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Hamburg

05. Dezember 2016 | 17:45 Uhr

Ohlsdorf : Schleichweg zwischen Toten: Wenn der Friedhof zur Staufalle wird

vom

Durch den Friedhof Ohlsdorf führt ein 17 Kilometer langes Straßennetz – für viele eine praktische Abkürzung in der Rushhour.

Hamburg | Beeindruckende 391 Hektar ist der Ohlsdorfer Friedhof groß, was ihn zum größten seiner Art in der Welt macht. Wegen dieser Weitläufigkeit durchzieht ein 17 Kilometer langes Straßennetz das Areal. Gerade ältere Besucher sollen bequem auch per Auto zu den Gräbern und Kappellen gelangen können. Doch die wenigsten, die Ohlsdorf in ihren Autos tagtäglich durchqueren, kommen zum Grabbesuch oder zur Trauerfeier. Die allermeisten nutzen die Tour zwischen den Toten schlicht als Schleichweg.

Jetzt haben Friedhofsverwaltung und Senat die Nase voll von pietätlosen Abkürzern und schieben dem Treiben zumindest am Morgen einen Riegel vor. Ab Samstag ist der Friedhof erst ab 9 Uhr für den Autoverkehr geöffnet, eine Stunde später als bisher. Die sei eine Aktion gegen Durchfahrer, teilt der Friedhof mit. Eine Zählung habe ergeben, dass in der ersten Stunde der bisherigen Öffnung viele Berufstätige den Friedhof als Abkürzung nutzen, „was nach der Hamburger Bestattungsverordnung nicht erlaubt ist“. Als „besonderer, unverwechselbarer und sensibler Ort der Ruhe“ werde der Parkfriedhof so wirksam gegen „frühe Störenfriede“ geschützt.

Die Nutzung durch Pkw hat in Ohlsdorf zuletzt immer mehr zugenommen. Mittlerweile rollen täglich etwa 5000 motorisierte Fahrzeuge über das Gelände. Friedhofschef Carsten Helberg schätzt, dass zwei Drittel davon auf reinen Durchgangsverkehr entfällt. Das haben Zählungen an den vier Einfahrten ergeben. Besonders beliebt sind demnach die Einlässe an der Fuhlsbüttler Straße im Westen und der Bramfelder Chaussee im Osten. Wer auf dieser Route unterwegs ist, umgeht die stark befahrene Bramfelder Chaussee. Helberg schätzt, dass sich allein durch die spätere Öffnung der Autoverkehr um 70 Prozent reduzieren lässt. Zusätzlich wird die Ausfahrt auf die Fuhlsbüttler Straße von zwei auf eine Spur verengt, um die Wartezeit dort zu verlängern. 

Das Aussperren des morgendlichen Rushhour-Verkehrs erfolgt mit Segen der Umweltbehörde. Staatsrat Michael Pollmann: „Ich begrüße diese Maßnahme als Signal an die Durchfahrerinnen und Durchfahrer, dass der Friedhof und sein grüner Reichtum mehr Respekt verdienen.“ Der Ohlsdorfer Friedhof sei kein Ort, um die Fahrzeit zum Arbeitsplatz zu verkürzen.

An der Öffnungszeit am Nachmittag und am Abend ändert sich dagegen nichts. Der Friedhof bleibe bis 21 Uhr für Autos offen, sagte ein Sprecher. Angehörige sollen weiterhin die Gelegenheit haben, nach Feierabend die Ruhestätten ihrer Lieben zu besuchen.

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erstellt am 30.Sep.2016 | 19:22 Uhr

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