zur Navigation springen

Geschäft für Abhörtechnik : Spyshop: James Bond in Hamburg-Hoheluft

vom

Im Spyshop sind Manschettenknöpfe mit Kamera der Renner. Auch Aufsperrtechnik hat Mahmod Abu Shanab im Angebot.

Hamburg | Werbung hat er nicht nötig. Die Kunden kommen auch so, „meist durch Mundpropaganda“, sagt Mahmod Abu Shanab. Ob ausgeklügelte Sicherheitstechnik, versteckte Kameras, Peilsender oder Hochleistungsmikrofone im Miniformat – Shanabs Spyshop in der Hoheluftchaussee bietet alles, was man sonst nur aus James-Bond-Filmen kennt.

Eine junge Frau verlässt schnellen Schrittes den Laden. „Sie arbeitet in der Immobilienbranche und will ihren Wagen checken lassen“, verrät der Firmeninhaber, „kein Problem für uns, das machen wir professionell.” Seine Mitarbeiter werden bei der Überprüfung nach Gegenständen suchen, die auf einen Lauschangriff schließen lassen. In dem lukrativen Gewerbe sei es nämlich „alltäglich“, so Shanab, dass Makler Konkurrenten ausspähten, um zu erfahren, welche Objekte sie sich anschauten. „So kann man sich einen ganz großen Wettbewerbsvorteil verschaffen.“ Früher gab es das nur in Hollywood, heute sind solche Methoden auch in Hamburg Realität. Und was ist, wenn ein Peilsender in dem Auto der Dame gefunden wird? Dann laute die Strategie „falsche Infos streuen“, sagt der Experte für Überwachen und Tarnen.

Eine Mini-Kamera mit Mikrofon.
Eine Mini-Kamera mit Mikrofon. Foto: Volker Strahl
 

Im Ladengeschäft im Stadtteil Hoheluft wirbt der spyshop mit „Abhörtechnik“ und „Aufsperrwerkzeugen“. Hinter Glas zu bestaunen sind allerlei skurril anmutende technische Geräte, deren Nutzwert sich dem Laien nicht auf den ersten Blick erschließt. Shanab verkauft alles, was das Herz von Hobbydetektiven und Nachwuchs-Schlapphüten höher schlagen lässt: Frequenzdetektoren, die Alarmanlagen ausschalten, in Streichholzschachteln versteckte Hochleistungsmikrofone samt Sender oder GPS-Systeme, die die Position des „Objekts“ per SIM-Karte via Google Earth an ein Smartphone senden. Es ist auch möglich, zusätzlich ein Mikrofon zu installieren. So kommen gehörnte Ehefrauen dem Treiben ihrer Gatten auf die Spur. Der ganze Spaß kostet sie rund 400 Euro.

Solch technischen Schnickschnack zu entwickeln und an jedermann zu verkaufen ist hierzulande legal. Verboten ist nur, die Technik außerhalb der eigenen Wohnung einzusetzen und gegen Datenschutzbestimmungen zu verstoßen. Nur Sicherheitsbehörden mit richterlichem Beschluss oder bei Gefahr im Verzug dürfen das. Aber auch da ist das Unternehmen von Abu Shanab mit von der Partie – es kooperiert mit der Polizei bei Wohnungsöffnungen.

Außer dem Spyshop und der Firma MSC Sicherheitstechnik betreibt Abu Shanab einen Schlüsselnotdienst. Für die Polizei nach richterlichem Beschluss eine Tür aufzusperren, okay – aber was ist, wenn die von ihm nach amerikanischem Vorbild entwickelten Türöffner in die falschen Hände geraten? „Die Frage können Sie jedem Verkäufer stellen, der ein Messer verkauft: Man kann damit Kartoffeln schälen oder jemanden umbringen“, antwortet Abu Shanab routiniert.

Mahmod Abu Shanab wurde in Hamburg geboren, seine Eltern stammen aus dem Nahen Osten. Der Vater war Stipendiat, studierte Maschinenbau. Als Kind spielte der kleine Mahmod täglich Schach und bastelte gern. „Ich kann im Kopf gut konstruieren und zeichnen“, sagt der kreative Kopf, der vor drei Jahrzehnten – noch vor dem Abi – anfing, Türöffner und elektronische Überwachungsgeräte zu entwickeln. „Damals  haben mich die Leute belächelt.“

Heute vertreibt er seine Erfindungen weltweit – auch an Geheimdienste. Abu Shanab hat schon für „monarchistische Systeme“ gearbeitet und bildet „Dienste“ aus. Fragen nach der Moral seines Tuns kontert er mit einem „Spruch“ aus Regierungskreisen: „In den Ländern, wo am wenigsten gefoltert wird, herrscht die größte Überwachung.“ Aktueller Renner bei seiner hiesigen Kundschaft sind „Werkzeuge für beschädigungsfreien Zutritt“ und Manschettenknöpfe mit eingebauter Kamera. „Außerdem ist immer mehr Sicherheits- und Videotechnik gefragt“, sagt Abu Shanab, vor allem Alarmanlagen seien der Renner, seit die Einbruchszahlen in die Höhe geschossen sind. Immer stärker ist auch seine Expertise bei der  Aufklärung von Wirtschaftskriminalität und Betriebsspionage gefragt.

Auch für die Kollegen aus dem Medienbereich ist der Sypshop eine beliebte Anlaufstelle. Mitarbeiter des NDR betreiben mit Abu Shanabs innovativer Technik investigativen Journalismus. 30 Prozent aller mit versteckter Kamera gedrehten Filme im Fernsehen, schätzt der pfiffige Firmeninhaber, seien mit von ihm entwickelten, rund 600 Euro teuren Geräten gemacht worden.

Das Private verschwindet zusehends, Kontrollwahn und Überwachung nehmen orwellsche Ausmaße an. „Die Welt ist nicht schlechter geworden“, wiegelt Abu Shanab ab, „aber es stimmt schon: Ich bin in einer Boombranche tätig.“

zur Startseite

von
erstellt am 14.Apr.2017 | 09:38 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen