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Hamburg

26. Mai 2016 | 18:27 Uhr

Wie in Köln : Silvester in Hamburg: Schon 27 Anzeigen wegen Übergriffen

vom

In der Silvesternacht sind auch auf dem Kiez Frauen sexuell belästigt und ausgeraubt worden. Die Polizei spricht von mindestens zehn Fällen.

Köln | Nach einer Vielzahl von sexuellen Übergriffen auf junge Frauen in der Silvesternacht sind bei der Hamburger Polizei bis Dienstag 27 Anzeigen eingegangen. Zehn Fälle davon wertet das Landeskriminalamt ausschließlich als sexuelle Belästigung, teilte ein Polizeisprecher mit. Bei den übrigen 17 wurde den Opfern demnach auch das Handy, Geld und Ausweise geraubt oder gestohlen. Bis Dienstagnachmittag lagen nach Angaben des Sprechers 50 Hinweise vor, die noch ausgewertet werden sollten.

Die Vorfälle in Hamburg waren nicht die einzigen deutschlandweit. Am Silvesterabend hatten vor dem Kölner Hauptbahnhof rund 1000 Männer vielfache Übergriffe auf Frauen verübt. Aus der Menge hätten sich Gruppen von mehreren Männern gebildet, die Frauen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt hätten, sagte die Polizei und sprach von Sexualdelikten in sehr massiver Form und einer Vergewaltigung. Rund 60 Anzeigen lagen bis Montag vor.

An der Reeperbahn seien Frauen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren jeweils von mehreren Männern umringt und an der Brust oder im Intimbereich begrapscht worden, sagte Polizeisprecher Holger Vehren. Die Täter sollen Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren „mit südländischem oder arabischem Aussehen“ gewesen sein. Die genannte Zahl der Angreifer schwanke zwischen fünf bis sechs und fünf bis 20. Ob es sich jeweils um dieselben Täter oder um verschiedene Gruppen gehandelt habe, sei noch nicht geklärt.

Die Art des Vorgehens sei für Hamburg neu. „Dieses Phänomen so komprimiert haben wir noch nie festgestellt“, sagte Vehren. In Einzelfällen seien Menschen von Dieben „angetanzt“ und bestohlen worden. Davon seien aber auch Männer betroffen gewesen. „In diesem Fall sind alle Opfer Frauen, auch das ist besonders“, sagte der Sprecher weiter. Nach Silvesterfeiern in früheren Jahren oder anderen Großereignissen wie dem Alstervergnügen seien keine Übergriffe nach dieser Methode bekannt geworden.

Die erste Anzeige sei eine Stunde nach der Tat auf der Davidwache an der Reeperbahn erstattet worden. Weitere Anzeigen seien seit Montag bei verschiedenen Hamburger Kommissariaten eingegangen. Die Polizei sucht nun Zeugen. In der Tatzeit zwischen 0.30 und 3 Uhr am Neujahrsmorgen hätten die zahlreichen Feiernden auf der Reeperbahn bestimmt viele Fotos gemacht, zeigte sich Vehren optimistisch. Von besonderem Interesse seien Aufnahmen vom Bereich Beatles-Platz am Eingang zur Großen Freiheit.

So reagiert Hamburg auf die Vorfälle

Die CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft fordert ein hartes Vorgehen gegen die Täter. „Gegenüber solch widerlichen Straftaten darf es keinerlei Toleranz geben, unabhängig davon, wer sie begeht“, sagte der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Dennis Gladiator. Sollte sich bestätigen, dass es sich bei den Tätern um Ausländer handele, müsse das Aufenthaltsrecht verschärft werden. Er sprach sich dafür aus, dass Flüchtlinge bei jeglicher Verurteilung zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe abgeschoben werden können, und nicht erst ab einer Strafe von drei Jahren. Er denke dabei aber nicht an geringfügige Straftaten wie Ladendiebstahl, fügte Gladiator hinzu.

„Die Berichte über Gewalttaten an Frauen in Hamburg und Köln in der Silvesternacht schockieren die Bürgerinnen und Bürger“, erklärte der Landesfrauenrat. Gerade in Zeiten einer großen Zuwanderung nach Deutschland aus anderen Kulturkreisen müsse die Unversehrtheit von Frauen garantiert sein. Der Dachverband von rund 60 Frauenvereinigungen erinnerte daran, das der Staat verpflichtet ist, die Würde des Menschen schützen. „Der Landesfrauenrat Hamburg e.V.fordert den Senat auf, den Artikel 1 unseres Grundgesetzes 100% umzusetzen.“

Andrea Oelschläger von der AfD-Fraktion sagte: „Es ist unerträglich, dass die Sicherheit in Hamburg offenbar nicht mehr gewährleistet ist, wie immer behauptet wird.“

Innensenator Michael Neumann (SPD) warnte dagegen: „Die Ereignisse in Köln und Hamburg dürfen nicht für Fremdenfeindlichkeit missbraucht werden!“ Er fügte hinzu: „Klar ist aber: Wer in Deutschland Zuflucht sucht, muss unsere Gesetze achten.“ Straftäter würden von der Polizei konsequent zur Verantwortung gezogen.

Auch der innenpolitische Sprecher der SPD, Arno Münster, versicherte: „Unsere Polizei reagiert stets konsequent und lageangepasst.“ Die Vorkommnisse müssten ebenso zügig wie sorgfältig aufgeklärt werden.

Der FDP-Innenpolitiker Carl Jarchow forderte den Senat auf, die Polizei und die Justiz zu stärken, um die innere Sicherheit zu gewährleisten. „Rot-Grün darf hier nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und die Problematik herunterspielen.“

Antje Möller von der Grünen-Fraktion rief mögliche weitere Opfer auf, sich bei der Polizei zu melden und Anzeige zu erstatten. Das könne die Identifizierung der Tatverdächtigen erleichtern.

Der Innenausschuss der Bürgerschaft werde sich am 14. Januar mit den Vorfällen beschäftigen.

 

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erstellt am 05.Jan.2016 | 17:58 Uhr

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