zur Navigation springen

Proteste in Hamburg : Senvion: Mitarbeiter glauben, ihre Jobs sind noch zu retten

vom

Das Ringen um Arbeitsplätze bei Senvion hat begonnen: Ziel der Belegschaft ist es, alle Standorte zu erhalten.

Hamburg | Das war eine klare Ansage an die Manager des Windanlagenherstellers Senvion: Mehr als 300 Beschäftigte haben am Montag in Hamburg lautstark gegen die geplante Schließung mehrerer Standorte und die Streichung von 730 Jobs in Norddeutschland protestiert. „Es gibt genug gute Ideen, um an den Standorten weiterzuarbeiten“, sagte Meinhard Geiken, Leiter des Bezirks Küste in der IG Metall, unter dem Beifall der aufgebrachten Arbeitnehmer.

Senvion ist ein wichtiger Arbeitgeber in Schleswig-Holstein. Der Hersteller von Windenergieanlagen im Onshore- und Offshore-Bereich entwickelt, produziert und vertreibt Windenergieanlagen. Die Systeme wurden bislang im Senvion TechCenter in Osterrönfeld konstruiert und in den deutschen Werken in Husum, Trampe und Bremerhaven sowie in Portugal gefertigt.

Geiken hatte Betriebsräte sowie Landes- und Kommunalpolitiker zum Krisengespräch an einem Runden Tisch im Gewerkschaftshaus versammelt. Auch Senvion-Vorstandschef Jürgen Geißinger war geladen, kam aber nicht, was für bissige Kommentare unter den Anwesenden sorgte. „CEO, komm' raus aus deinem Dickicht, sonst kommen rein“, drohte der Betriebsratschef der Bremerhavener Senvion-Tochter Powerblades, Alan-Thomas Bruce, dem Unternehmenschef.

Geißinger hat angekündigt, dass Senvion in Deutschland zusammen 730 Mitarbeiter entlassen will. Außer Powerblades (250 Beschäftigte) sollen auch die Werke in Husum (120) und Trampe (120, Brandenburg) geschlossen werden. Jobabbau ist ferner an anderen Standorten vorgesehen, darunter in Osterrönfeld und in der Hamburger Zentrale. Geißinger begründet die Maßnahmen mit Kostendruck. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Eigentümer Senvion für einen Verkauf attraktiver machen wollen. Das Unternehmen gehört dem US-Fonds Centerbridge. 

Es dürfe nicht sein, dass der Finanzinvestor auf Kosten der Belegschaft seinen Profit aus dem Betrieb ziehen wolle, kritisierte Geiken. Nach seinen Angaben haben Betriebsräte und Belegschaften realistische Konzepte zum Fortbestand der Werke vorgelegt. Lau Lothar Andreas, Betriebsratsvorsitzender am Standort Husum, könnte dort beispielsweise ein Zentrum für Service,  Wartung und Reparatur entstehen. „Dann blieben 72 Jobs erhalten.“

Prominenten Beistand erhielten die Senvion-Beschäftigten aus der Politik. Der Kieler Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) sagte die Hilfe der Landesregierung zu, diese werde betriebliche Änderungen unterstützen. Die Mitarbeiter rief Meyer dazu auf, weiterhin Druck auf die Chefetage auszuüben: Seid bitte alle laut.“

Zum Runden Tisch gekommen war auch Meiers Bremer Ressortkollege Martin Günthner (SPD). Er forderte: „Senvion darf sich nicht vom Shareholder-Value treiben lassen. Es geht um den Erhalt guter Arbeitsplätze in der Windindustrie.“

Unter den anwesenden Beschäftigten herrschten Wut und kämpferische Entschlossenheit vor. Allerdings äußerte sich manch einer auch resigniert. Ingo Zöhrens, Produktionsmitarbeiter aus Husum, glaubt nicht an den Erhalt des Standorts an der Nordsee. „Das Werk ist nicht mehr zu retten. Es geht nur noch um die Höhe der Abfindungen.“

zur Startseite

von
erstellt am 27.Mär.2017 | 18:36 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen