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Hamburg

04. Dezember 2016 | 15:21 Uhr

Hamburger Landgericht : Tote Frau im Koffer – Angeklagter bestreitet die Tat

vom

Eine Tote, die mutmaßliche Tatwaffe und ein rätselhafter WhatsApp-Status. Was ist in der Hamburger Wohnung geschehen?

Hamburg | Ein 51-jähriger Mann soll seine Lebensgefährtin erstochen und danach in einem Koffer versteckt haben. Beim Prozessauftakt vor dem Hamburger Landgericht am Mittwoch bestritt der gebürtige Rostocker jegliche Tatbeteiligung. „Ich habe sie definitiv nicht getötet“, sagte er. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Totschlag vor. Er soll seiner 49 Jahre alten Freundin in der Nacht zum 9. Mai dieses Jahres in seiner Wohnung im Stadtteil Barmbek-Nord eine 12 cm lange Klinge ins Herz gestochen und ihre Leiche anschließend in einem Koffer versteckt haben. Die Getötete wurde nach einer Wohnungsüberprüfung von der Polizei entdeckt. Zuvor hatte die Tochter des Opfers eine Vermisstenanzeige aufgegeben.

Der Angeklagte gab im Prozess an, mit seiner Lebensgefährtin viel Alkohol getrunken zu haben. Spät am Abend sei er dann alleine ins Bett gegangen. „Am nächsten Morgen bin ich aufgestanden und habe sie im Esszimmer sitzen sehen. Ich habe gleich gemerkt, dass sie nicht mehr lebt“, schilderte er. Er habe die Leiche zunächst drei Tage auf dem Stuhl sitzen gelassen, bevor er sie schließlich in einem Koffer verstaut habe. „Ich habe mich völlig falsch verhalten. Ich hätte natürlich sofort die Polizei rufen müssen“, gab er an. Er sei nach dem Auffinden der Leiche überfordert gewesen und könne sich zudem kaum noch an Einzelheiten aus den folgenden Tagen erinnern.

Die Vorsitzende Richterin zeigte sich skeptisch gegenüber der Aussagen des Angeklagten: „Viele Fragen bieten keine befriedigenden Antworten.“ Der Angeklagte hatte Stunden vor dem Tod seiner Freundin seinen WhatsApp-Status in „This is the end“ geändert und ein gemeinsames Foto der beiden mit dem Plattencover der Band „Black Sabbath“ ersetzt. Zudem hatte er die mutmaßliche Tatwaffe in der Wohnung versteckt.

Der Verteidiger las zu Beginn des Prozesses ein Gutachten eines Rechtsmediziners vor. Demnach könne sich die Frau die tödlichen Verletzungen auch selbst zugefügt haben. Dem Gutachten zufolge sei „eine Gewalteinwirkung von vorne nahezu ausgeschlossen“. Es habe keinerlei Kampfspuren am Opfer gegeben und ein wuchtiger Stoß hätte eine tiefere Verletzung zur Folge gehabt, sagte der Verteidiger. Die Getötete sei zudem eine bekannte Borderline- und Epilepsiepatienten gewesen und habe sich bereits in der Vergangenheit selbst verletzt.

Am kommenden Prozesstag am 9. November wird lediglich eine Kurzverhandlung stattfinden. Für den übernächsten Verhandlungstag am 25. November wird die Befragung des Angeklagten fortgesetzt und zwei Polizisten als Zeugen gehört.

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erstellt am 26.Okt.2016 | 18:08 Uhr

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