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Hamburg

11. Dezember 2016 | 07:17 Uhr

Stau in SH und Hamburg : „Vollkommen aus dem Ruder gelaufen“ - Kritiker fordern Staukoordinator

vom
Aus der Onlineredaktion

Baustellen, Ferienbeginn, Feiertag: Auf den Straßen um Hamburg wird es ab heute eng. Wäre das vermeidbar gewesen?

Hamburg/Kiel | Die Kapitulation vor dem befürchteten Stau-GAU kam per Pressemitteilung aus der Hamburger Verkehrsbehörde: „Empfehlung für kommendes Wochenende: A7 in Hamburg in Richtung Norden vermeiden.“ Begründung für den ungewöhnlichen Appell ist das zeitliche Zusammentreffen mehrerer Baustellen mit dem Ferienbeginn in vier Bundesländern am Donnerstag, unter anderem in Niedersachsen und Bremen. Zusätzlich dürften wegen des Feiertags am 3. Oktober zahlreiche Kurzurlauber unterwegs sein. Sprecher Richard Lemloh: „Reisende sollten am Wochenende von Süden kommend die A7 im Baustellenbereich meiden und Hamburg über die A1, A 21 und B205 bis Neumünster umfahren.“  

Die Verkehrssituation auf den Autobahnen in und um Hamburg hat sich in den vergangenen Tagen bereits drastisch zugespitzt. Am Mittwoch stauten sich die Fahrzeuge in Richtung Süden nach einem Brand im Elbtunnel auf 16 Kilometern bis zurück nach Quickborn. Am Dienstag hatte der Verkehr auf der A1 in Richtung Lübeck nach einem Unfall zwischen Hittfeld und Hamburg-Öjendorf sogar auf 25 Kilometern gestockt.

Neuralgischer Punkt im Großraum der Metropole ist aktuell jedoch die Autobahn 7 südlich des Tunnels: Seit Mitte September wird dort die Fahrbahn erneuert, weshalb es vor der Röhre täglich zu langen Staus von bis zu 15 Kilometern kommt. Angesichts der Entwicklung schlagen Kritiker Alarm und verlangen von den norddeutschen Bundesländern die Einsetzung eines Staukoordinators.

UV-Nord-Präsident Uli Wachholtz hatte schon im Sommer wegen der Einschränkungen für den Wirtschaftsverkehr Alarm geschlagen. Die Koordinierung der Baustellen in und um Hamburg sei „katastrophal“. Der Senat müsse handeln. (Hier finden Sie eine Übersicht über die großen Baustellen in Hamburg in diesem Herbst.)

Der Hamburger CDU-Verkehrsexperte Dennis Thering hält die Stausituation für „vollkommen aus dem Ruder gelaufen“, Hamburgs Süden erlebe „ein Staudesaster unbekannten Ausmaßes“. Als Hauptursache sieht er eine „katastrophale Baustellenkoordination“ zwischen Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Thering fordert: „Die Metropolregion Hamburg braucht endlich einen gemeinsamen Stau- und Baustellenkoordinator, der mit ausreichend Kompetenzen und Planungskapazitäten ausgestattet sein muss.“ Vorbild ist die Tätigkeit von Verkehrskoordinator Gerhard Fuchs, den Hamburg und Schleswig-Holstein für den A7-Ausbau nördlich des Tunnels eingesetzt hatten. Nach einhelliger Meinung von Betroffenen hat Fuchs es geschafft, die Auswirkungen des Riesenprojekts in Grenzen zu halten.

Die Hamburger Verkehrsbehörde lehnt die Schaffung eines weiteren Koordinatorenpostens allerdings ab. Nicht nur mit Schleswig-Holstein, auch mit Niedersachsen seien Baustellenabsprachen bereits üblich, sagt Behördensprecher Richard Lemloh. Hamburg will ab 2018 auch den A7-Abschnitt südlich des Elbtunnels von sechs auf acht Spuren ausbauen, wie es derzeit nördlich der Elbe bereits geschieht.

Kommentar: Ein wenig Nordstaat gegen den Stau

Von Markus Lorenz

Bekanntlich muss es manchmal erst schlimmer werden, bevor es besser werden kann. Aber so viel schlimmer? Die Staulage in und um Hamburg ist in diesen Wochen gelinde gesagt eine Herausforderung für private wie für gewerbliche Autofahrer. Am Dienstag 14 Kilometer auf der auf der A7, am Mittwoch 16 Kilometer, am Dienstag sogar 25 Kilometer auf der A1 – wer bietet mehr? Die schier endlose Steherei bremst im Großraum der Elbmetropole jeden Tag Hunderttausende aus, was das Thema unwillkürlich zum Politikum werden lässt.

Tun die Landesverwaltungen tatsächlich alles, um das Übel auf das unumgängliche Maß zu beschränken? Zweifel sind angebracht. Da eröffnet Hamburg kürzlich auf der A7 südlich des Elbtunnels eine neue Großbaustelle, und gleichzeitig macht Niedersachsen die A1 im Bereich des Maschener Kreuzes für fünf Tage gleich komplett dicht. Koordination? In diesem Fall offensichtlich Fehlanzeige. Weitere Beispiele lassen sich finden, vor allem mit Blick auf Baustellen im Hamburger Stadtgebiet. Straßenausbau und -ausbesserung muss sein, das unterschriebt wohl jeder Autofahrer. Doch die aktuelle Ballung solcher Staufallen raubt auch dem verständnisvollsten Verkehrsteilnehmer nicht nur den letzten Nerv, sondern auch den Glauben an ein durchdachtes und abgesprochenes Vorgehen zwischen den Nachbarn im Norden.

Höchste Zeit für ein wenig Nordstaat im Staumanagement. Die drei Länder sollten die Koordinierung von Baustellen in der Metropolregion institutionell vereinheitlichen. Das Beispiel des A7-Koordinators von Hamburg und Schleswig-Holstein belegt, dass ein kompetenter und mit den nötigen Befugnissen ausgestatteter Experte Behinderungen in Grenzen halten kann. Warum also nicht die Zuständigkeit von Amtsinhaber Gerhard Fuchs auf die gesamte Region ausdehnen und Niedersachsen auch formal mit ins Boot holen? Den Versuch ist es wert. Denn schlimmer kann es nicht mehr werden.

Aktuelle Verkehrsinformationen finden Sie jederzeit hier: www.shz.de/verkehr

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erstellt am 29.Sep.2016 | 06:53 Uhr

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