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Zwischen Kunst und Erotik : Verrucht und bizarr: Auftakt des Hamburger Burlesque Festivals

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Burlesque ist erotisches Unterhaltungstheater - und der Norden hat nun sein erstes Festival dazu.

Hamburg | Ein Pavillon, umhüllt von halbdurchsichtigem, glänzendem Tüllstoff, thront auf der Bühne. Dahinter ist die Silhouette einer Frau erkennbar. Langsam streicht sie den Vorhang auseinander und beginnt zu tanzen. Sie entzündet ein Stück Papier und steckt damit den Kopf einer langen silbernen Pfeife an. Ein tiefer Zug und der Rauch wird lasziv in Richtung Publikum gepustet. Unter tosendem Applaus der Menge zieht sie langsam ihr Kleid aus, schließlich streift sie auch den funkelnden BH hinunter. Aus zwei brennenden Kerzen lässt sie Wachs auf ihren nackten Körper tropfen. Der Auftritt der Burlesque-Ikone und Initiatorin Marlene von Steenvag bildet den Auftakt des viertägigen Burlesque Festivals in Hamburg.

Ob anmutig verrucht, bizarr oder exotisch - inszeniert von über vierzig lokalen, nationalen und internationalen Burlesque-Künstlern, Akrobaten und Performern lernen die Besucher bis zum 9. April die unterschiedlichen Spielarten des erotischen Unterhaltungstheaters kennen. Viele weibliche Gäste haben es den Künstlern gleich getan und sind selbst geschmückt mit aufwendigem Haarschmuck oder Federboas.

Marlene von Steenvag auf der Bühne der Prinzenbar.

Marlene von Steenvag auf der Bühne der Prinzenbar.

Foto: dpa
 

Einige Männer sind im Smoking erschienen. „Unsere Besucher werfen sich zu den Veranstaltungen richtig in Schale. So ein Abend wird also wirklich zelebriert, nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Zuschauerraum“, erzählt Marlene von Steevag. Zusammen mit der „20er-Jahre-Event-Expertin“ Else Edelstahl richtet die 36-Jährige bereits seit 2013 ein Pendant des Festivals in Berlin aus.

Doch wie unterscheidet sich Burlesque zum klassischen Striptease? „Im Gegensatz zum Striptease geht es beim Burlesque vor allem um die Persönlichkeit, also um den Künstler als Subjekt und die Art und Weise wie er seine Geschichte erzählt“, erklärt von Steevag. Zudem gebe es beim Burlesque Grenzen: Brustwarzen und Intimbereich bleiben für den Zuschauer verborgen. Diese Art von erotischer Performance scheint vor allem den Frauen zu gefallen - laut den Veranstaltern sind 66 Prozent der Karten von weiblichen Besuchern gekauft worden.

Burlesque-Künstlerinnen wie Eve Champagne schmücken sich im Stil der 20er-Jahre.

Burlesque-Künstlerinnen wie Eve Champagne schmücken sich im Stil der 20er-Jahre.

Foto: dpa
 

Die Hamburger Burlesque-Künstlerin Eve Champagne moderiert an diesem Abend in Anlehnung an die Zeiten, in denen im sündigen St. Pauli eine von Seefahrern aus China importierte Droge in den Bars des Stadtviertels konsumiert wurde. „Lasst euch berauschen von diesem Opium, dass jetzt von der Bühne strömt“, fordert Champagne die Besucher auf.

Marlene von Steenvag bei ihrer Vorstellung.

Marlene von Steenvag bei ihrer Vorstellung.

Foto: dpa
 

Neben Marlene von Steevag treten an diesem Abend noch sechs weitere Burlesque-Tänzerinnen auf. Die kanadische Künstlerin Fifi Fantôme etwa zeigt eine völlig andere Interpretation der Kunstform. Während ihrer Performance schreit und faucht sie, verdreht Gliedmaßen und Augen. Am Ende ihrer Darbietung reibt sie ihren nackten Oberkörper mit schwarzen Farbe ein und fällt um. Einem älteren Paar scheint dies zu viel zu sein und sie verlassen fluchtartig den Saal. Exotisch ist hingegen der Auftritt der niederländischen Miss Riskina. Mit einem riesigen fächerförmigen Federhaarschmuck auf dem Kopf und einer lebenden Schlange um die Hüften zieht sie das Publikum in ihren Bann.

Unter dem Motto „The Dark Circus“ geht das Festival im „Übel & Gefährlich“ mit modernen Interpretationen der Kunstform weiter. Am Samstag hingegen steht unter dem Motto „The Grand Palace“ das klassische Burlesque auf dem Programm. Wer Gefallen an den Auftritten gefunden hat, hat die Möglichkeit in Workshops selbst in die Rolle eines Burlesque-Künstlers zu schlüpfen. Ohne Kostüme und Make-Up zeigen sich die Darsteller am Sonntag zum Abschluss des Festivals beim „Farewell-Brunch“ im Pauline.

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erstellt am 07.Apr.2017 | 13:41 Uhr

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