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Hamburg

09. Dezember 2016 | 08:55 Uhr

Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf : Transplantationen im UKE – Opposition sieht Skandal

vom

Der Bericht zu Lungentransplantationen im UKE schaukelt sich zu einem mittleren Skandal auf, sagt die CDU.

Hamburg | Wegen der Unregelmäßigkeiten bei Behandlungsunterlagen von Transplantationspatienten ist die Leitung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) in der Bürgerschaft in die Kritik geraten. „Es schaukelt sich auf zu einem mittleren Skandal“, sagte die CDU-Abgeordnete Birgit Stöver am Donnerstag in einer gemeinsamen Sitzung von Gesundheits- und Wissenschaftsausschuss. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) hätten auf das Problem eher aufmerksam werden müssen. Der FDP-Abgeordnete Wieland Schinnenburg sagte: „Ganz schwerwiegende Vorwürfe stehen im Raum.“

In Deutschland hoffen mehr als 10.000 schwer kranke Menschen auf die Transplantation eines Organs. Doch die Bereitschaft zur Organspende ist gering - Schuld daran sind zurückliegende Transplantationsskandale.

Am 13. Oktober hatte die sogenannte Prüfungs- und Überwachungskommission einen Bericht zu Lungentransplantationen im UKE und in der kooperierenden LungenClinic Großhansdorf (Kreis Stormarn) vorgelegt. In 10 von 25 Fällen zwischen 2010 und 2012 beanstandete die Kommission von Krankenkassen-Spitzenverband (GKV), Krankenhausgesellschaft und Bundesärztekammer Unregelmäßigkeiten, wie Prüfer-Storcks sagte. Sieben Patientenakten der Klinik Großhansdorf waren nicht mehr auffindbar. Am 17. Oktober leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren ein.

Prüfer-Storcks wollte die Lage nach Bekanntwerden der Vorwürfe nicht bewerten. Zunächst müsse die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen abschließen. „Die Situation ist absolut unbefriedigend, aber ich werde mich hüten, das Wort Skandal in den Mund zu nehmen“, sagte die Senatorin. Fegebank betonte: „Das Vertrauen von tatsächlichen und potenziellen Organspendern ist von entscheidender Bedeutung.“ Es dürfe nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

Der Ärztliche Direktor des UKE, Burkhard Göke, wies Vorwürfe der Manipulation erneut zurück. Er räumte aber ein, dass Akten von sieben Patienten fehlten. Es habe Probleme gegeben, Papierunterlagen in die elektronische Patientenakte aufzunehmen. „Daraus den Vorwurf der Manipulation abzuleiten, halte ich für nicht gerechtfertigt“, sagte Göke. Es habe kein Patient Schaden genommen, bei der Vergabe der Spenderorgane sei alles rechtens gewesen, die Mängel in der Dokumentation seien abgestellt, versicherte er. Die 2009 eingeführte elektronische Akte des UKE sei fälschungssicher und gerichtsfest. Die Klinik in Großhansdorf habe erst 2013 auf elektronische Akten umgestellt. Als der Bericht der Prüf- und Überwachungskommission am 13. Oktober eintraf, sei er „vergleichsweise fassungslos“ gewesen, sagte Göke. Das Klinikum lasse die Vorfälle nun von externen Spezialisten prüfen.

Schinnenburg kritisierte den Umgang des UKE mit den Vorwürfen. Göke habe in einem Interview nahegelegt, ein Vertreter einer konkurrierenden Klinik aus Hannover und Mitglied in der Prüfkommission könne deren Bericht zuungunsten des UKE beeinflusst haben. „Da steckt die böse Konkurrenz dahinter - das ist keine angemessene Reaktion!“ Deniz Celik von der Linken bemängelte, die Opposition hätte von der städtischen Einrichtung früher informiert werden müssen. Auch die Senatorinnen bedauerten, vom UKE nicht schneller informiert worden zu sein. Den Bericht mit den Vorwürfen habe ihr Pressesprecher zufällig auf der Webseite der Bundesärztekammer entdeckt, sagte Prüfer-Storcks.

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