zur Navigation springen

Hamburg

08. Dezember 2016 | 01:17 Uhr

„Lockengelöt“, „Alsterplanke“ und „Redesign“ : „Upgecycled“: Wie Hamburger Unternehmen Schrott „trendy“ machen

vom
Aus der Onlineredaktion

Was beim Ausmisten so anfällt, muss nicht in den Müll wandern. In Hamburger Unternehmen entsteht daraus oft Kurioses.

Hamburg | Küchenrollenhalter aus Schallplatten, Schränke aus Fässern, Topfuntersetzer aus Skateboard-Holz: Aus den Gegenständen, die andere Menschen wegwerfen würden, stellt das Hamburger Upcycling-Unternehmen „Lockengelöt“ etwas Neues her. Carsten Trill und Dennis Schnelting haben das Geschäft bereits im Jahr 2004 eröffnet - damals war die Idee des „Upcyclings“ noch kaum bekannt. „Die Idee entstand aus der Not heraus, als das Dach unserer Hütte undicht war. Statt Dachziegel haben wir dann Schallplatten verwendet“, sagt Carsten Trill.

Abfallprodukte oder Nutzloses in Modernes umwandeln und so wiederverwenden: Durch „Upcycling“ können Neuproduktionen vermieden werden. In Zeiten hohen Konsums und des steten Abbaus natürlicher Ressourcen gewinnt dieser Trend an Bedeutung.

In der Werkstatt von „Lockengelöt“ werden die Gegenstände zu neuem Leben erweckt. Unter viel Lärm schneiden zwei Mitarbeiter ein Loch für die Tür in eines der Fässer, bringen Scharniere an und setzen Regale ein. An einer anderen Werkbank erhitzen sie die Schallplatten und bringen sie in ihre neue Form. So werden Dingen, die laut Carsten Trill vom Fortschritt überholt worden sind, ganz neues Leben eingehaucht. Oft sei erst auf den zweiten Blick erkennbar, aus welchen Materialien die neuen Objekte bestünden. Viele Kunden bringen ihre Lieblingsbücher oder zerkratzten Schallplatten, um sie zu einem Schlüsselbrett oder einer Uhr umfunktionieren zu lassen. „Wir retten hier nicht die Welt. Wir möchten einfach durch simple Ideen eine neue Denkweise in den Alltag der Menschen bringen, aber ohne den Zeigefinger zu erheben“, sagt Carsten Trill.

<p>Zahlreiche Schränke aus Fässern: Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, aus alten ausrangierten Gegenständen etwas Neues herzustellen</p>

Zahlreiche Schränke aus Fässern: Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, aus alten ausrangierten Gegenständen etwas Neues herzustellen

Foto: dpa
 

„Lockengelöt“ ist nur ein Beispiel für Hamburgs vielfältige Upcycling-Szene. Das Unternehmen „Alsterplanke“ hat sich auf Möbel aus alten Gerüstbohlen spezialisiert. „Wir haben überlegt, wie man besonders individuelle Möbel herstellen kann. Deswegen verwenden wir Holz, das schon ein langes Leben hinter sich hat“, erklärt Dennis Radigk, einer der Gründer von „Alsterplanke“. Das Holz der massiven Tische und Betten weise Gebrauchsspuren auf. Das mache die Möbel individuell statt universell.

Carmen Naskes Leidenschaft gilt dem „Upcycling“ von Skateboards und Surfbrettern. Aus ihnen produziert sie für ihr Unternehmen „Elbbrett“ unter anderem Möbel und Schmuck. Nachhaltigkeit ist ihr wichtig. „Unsere Konsumgesellschaft vergisst nur zu oft, dass wir nur begrenzte Ressourcen haben und wir doch anfangen müssen bedacht mit diesen umzugehen“, sagt Carmen Naske. Zu ihren eigenen Brettern habe sie eine emotionale Bindung und möchte ausrangierte Bretter nicht einfach wegwerfen.

Auch in der Modebranche ist „Upcycling“ beliebt. Christina Schelhorn von „Redesign“ verwendet nach eigenen Angaben nur Altkleider sowie alte Stoffe aus Vorhängen und Tischdecken. „Entstanden ist die Idee aus meiner scheinbar nicht miteinander zu vereinbaren Leidenschaft Mode und meinem politischen Bewusstsein“, sagt Christina Schelhorn.

Sie zerschneide die alte Kleidung und stelle sie nach eigenen Designs neu zusammen. Louise Schlepper betreibt die „Upcycling“-Plattform „JuteDeerns“ und weiß, dass Nachhaltigkeit in Hamburg eine große Rolle spielt. „Upcycling wird auf jeden Fall immer beliebter“, sagt sie. Das Denken über den Umgang mit der Umwelt werde den Menschen immer bewusster. Auf der Plattform seien bislang 13 Unternehmen registriert, es kämen aber immer wieder neue hinzu.

zur Startseite

von
erstellt am 25.Okt.2016 | 15:26 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen