lange Revierfahrt von der Küste entfernt. Hamburgs Nabelschnur zu den Weltmeeren ist 100 Kilometer lang und entsprechend teuer für die Reeder und anfällig für Störungen aller Art. Die Havarie des 400-Meter-Riesen „Indian Ocean“ hat dies gerade überdeutlich gezeigt. Der geografische Nachteil ist nicht neu, doch angesichts immer größerer Schiffe und immer knapperer Margen in der Weltschifffahrt verstärkt sich die fatale Wirkung. Freilich: Keiner sollte den Hafen schlechtreden. Zu offenkundig sind dessen organisatorische Stärken und die Bedeutung als Verteilzentrum für ganz Nordeuropa. Aber: Gegen Tiefwasserhäfen wird Hamburg auf Dauer kaum ankommen.

Zeit also, sich breiter aufzustellen und zwischen den Kais vermehrt auch Produktion, Veredelung, Forschung und Hightech anzusiedeln. Die Idee ist nicht neu, sie ist seit langem im Hafenentwicklungsplan nachzulesen. Nur: Bei der Umsetzung herrscht Schneckentempo. Wie bei einem Tanker gilt: Wer den Kurs ändern will, muss das Ruder sehr früh einschlagen. Es wird Zeit.

 

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erstellt am 10.Feb.2016 | 13:59 Uhr

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