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Hamburg

08. Dezember 2016 | 03:10 Uhr

Bericht zur Wasserversorgung : Warum Hamburg ein Problem mit seinem Trinkwasser hat

vom

Die Versorgungssicherheit ist bedroht. Bis 2035 gibt es zu wenig Trinkwasser. Neue Brunnen-Standorte fehlen.

Hamburg | Knappe Trinkwasservorräte kannte man bisher vor allem aus Ländern mit viel Sonne. Doch auch in Hamburg, der Stadt an der Elbe, wo es viel regnet, geht das Trinkwasser zur Neige. In den kommenden Jahren bis 2035 könnte weniger Wasser aus den Hähnen sprudeln, als eigentlich gebraucht wird. Das ist im „Statusbericht zur Trinkwasserversorgung“, den der Senat kürzlich herausgegeben hat, nachzulesen. Um die Wasserversorgung dennoch zu sichern, muss die Stadt auch Privatgrundstücke in den Blick fassen, um neue Brunnen zu bauen.

Hamburg wächst. Das hat Schattenseiten - wie eine immer knapper werdende Grundversorgung. Der aktuelle Statusbericht zur Trinkwasserversorgung ist ein Warnschuss. Die Stadt muss reagieren und weil man den Bürgern nicht vorschreiben kann, wieviel Wasser sie verbrauchen dürfen, ist jeder angehalten, Wasser zu sparen.

Bei 133,02 Milliarden Litern lag der errechnete Trinkwasser-Bedarf im vergangenen Jahr in Hamburg. Das war zu viel. Durch die Rohre der Hansestadt fließen insgesamt nur 132 Milliarden Liter. Auf dem Trockenen blieb trotzdem niemand sitzen. Anders als prognostiziert wurden nur 120 Milliarden Liter verbraucht.

Doch die Versorgungslücke besteht auch in den kommenden Jahren. Besonders kritisch könnte es 2025 werden. Dann würde durch das anhaltende Bevölkerungswachstum ein Maximum von 133,48 Milliarden Litern Trinkwasser gebraucht, etwa 1,5 Milliarden Liter mehr als gefördert werden können.

Bis 2045 soll das Trinkwasserangebot in der Hansestadt nach dem Bericht lediglich „knapp gewährleistet sein“. Allerdings könnte es auch gar nicht reichen. Der Bericht listet einige Risikofaktoren auf, die sich nachteilig auf die Versorgungssituation auswirken könnten, sodass möglicherweise zu wenig Trinkwasser fließt. Dazu gehören:

  • Erhöhung des Trinkwasserbedarfs durch Bevölkerungszuwachs
  • Einschränkung der Grundwasserentnahme in der Nordheide (Niedersachsen)
  • Zunahme diffuser Schadstoffeinträge in das Grundwasser
  • Grundwasserbelastungen durch Altlasten
  • Fortschreitende Grundwasserversalzung
  • Einflüsse durch Klimaveränderung
  • Aufsuchung und Gewinnung von Öl und Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten („Fracking“)

Sollen die Hamburger auch in Zukunft flüssig bleiben, muss die Hansestadt reagieren.

Dem Hamburger Grundversorger gehören 16 Wasserwerke, drei befinden sich in Schleswig-Holstein, eines in Niedersachsen in Hanstedt in der Nordheide.

Probleme gibt es mit dem Wasserwerk in der Nordheide. Der Fortbestand ist ungewiss. Seit Jahren wird um die Fördererlaubnis gerungen. Die letzte Bewilligung ist 2004 ausgelaufen. Das Unternehmen Hamburg Wasser bemüht sich um eine Verlängerung, bis zum Ende des Verfahrens darf in Hanstedt Wasser gefördert werden. Doch nach dem Auslaufen der Bewilligung hat sich die Fördermenge reduziert. Erlaubt sind 25 Prozent weniger als noch 2004.

Vor Ende des Jahres sei mit einem Abschluss des Bewilligungsverfahrens in der Nordheide nicht zu rechnen. Für die Wasserversorgung ist das ein großer Unsicherheitsfaktor. Die in Niedersachsen geförderten 15,7 Milliarden Liter könnten an anderer Stelle nicht kompensiert werden. Gäbe es keine neue Fördererlaubnis wären „Einschränkungen der Versorgungssicherheit nicht auszuschließen“, heißt es in dem Bericht.

Sorgen bereitet den Versorgern auch die Versalzung von Grundwasser. Bereiche der Wasserwerke in Langenhorn und Schnelsen werden durch die Versalzungsentwicklung als „geogen gefährdet“ eingestuft. Insgesamt sind wohl 1,8 Milliarden Liter davon betroffen. Diese können zwar noch zugeschaltet werden, sind aber vor allem zur kurz- und mittelfristigen Abdeckung von Bedarfsspitzen vorgesehen.

Wasser aus der Elbe immer noch zu sehr verdreckt

Um der Trinkwasser-Knappheit Herr zu werden, ist die Stadt auf der Suche nach neuen Standorten für Brunnen. Doch mögliche Plätze sind in einer immer dichter besiedelten Stadt rar gesät. Und vorhandene Brunnengrundstücke böten „flächenmäßig nicht mehr den erforderlichen Spielraum für einen Brunnenneubau“, zudem gestalte sich die Beschaffung von neuen Grundstücken für Trinkwasserbrunnen „in den letzten Jahren in einigen Gewinnungsgebieten zunehmend schwieriger“.

Für den Brunnenneubau nimmt die Stadt deshalb bereits genutzte öffentliche Flächen in den Blick wie etwa Schulgrundstücke, Spielplätze, Parks und Krankenhäuser. Darüber hinaus seien „auch private Grundstücke und Flächen zukünftig verstärkt in die Planung einzubeziehen.“

Wasser aus der Elbe als Trinkwasser aufzubereiten, kommt für die Hansestadt weiterhin nicht in Frage. In den 60er-Jahren war die Nutzung von Elbwasser zum Trinken eingestellt worden. Zu stark war das Wasser mit Schadstoffen belastet. Und ist es immernoch. Zwar habe sich die Wasserqualität der Elbe „wesentlich verbessert“, heißt es in dem Bericht, dennoch sieht Hamburg bei der Nutzung von Oberflächenwasser zur Trinkwassergewinnung weiterhin „erhebliche qualitative Risiken“.

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erstellt am 18.Aug.2016 | 16:46 Uhr

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