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Hamburg

07. Dezember 2016 | 11:46 Uhr

Einbetonierte Leiche in Hamburg : Überraschungs-Urteil: Casa Alfredo-Koch freigesprochen – Tumulte im Gericht

vom

Nach dem Fund einer einbetonierten Leiche im Fußboden eines Kellerrestaurants in Hamburg hatte ein Koch des Lokals die Tat gestanden.

Hamburg | Er erschoss einen mutmaßlichen Schutzgelderpresser, beseitigte die Leiche in Mafiamanier - doch ins Gefängnis muss der Hamburger Restaurantwirt Alfredo M. nicht. Das Landgericht hat den 52-Jährigen am Mittwoch freigesprochen. Angehörige des getöteten Ercan D. (49) auf den Besucherplätzen verloren daraufhin völlig die Fassung. Sie schrien „Scheiß Mörder“, drohten „Das ist hier noch nicht das Ende, Du Arschloch“ und hämmerten mit Fäusten gegen das Sicherheitsglas. Das Gericht ließ den Saal räumen, ein Dutzend Polizisten und Justizbeamte schützten den Freigesprochenen.

„Das Urteil mag für die Nebenkläger überraschend und schwer nachvollziehbar sein“, hatte der Vorsitzende Richter eingeräumt. Die Tat sei nach Überzeugung der Strafkammer aber als Notwehr zu bewerten, wenn auch „an der Grenze“.

An den Angeklagten gewandt sagte der Richter: „Wir sind nicht absolut sicher, ob sie die volle Wahrheit gesagt haben, allerdings spricht mehr dafür als dagegen.“ Die Tötung geschah nach Ansicht des Gerichts in einer „unübersichtlichen Kampflage“. Zugleich nannten die Richter die Entsorgung der Leiche „absolut unwürdig“, für die Angehörigen „zutiefst verletzend und eine nahezu unerträgliche Zumutung“.

Es war das turbulente, aber wohl nur vorläufige Ende eines der aufsehenerregendsten Hamburger Kriminalfälle der vergangenen Jahre. Alfredo M. hatte im September 2015 in seinem Lokal „Casa Alfredo“ D. per Kopfschuss getötet und die Leiche im Restaurant verscharrt. Den Körper warf er in eine Baugrube im Abstellraum, legte kurzerhand einen neuen Fußbodenbelag darüber und warb auf seiner Homepage: „Eure Füße werden begeistert sein.“ Wochenlang speisten die Gäste in dem angesagten Kellerlokal am Hauptbahnhof - nichtsahnend, dass nebenan ein Leichnam verweste. Ein Spürhund der Polizei erschnüffelte den Toten im November 2015.

Die Staatsanwaltschaft war von einem minderschweren Fall von Totschlag ausgegangen und hatte drei Jahre und drei Monate Haft beantragt. Der Angeklagte hatte die Tat gestanden. Unabhängige Tatzeugen gab es nicht, alles hing an der Aussage des Angeklagten. Am Ende schenkte die Strafkammer dessen Version der Geschehnisse Glauben.

Demnach hatte Ercan D. ihn zwei Jahre lang erpresst, monatlich 1000 Euro „Schutzgeld“ verlangt. 25.000 Euro will er dem vorbestraften Mann gegeben haben. Als M. nicht mehr zahlen konnte, habe D. ihn massiv unter Druck gesetzt, Scheiben eingeworfen, Gäste verschreckt und schließlich gefordert: „Du kannst ja deine schönen Töchter arbeiten schicken.“ Für Alfredo M. war das die Androhung von Prostitution.

Am Abend des 30. September 2015 kam es zum Showdown, nachdem die letzten Gäste das „Casa Alfredo“ verlassen hatten. Laut M.'s Aussage hatte D. demonstrativ eine Pistole auf den Tisch gelegt und gedroht, ihn zu töten. Der Wirt will den Tisch umgeworfen haben, es sei zum Getümmel gekommen. In dessen Verlauf habe er die Waffe ergriffen und aus Notwehr auf den Kontrahenten gefeuert.

 

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erstellt am 31.Aug.2016 | 15:28 Uhr

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