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Hamburg

28. September 2016 | 15:41 Uhr

Hamburger Reederei : Schiffskrise bei Hansa Treuhand: Sechs Schiffe insolvent

vom

Sechs Schiffe der Hansa Treuhand sind in Insolvenz geraten. Von 130 müssen 36 Mitarbeiter gehen.

Hamburg | Die Krise in der Schifffahrt schlägt jetzt auch beim Hamburger Reederei- und Investmenthaus Hansa Treuhand ein. Während nun sechs Schiffe in die Insolvenz gerieten, stellte das Emissionshaus zugleich die Auflage neuer Beteiligungsfonds ein, wie Unternehmenssprecherin Julia Eble berichtete. Fast ein Viertel der Arbeitsplätze werde abgebaut.

Die Krise in der Schifffahrt und dem dazugehörigen Fondsgeschäft währt inzwischen seit acht Jahren. Nach dem Finanzmarktcrash 2008 stürzte zunächst die globale Konjunktur ab. Der Handel brach ein. Immer mehr Containerschiffe verloren ihre Auslastung. Das riss in Deutschland die gesamte Sparte der Schiffsfonds in den Abgrund.

Vergangene Woche musste die Hansa Treuhand an der Außenalster für sechs Schiffe aus ihrer Flotte Insolvenz anmelden. Es handelte sich um Pötte, die Geschäftsführer Hermann Ebel persönlich gehören. Doch keineswegs seien diese Schiffe nun unbeschäftigt. Sie lägen nicht nutzlos in irgendwelchen Häfen der Welt herum, sondern seien in Betrieb, erläutert Sprecherin Eble. „Aber die Schiffe verdienen zu wenig.“ Die Einnahmen seien wegen der hohen Überkapazitäten bei Containerschiffen seit 2008 in den Keller gerutscht. Auch ein Verkauf der sechs Objekte sei deshalb vorerst schwierig, aber geplant. 

Krise betrifft vor allem die Containerpötte

Die Ebbe auf dem Schiffsmarkt reißt bei der Hansa Treuhand Gruppe noch weitere Löcher ins Geschäft. So will nach Auskunft Ebles die Reederei Hansa Shipping die von ihr betreute Flotte von ursprünglich mehr als 50 Schiffen durch Verkäufe halbieren. Die Fondssparte will keine neuen Anlageangebote mehr auf den Markt bringen. Von 130 Mitarbeitern müssen demnächst 36 gehen, bilanziert die Unternehmenssprecherin.

Die noch laufenden Fonds sollen jedoch weiterhin verwaltet werden. Nach Auskunft Ebles betreut ihr Haus zurzeit noch rund 20 Schiffsfonds, vier Flugzeugfonds und zwei Fonds mit Unternehmensbeteiligungen (Private Equity). Unter den Schiffsfonds entwickelten sich jene mit Tankschiffen „prima“, berichtet Eble. Von der Krise seien vor allem die Containerpötte betroffen.

Inzwischen befinden sich bereits mehrere Hundert Schiffe, die von Fondsanlegern finanziert worden waren, in Insolvenz oder in bedrohlicher Schieflage. „Deutlich mehr als 275.000 vorrangig deutsche Anleger haben in mehr als 1.435 deutsche Schiffsfonds investiert“, bilanziert die Hamburger Anwaltskanzlei Hahn, die sich auf den Finanzbereich spezialisiert hat. „Rund ein Drittel der weltweiten Containerschiffsflotte wurde von deutschen geschlossenen Fonds finanziert.“

Und damit wurden gewaltige Überkapazitäten geschaffen. Nach Einschätzung von Treuhand-Sprecherin Eble wollte die Bundesregierung vor Jahrzehnten durch die Förderung von Schiffsfonds als Steuersparmodell die Nachfrage für die deutschen Werften ankurbeln. Doch dann drangen Korea und Polen in die Branche vor. Und die Hoffnungen auf hohe Zuwächse im Welthandel hätten sich letztendlich nicht erfüllt. Ein Ende der Talfahrt zurzeit nicht in Sicht.

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erstellt am 20.Sep.2016 | 14:39 Uhr

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