zur Navigation springen

Hamburg

10. Dezember 2016 | 00:21 Uhr

Schultests in Hamburg : Stadtteilschüler tun sich schwer mit Deutsch, Mathe und Englisch

vom

Eine Untersuchung bei Achtklässlern zeigt: Viele Jugendliche auf Stadtteilschulen sind noch weit vom Abschlusswissen entfernt.

Hamburg | Rechtschreibung, Mathematik und Englisch zählen weiter nicht zu den Stärken von Hamburgs Schülern. Vor allem Stadtteilschüler tun sich damit teils sehr schwer, wie aus einer Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht. So erreichen etwa 43 Prozent der Achtklässler beim „Deutsch-Leseverstehen“ nicht einmal die Mindeststandards, die am Ende der 10. Klasse für einen mittleren Schulabschluss nötig sind. Bei den Gymnasiasten seien es dagegen nur 2,5 Prozent.

Die CDU/FDP-Opposition sprach von verheerenden Ergebnissen, Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte: „Wir nehmen die Ergebnisse (...) sehr ernst.“ Basis der Daten sind die im Schuljahr 2012/13 unter dem Motto „Kermit“ („Kompetenzen ermitteln“) eingeführten, standardisierten Untersuchungen an allen Grund- und Stadtteilschulen sowie Gymnasien.

Wurden die Ergebnisse der Tests bislang nur den Schulen selbst zur Verfügung gestellt, veröffentlichte die Schulbehörde nun auf Anfrage der FDP die Ergebnisse des Schuljahres 2015/2016.

Danach ergibt sich bei der Rechtschreibung ein ähnliches Bild wie beim Leseverstehen. Dort liegt den Angaben zufolge die Quote der Stadtteilschüler unterhalb des Mindeststandards bei fast 50 Prozent, bei den Gymnasiasten seien es 1,5 Prozent.

Noch düsterer sieht es im Fach Mathematik aus. Dort liegen rund 77 Prozent der Achtklässler an Stadtteilschulen mit ihrem Können unterhalb der Mindeststandards, die für das Ende der Jahrgangsstufe 10 gelten. Bei Gymnasiasten seien es gut acht Prozent.

Beim „Englisch-Hörverstehen“ wiederum könnten 48,5 Prozent der Stadtteilschüler bestenfalls genug verstehen, „um Bedürfnisse konkreter Art befriedigen zu können, sofern deutlich und langsam gesprochen wird“. Bei Gymnasiasten seien es 1,5 Prozent. Beim „Englisch-Leseverstehen“ verstünden 60,8 Prozent der Stadtteilschüler im besten Fall „kurze, einfache Texte zu vertrauten konkreten Themen (...), in denen gängige alltagsbezogene Sprache verwendet wird“. Bei Gymnasiasten können nur 3,3 Prozent so wenig Englisch.

Schulsenator Rabe sagte, die Leistungen in Rechtschreibung und Mathematik müssten besser werden, „dennoch sind die Ergebnisse von Kermit 8 kein Grund für Alarmismus“. Sie zeigten, „dass in Mitte Klasse 8 fast 88 Prozent der Schüler an Stadtteilschulen Rechtschreibung immerhin schon so gut beherrschen, dass sie jederzeit den Hauptschulabschluss schaffen würden“. In Mathematik hätten 58 Prozent der Schüler an Stadtteilschulen bereits Mitte Klasse 8 das Niveau des früheren Hauptschulabschlusses, „obwohl sie noch zwei volle Lernjahre vor sich haben“.

Die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Anna von Treuenfels-Frowein, forderte eine deutliche Stärkung des Deutsch- und Matheunterrichts: „Ein erster Schritt hierzu wäre eine Reform der Bildungspläne.“ Ähnlich äußerte sich ihre CDU-Kollegin Karin Prien.

Sie beklagte, „dass die konsequente Einübung der Basisqualifikationen bereits an den Grundschulen deutlich zu kurz kommt“. Hier zeige sich wieder einmal, „dass sich zu viel Reformpädagogik und ,Laisser faire' an den Schulen rächt“.

Die Linken beklagten dagegen die Veröffentlichung der Ergebnisse. „Ich bedauere das sehr, weil Kermit zur internen Schul- und Unterrichtsentwicklung beitragen soll und nicht zu einem schädlichen Ranking der einzelnen Schulen und vor allem Schulformen untereinander“, sagte deren Schulexpertin Sabine Boeddinghaus. Die Ergebnisse an sich seien nicht überraschend. „Ihre Ausschlachtung jetzt dient lediglich als weiterer Sargnagel für die Stadtteilschulen.“ Dabei habe nicht diese Schulform versagt, „sondern das politisch gewollte Konstrukt aus Stadtteilschulen und Gymnasien, die mit diametral entgegenstehenden Ausgangsbedingungen in einen unfairen Wettbewerb geführt werden“.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Sep.2016 | 17:18 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen