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Hamburg

23. März 2017 | 11:34 Uhr

Hoopte bei Hamburg : Stintfang an Elbe und Weser kommt dieses Jahr nur langsam in Gang

vom

Stinte könnten in diesem Jahr Mangelware werden. Allmählich wird der Fang besser, doch an der Unterelbe ist kaum etwas los.

Hoopte/Bremen | Die Stintfischerei an Elbe und Weser hat in diesem Jahr spät begonnen. „Noch ist es verhalten, aber täglich fangen wir mehr“, sagte Elbfischer Wilhelm Grube in Hoopte im Kreis Harburg östlich von Hamburg. Die Ursachen für die eher magere Ausbeute seien ganz verschieden. Baggerarbeiten an der Unterelbe führten zu Sauerstoffmangel im Sommer und schadeten dem Bestand, sagte der 61-Jährige. „Auch der hohe Kormoranbestand an der Elbe macht uns Fischern seit Jahren Sorgen.“ Das Kraftwerk in Moorburg käme als möglicher Verursacher dazu.

Grube legt seine Reusen zwischen Norderelbe und Geesthacht aus. „Eigentlich kommt der Stint so richtig ab sieben oder acht Grad Wassertemperatur, jetzt sind es schon knapp fünf“, sagte er. „Bis Mitte der Woche haben wir nur etwa 120 Kilogramm täglich aus der Elbe geholt, am Freitag waren es schon fast 500.“

Die erste Kiste Stint konnte der Fischer am 23. Februar füllen, zehn Tage später als im vergangenen Jahr. „Wenn die Saison bis in den April geht, dann sind wir zufrieden.“ Grube fängt die grünlich-silberne Fische seit mehr als drei Jahrzehnten. Er hofft, bis Ostern mehr als 20 Tonnen Stint zu fangen.

Der 61-Jährige gilt als einziger Stintfischer östlich von Hamburg, unterstützt wird er von seinem Bruder Werner und Sohn Per-Willem. Der ist sonst elbabwärts zwischen Wedel und Glückstadt unterwegs. „Dort an der Unterelbe war es in diesem und dem vergangenen Jahr so schlecht wie noch nie“, beklagt Grube.

Der 61-Jährige ist nicht nur Fischer, sondern auch Landwirt und Gastronom. Sein Fischrestaurant ist für den Stint bekannt. Rund ein Fünftel des Fangs behält er selbst, der Rest geht an den Großhandel und etwa 50 andere Gaststätten. Außer dem Stint fischt er Zander, Aale, Brassen und Wollhandkrabben.

Auch an der Weser seien die Fänge zur Zeit schlechter als früher, sagte Alfred Homeister vom Staatlichen Fischereiamt Bremerhaven. „Wir sind ungefähr drei Wochen später dran als üblich“, berichtete er. „Erst seit einer Woche wird Stint in größeren Mengen gefangen. Das Wasser war bisher zu kalt.“ Täglich würden derzeit zwischen 200 und 300 Kilogramm aus dem Fluss gezogen. „Das ist nicht schlecht, aber in früheren Jahren waren es schon bis zu einer Tonne täglich.“ Ulrich Willig fischt den Stint in Bremen-Farge. Er ist zufriedener als Elbfischer Grube. „Bei uns sieht es besser aus, wir sind im Moment zufrieden“, sagte der Nebenerwerbsfischer. Für Zahlen sei es noch zu früh. „Das fängt gerade erst an mit dem Stint.“

Hintergrund: Der Stint

Stinte sind mit einer Größe von 15 bis 20 Zentimetern die kleinsten lachsartigen Schwarmfische. Wegen ihres Geruchs werden die Tiere in Norddeutschland auch Gurkenfische genannt. Im Winter ziehen sie vor allem aus der Nordsee in die Flussmündungen. Wird es wärmer, so wandern sie zum Laichen stromaufwärts.

Noch Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Stint mit Netzen am Ufer der Elbe in Massen gefangen. Mit zunehmender Gewässerverunreinigung verschwand er zeitweilig völlig und geriet als Speisefisch in Vergessenheit. Das änderte sich Ende des vorigen Jahrhunderts. Seitdem gilt er wieder als regionale Delikatesse.

 
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erstellt am 04.Mär.2017 | 09:55 Uhr

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