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Hamburg

08. Dezember 2016 | 21:18 Uhr

Hamburg, Berlin oder lieber keiner? : Sechs Gründe, warum Olympia 2024 jetzt schon nervt

vom
Aus der Onlineredaktion

Seit Monaten gibt es das Olympia-Duell zwischen Hamburg und Berlin. Eine Empfehlung wird am Montag erwartet. Einige haben schon jetzt genug.

Hamburg/Berlin | Olympia 2024 soll das Event in Deutschland werden. Ob Hamburg oder Berlin das Rennen als Bewerberstadt für die Sommerspiele macht, wird erst am 21. März geklärt. Am Montag will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) eine erste Empfehlung abgeben – sie soll gegen 19 Uhr mitgeteilt werden, unser Liveticker beginnt um 17 Uhr. Aber auch nach der Empfehlung ist es noch ein langer Weg und noch ist nicht einmal sicher, ob die Spiele überhaupt nach Deutschland kommen. Eines steht aber fest: Olympia nervt jetzt schon.

Die Zeit bis Olympia: Ein elendlanger Weg der Entscheidungen

Am 10. März gab es die Auswertung der Meinungsumfrage. Am 15. März wird beraten, dann am heutigen Montag (16. März) gibt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) eine erste Empfehlung ab, welche der beiden Bewerberstädte den Zuschlag bekommen soll. Danach gibt es am 21. März den offiziellen Beschluss. Es folgen Bürgerentscheide in Hamburg oder Berlin, die ein letztes deutliches Signal geben sollen. Dann: die Anmeldung der Kandidatur im September, die offizielle Bewerbung beim Internationalen Olympischen Kommitee (IOC) im Januar 2016, die Auswahl der finalen Kandidaten durch das IOC. Es folgen weitere Etappen, bis das IOC durch eine Kommission evaluiert, welche Stadt geeignet ist. Am Ende wird erst im Sommer 2017 in Lima (Peru) entschieden, wer die Spiele tatsächlich austragen darf. Und seit etwas über einem Jahr wird bereits diskutiert, gemacht, getan, geplant. Olympia 2024 ist schon jetzt anstrengend, dabei ist nichts entschieden und eigentlich noch gar nichts passiert.

28 Prozent sprachen sich für Hamburgs Bewerbung aus. S. Stache/Archiv
Der Weg zu Olympia ist noch weit, doch stressig ist er jetzt schon. Foto: Soeren Stache
 

Das vergangene Olympia: Schilksee erinnert noch immer an 1972

Kiel bewirbt sich als Segelrevier für die Spiele, sollte Hamburg den Zuschlag bekommen. Bereits 1936 und 1972 war Kiel Austragungsort der Segelwettbewerbe. Ein drittes Mal muss her. Dafür wird alles getan. Damals war München die Olympiastadt mit Maskottchen „Waldi“, einem bunten Dackel. Der passte genauso wenig zum Segelrevier in Kiel, wie das „wunderschöne“ Olympiazentrum in Schilksee. Der Charme der 70er Jahre hat den Ausgang der Kieler Förde noch heute fest im Griff – etwas sanierungsbedürftiger als vor über 40 Jahren. In einer „unschlagbaren“ Olympiakampagne, die „alle anderen potentiellen Mitbewerber von vornherein verschreckt“ (Zitat Ulf Kämpfer), werden kühne Pläne für das ehemalige Marineflieger-Areal aufgestellt, während Schilksee weiter vor sich hingammelt. Die neuen Ideen knüpfen sich architektonisch nahtlos an den 70er-Charme von nebenan an – dieses Mal allerdings mit Beton-Glas-Architektur. Das schreckt wirklich ab.

So könnte es 2024 in Schilksee aussehen: Ein Olympisches Dorf, in welchem die Athleten wohnen können.
So könnte es 2024 in Schilksee aussehen: Ein Olympisches Dorf aus Glas und Beton. Foto: Visualisierung: Monokrom, Hamburg
 

Feuer und Flamme: Die Parolen des Olaf Scholz

Olaf Scholz ist wahrer Olympia-Verfechter, wenn es um die Bewerbung seiner Hansestadt geht. Er produziert ein geschwollenes Zitat nach dem anderen. Da heißt es: „Hamburg will den Beweis antreten, dass ein demokratischer Staat Olympische Spiele austragen kann, ohne sich hoffnungslos zu verschulden“, oder „Wir werden auf eine Weise nachhaltig und kompakt sein, wie man das in der olympischen Geschichte noch nicht kennengelernt hat.“ Dabei propagiert Scholz das Wir-Gefühl. „Wir spüren, dass die olympische Idee begeistert und dass von ihr Impulse ausgehen, die unserem Land gut tun.“ „Hamburg wäre sehr geehrt, wenn der deutsche Sport uns beauftragt, sich für unser Land um Spiele zu bewerben“, sagt Scholz und betont dabei immer wieder: „Die Spiele sollen smart geplant, nicht überdimensioniert sein“.  Scholz sagt, er habe keinen Zweifel, dass die Volksabstimmung eine breite Zustimmung ergeben würde. So viel Optimismus, Superlative und Energie sind fast schon erdrückend. Vor allem, wenn man in Betracht zieht, dass das bis 2017 und darüber hinaus weitergehen könnte. 

Hamburgs erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sieht sich mit seiner Stadt im Vorteil.
Hamburgs erster Bürgermeister Olaf Scholz will Olympia und ist Feuer und Flamme. Foto: Christian Charisius
 

Olympia in Hamburg: Es riecht nach Elbphilharmonie 2.0

Trotz eines funkensprühenden ersten Bürgermeisters ist die Hamburg-trägt-die-olympischen-Spiele-aus-Idee durchaus umstritten. Da meldet sich die Linke und fordert von der Hamburgischen Bürgerschaft eine Ablehnung der aktuellen Olympia-Pläne. Der Senat betreibe einseitig Stimmung, sagte Mehmet Yildiz, sportpolitischer Sprecher der Fraktion. Kosten und Risiken einer Bewerbung würden nicht transparent dargestellt. Der finanzpolitische Sprecher der Linken, Norbert Hackbusch, verglich das Vorgehen sogar mit den Anfängen der Elbphilharmonie: „Das ist die gleiche Rausch-Politik wie damals.“ Die Linke schätzt die Kosten für die Olympischen Spiele auf mindestens 7,3 Milliarden Euro. Hamburg plant bislang mit etwas über zwei Milliarden. Das sich auch der Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg, Gunther Bonz, zu Wort meldet, dämpft die smarten Pläne von Olaf Scholz. Bonz hält die Vorbereitungszeit für Olympische Spiele 2024 in der Hansestadt nämlich für viel zu kurz. Für das vom Senat vorgeschlagene Olympia-Gelände auf dem Kleinen Grasbrook müssten mehrere Unternehmen mit insgesamt 2000 Beschäftigten umgesiedelt werden, sagte Bonz. Schon jetzt klingt es stressig, wenn man darüber nachdenkt, was die nächsten Jahre kommt, sollte Hamburg den Zuschlag bekommen: politische Debatten, Kostenexplosionen, Erklärungsversuche, Eklats, Konsequenzen und eine Opposition, die ruft: „Wir haben es ja immer gesagt.“

Plan Olympiagelände Kleiner Grasbrook. Computeranimation: Büro Gärtner und Christ
Der Plan für das Olympiagelände „Kleiner Grasbrook“. Zwei Milliarden Euro sind dafür eingeplant. Foto: gmp, Büro Gärtner und Christ
 

Das volle Programm mit Slogans zum Gähnen

Das schlimme an Olympiabewerbungen sind ja nicht einmal Konzepte oder Pläne für Standorte – es sind hippe und moderne Slogans, die von den Verantwortlichen in höchsten Tönen gelobt werden. „Kiel.Sailing City“ zum Beispiel. Es ist nicht nur ein Slogan, es ist viel mehr. Die drei Worte sind Dachmarke für das Marketing der Stadt. Mit App, eigenem Song und der Message: Hinter dem Slogan steht ein ideales Segelrevier, Weltoffenheit und eine Stadt am Wasser. „Gemeinsam Segel setzen“ will Lübeck. Das Plakat drücke aus, wofür der Segelstandort Travemünde steht: Segeln zum Greifen nah, sagt Bürgermeister Bernd Saxe. In Hamburg ist man „Feuer und Flamme“ für eine der nachhaltigsten Olympia-Bewerbungen aller Zeiten. Etwas Skepsis bleibt. Das ändern auch keine Plakate, Flyer, Facebook-Pages, Homepages oder Parolen. Freunde, dieses Olympia ist erst in neun Jahren!

In Lübeck sind bereits Olympia-Plakate zu sehen.
In Lübeck sind bereits Olympia-Plakate zu sehen. Foto: Olaf Malzahn
 

Der Deutsche Olympische Sportbund

Zu guter Letzt ist da noch der DOSB, der durch Uneinigkeit besticht. Zunächst bestätigt die Meinungsumfrage, dass sich über 70 Prozent der Deutschen für eine Olympia-Bewerbung Deutschlands aussprechen. Das ist eine glasklare Zweidrittel-Mehrheit. Doch plötzlich kommt Kritik des DOSB-Vize Walter Schneeloch. „Es könnte sein, dass wir zu dem Schluss kommen, keine Bewerbung für die Spiele 2024 abzugeben, weil uns die Zustimmung vielleicht nicht hoch genug erscheint.“ In Hamburg und Berlin reagiert man verhalten. Mit 64 und 55 Prozent Zustimmung in den Städten ist auch hier eine Mehrheit dafür. Schnell gibt es Entwarnung. „Für uns völlig klar: Wir wollen die Spiele 24“, sagt DOSB-Chef Alfons Hörmann. Aha! Noch im November sagte Hörmann, dass 50,01 Prozent ohnehin reichen würden. Unterdessen werfen Kritiker den Machern der Forsa-Umfrage Manipulation vor, die Verantwortlichen verneinen und das ZDF-Politbarometer stellt fest, dass 47 Prozent der Bürger beide Städte als Austragungsorte favorisieren. Hoffentlich löst das keine weiteren Diskussionen aus. Gegner und Befürworter in Deutschland nerven jetzt schon, da bleibt eigentlich nur die Frage: Ist Deutschland reif für Olympia?

Vertreter der Sportspitzenverbände wollen mit dem Präsidium des DOSB über den deutschen Olympiabewerber beraten.
Der DOSB ist sich uneins über eine Bewerbung. Foto: Britta Pedersen

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erstellt am 16.Mär.2015 | 06:24 Uhr

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