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Hamburg

10. Dezember 2016 | 09:54 Uhr

Hamburg : Unterwegs mit „Hermi“: So funktioniert der neue Paketroboter

vom

Seit heute läuft eine Testphase von Hermes: Pakete werden von einem Roboter geliefert. Wir haben ihn begleitet.

Hamburg | Groß wie 'ne Bierkiste, sechs Räder, außen viel Plastik, drinnen viel Technik: Seit Mittwoch rollen die ersten Paketroboter durch Hamburg. Die Otto-Tochter Hermes testet die selbst fahrenden Vehikel für die Zustellung kleinerer Sendungen in den Stadtteilen Ottensen, Volksdorf und im Grindelviertel. „Wir wollen herausfinden, ob solche Roboter für unsere Kunden und für uns vorteilhaft sind“, sagt Hermes-Sprecher Ingo Bertram.

Einen Namen hat der Prototyp der estnischen Firma Starship noch nicht. „Am schönsten wäre Hermi“, scherzt Hermes-Mann Bertram. Lassen wir es dabei. Auf zur Premierenfahrt. Unternehmungslustig rollt „Hermi“ die Rampe des Paketshops in Ottensen auf den Bürgersteig. In seinem Bauch ein Päckchen mit einer Hose, die eine Kundin an ihren Arbeitsplatz bestellt hat. Erste Überraschung: Obwohl das Ziel rechts liegt, steuert der Roboter nach links. Bertram: „Er weiß, dass er erst einmal über die Fußgängerampel muss.“ Geduldig wartet das Gefährt ab, bis es grün wird, ruckelt dann über den Hohenzollernring.

<p>„Hermi“ wartet an der Ampel bis es Grün wird.</p>

„Hermi“ wartet an der Ampel bis es Grün wird.

Foto: Markus Lorenz
 

Weiter geht's. Und zwar immer auf dem Gehweg entlang, denn Fahrten auf der Straße sind verboten. Auch sonst hat die Stadt Auflagen verhängt: „Hermi“ braucht in der Testphase einen Begleiter aus Fleisch und Blut. Heute ist das Jan, Hipster-Vollbart und Knopf im Ohr. Er hält Kontakt zur Leitstelle im fernen Tallinn, wo ein Operator den Roboter fortlaufend überwacht. Würde der Automat aus dem Ruder laufen, würde entweder die Leitstelle oder er selbst eingreifen, erklärt Jan. Der Roboter erhält Information wie Fahrtziel und kürzeste Route übers Internet und lässt sich so auch fernsteuern.

Eine Joggerin trabt direkt auf den Roboter zu, doch die Begleiter bleiben gelassen. Nicht nur die Läuferin weicht aus, auch der mechanische Paketbote steuert sanft nach links. Zwölf Sensoren scannen die Umgebung ab. Melden Sie ein Hindernis, folgt die Kurskorrektur oder ein Stopp. Bei Kollisionen dürfte sich der Schaden ohnehin in Grenzen halten. Denn „Hermi“ darf nur Schritttempo fahren und kommt binnen kürzester Zeit zum Stillstand. Sagt zumindest das Hermes-Team. Ob dies tatsächlich immer so ist, auch das will das Unternehmen mit dem Test herausfinden.

Kleine Probleme auf der Jungfernfahrt löst die Maschine souverän. Als der Roboter zwischen das Gestühl vor einer Bäckerei gerät, findet er in Windeseile einen Ausweg. Und so surrt das Testmodell schließlich in den Bahrenpark, ein schickes Gewerbe- und Shopping-Quartier. Passanten bleiben kurz stehen, alle verwundert, die meisten belustigt. An roten Backsteinfassaden des 19. Jahrhunderts entlang strebt das Paketmobil der Zukunft seiner Bestimmung entgegen, bleibt vor einer Haustür stehen. Treppensteigen und Fahrstuhl fahren kann „Hermi“ nicht, die Kunden müssen sich hinaus bemühen.

Empfängerin Bianca Tobaschus erscheint und strahlt. Sie hat per SMS erfahren, dass Ihre Bestellung da ist, entriegelt per Smartphone die Klappe des Roboters per Smartphone und entnimmt ihre Hose. „Macht Spaß. Ich kann selbst bestimmen, wann mein Paket kommt.“

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erstellt am 05.Okt.2016 | 17:40 Uhr

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